Dr. Michael Stierstorfer lebt seinen Beruf – und wurde jetzt dafür ausgezeichnet

Dr. Michael Stierstorfer wurde in Berlin mit dem deutschen Lehrkräftepreis ausgezeichnet. Von seiner Nominierung wusste er lange nichts, denn seine Schüler hatten ihn heimlich angemeldet. Mit Texten und Videos konnten sie der Jury zeigen, was den Lehrer zu einem der Besten in Deutschland macht.
Für seine Schüler steht schon lange fest: „Dr. Michael Stierstorfer unterrichtet nicht nur, sondern ist mit Herz und Seele dabei.“ Der gebürtige Tegernheimer unterrichtet Deutsch und Latein am Benediktinergymnasium in Schäftlarn (Landkreis München) – und wurde am Montag mit dem Deutschen Lehrkräftepreis ausgezeichnet.
Schon als Kind war Stierstorfer ein Bücherwurm. „Meine Eltern haben mir früher viel vorgelesen und als Jugendlicher habe ich Fantasy-Romane quasi verschlungen“, erinnert er sich. Sein Interesse an Latein wuchs durch zahlreiche Urlaube in Italien, doch endgültig sei der Funke erst auf einer Klassenfahrt nach Rom übergesprungen. „Dadurch, dass ich in Regensburg aufgewachsen bin, hatte ich aber auch zusätzlich noch einen Heimvorteil“, lacht der Lehrer. „Mir gefällt es hier nach wie vor richtig gut. Jedes Mal, wenn ich meine Eltern besuche, freue ich mich auch darauf, die Stadt zu erkunden.“
An der Universität Regensburg studierte Stierstorfer Gymnasiallehramt für Deutsch und Latein. „Nach dem Staatsexamen dachte ich mir irgendwie: Das kann doch nicht alles sein“, erzählt er. Statt direkt ins Referendariat zu starten, entschied sich der Lehrer für eine Promotion.
Vier Jahre forschte er über antike Mythologie in der modernen Kinder- und Jugendliteratur und beschäftigte sich damit, wie die Werke mit Schülern im Unterricht ausgewertet werden können. Sein Hauptfokus lag dabei auf der Fantasy-Buchreihe Percy Jackson, die bei Jugendlichen gerade durch die Filmadaption recht angesagt ist.
Innovative Unterrichtsideen
Nebenbei engagierte Stierstorfer sich für die Leseförderung, weil ihm Studien zur Lesekompetenz von Schülern Sorgen machten. Er knüpfte internationale Kontakte und arbeitete mit der Universität Warschau zusammen. „Lesen ist der Schlüssel zur Empathie“, sagt er. „Wer liest, kann Fake News besser erkennen und lässt sich nicht so leicht beeinflussen.“ Dass Schule nicht langweilig sein muss, zeigt er mit kreativen Projekten.
2022 rief er das P-Seminar „Booktubes als Tore zur Weltliteratur“ ins Leben, bei dem Schüler Buchrezensionen als Videoclips erstellen. Gemeinsam mit dem BR erlernten sie professionelle Filmtechniken und drehten Clips zu Werken wie „Dunkelnacht“ oder „Farm der Tiere“ – inklusive Dreh an Originalschauplätzen und einem Interview mit Kirsten Boie, der Autorin von „Dunkelnacht“. Diese kreative Herangehensweise kommt an: Die Booktube-Projekte wurden für mehrere Preise nominiert, und Stierstorfer selbst gibt inzwischen Fortbildungen für innovativen Unterricht.
Als 2020 plötzlich Homeschooling angesagt war, sah sich Stierstorfer mit einer Flut an Schülerfragen konfrontiert. Die Lösung? Ein eigener TikTok-Kanal namens „Magister Caesar“. Dort erklärt er Latein- und Deutschthemen, manchmal mit Humor, manchmal ganz klassisch. In seinem erfolgreichsten Video stellt er eine Sonderausgabe der Buchreihe „Gregs Tagebuch“ auf Latein vor, was ihm fast 130 000 Aufrufe einbrachte. Von Eltern und Schülern bekäme er viel positives Feedback, doch das Lehrerkollegium würde Stierstorfer mit gemischten Gefühlen gegenübertreten. „Natürlich kann Social Media mit den ganzen Fake News eine Herausforderung sein“, erklärt der Lehrer. „Ich sehe es aber eher als eine Chance, denn es hilft mir, meine Schüler zu erreichen.“
Trotz der vielen Projekte verliert Stierstorfer nie den Blick für das Wesentliche: Seine Schüler. „Ein guter Lehrer ist für mich tolerant, verständnisvoll und auch mal witzig. Am wichtigsten ist es aber, dass man keinen Schüler aufgibt“, sagt er. Seine Motivation? „Das freundliche, zufriedene Lächeln eines Schülers. Wenn Schüler motiviert sind sich zu verbessern, dann motiviert mich das auch.“
„Mehr als nur eine Trophäe“
Die Schüler lieben seine Begeisterung, seine unkonventionellen Ideen und die Art, wie er trockene Theorie mit aktuellen Themen verknüpft – das zeigt sich in den vielen Videos, die sie als Bewerbung zum Deutschen Lehrkräftepreis einsendeten. „Für mich ist Herr Stierstorfer der beste Lehrer, den es gibt. Sein Unterricht macht extrem viel Spaß und man merkt wirklich, wie viel Mühe er sich gibt“, sagt eine Schülerin in ihrem Video.
Die heimliche Nominierung für den Deutschen Lehrkräftepreis kam für Stierstorfer als riesige Überraschung. „Ich habe einfach eine E-Mail bekommen, dass ich in den Top 10 bin. Meine Schüler haben da echt gut dicht gehalten“, erzählt er lachend.
Der Preis bedeutet dem Lehrer jedoch mehr als nur eine Trophäe: „Es ist wirklich die tollste Wertschätzung, dass meine Schüler mich angemeldet haben. Ich freue mich sehr über die Anerkennung. Das Lehrer-Dasein ist weit mehr, als nur vor der Klasse zu stehen.“
In Berlin wurde Stierstorfer am Montag nun mit neun anderen Lehrkräften für sein außerordentliches Engagement ausgezeichnet. „Das war für mich total aufregend“, berichtet der Lehrer. Bei der Veranstaltung traten verschiedene Künstler auf, und den Preisträgern wurde sowohl eine Urkunde, als auch eine Plakette für ihre Schule verliehen.
Beim Exzellenz-Camp im Juni, zu dem alle Gewinner eingeladen werden, möchte Stierstorfer mit anderen Preisträgern innovative Unterrichtskonzepte entwickeln – in der Hoffnung, dass sie irgendwann in Schulen umgesetzt werden.
P-Seminar Booktubes
Plattform: „Booktubes“ sind Buchbesprechungen in Form von Videoclips, die dann auf der Plattform YouTube veröffentlicht werden.
Anleitung: Die Schüler haben recherchiert, Skripte geschrieben und von einem Medienteam vieles über den Videodreh gelernt.
