Braucht es Katastrophenübungen für die Bevölkerung?

Von Amelie Kaiser · 3. April 2025 um 05:00

Grünen-Innenpolitiker fordern in einem Zehn-Punkte-Plan einen bundesweiten Bevölkerungsschutztag. Mittels jährlicher Katastrophenübungen soll die Bevölkerung konkret geschult werden, wie in Notlagen, Katastrophen- und Kriegsfällen zu handeln ist. Der Plan „Sicherheit statt Populismus“ sieht insgesamt eine Stärkung des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe vor. Der Bevölkerungsschutztag habe den Zweck „die Krisenfestigkeit der gesamten Gesellschaft zu erhöhen.“

„Viel Nachholbedarf“

Die Forderung nach einem Bevölkerungsschutztag trifft bei den letztlich ausführenden Stellen grundsätzlich auf Zustimmung. „Es ist jedoch zum jetzigen Zeitpunkt entscheidend, dass wir einen abgestuften Ansatz verfolgen“, sagt die Sprecherin des Deutschen Städte- und Gemeindebundes. „Zunächst sollten wir uns auf die Schulung von Schlüsselpersonal in Verwaltungen, Betrieben und kritischen Infrastrukturen konzentrieren. Hier besteht viel Nachholbedarf.“ Generell sollten sich die jeweiligen Kommunen auf die Zunahme von Extremwetterereignissen, mit Folgen wie Hochwasser und Überschwemmungen, vorbereiten. „Hinzu kommt die steigende Zahl von Cyberangriffen. Diese können im schlimmsten Fall auch kurzfristig Stromausfälle oder eine Beeinträchtigung von Kommunikationsnetzen zur Folge haben“, sagte sie unserer Zeitung.

„Die Bevölkerung resilienter machen“

Auch das Deutsche Rote Kreuz (DRK) befürwortet die Idee, die Bevölkerung resilienter zu machen. „Die Realisierung einer Übung als Präsenzveranstaltung für Bürgerinnen und Bürger erachten wir jedoch als schwer umsetzbar“, sagt eine Sprecherin. Bei Betrachtung des gesamten Bundesgebiets seien große Unterschiede hinsichtlich der Demografie, der Anfälligkeit für Krisen und zwischen Stadt und Land zu beachten. „So ist zum Bespiel die Frage, ob Schutzräume, Sammelplätze oder Katastrophenschutzleuchttürme zu beüben sind, in diesem Zusammenhang von entscheidender Bedeutung.“ Zum einen sei das Vorhaben mit hohen Kosten verbunden, zum anderen sei die Anzahl der Teilnehmenden und die Wiederholungsmöglichkeit stark begrenzt. „Es würde lange dauern, bis das nötige Wissen der gesamten Bevölkerung zugänglich gemacht würde“, so das DRK.Der Städte- und Gemeindebund sieht neben der Erprobung von Warnsystemen, die Einrichtung von Notunterkünften und die Versorgung der Bevölkerung mit lebenswichtigen Gütern als übungsrelevant. „Dabei kann die Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr, THW, Rettungsdiensten und anderen Hilfsorganisationen erprobt und Optimierungspotenzial erkannt werden.“

Außerdem sind sich die Experten einig, dass die Menschen mehr Infos brauchen. Das DRK würde in Zukunft zum Beispiel Kurse wie „Erste Hilfe mit Selbstschutzinhalten“ für alle Bürger oder mindestens eine Person pro Haushalt verpflichtend machen. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe arbeitet an einem neuen Ratgeber. Eine Sprecherin begründet: „Wenn ein Notfall erst eingetreten ist, ist es für Vorsorgemaßnahmen meist zu spät. Dabei gibt es nicht nur die großen Katastrophen, die ganze Landstriche für lange Zeit betreffen. Ein örtlicher Starkregen, ein schwerer Sturm, in der Folge ein Stromausfall oder ein Hausbrand können für jedes Individuum, jede Familie eine ganz persönliche Katastrophe auslösen, die es zu bewältigen gilt.“