Letzter Transport von deutschem Atommüll aus Sellafield nach Niederbayern hat begonnen

Von Passauer Neue Presse · 27. März 2025 um 11:54

Sieben Behälter mit radioaktiven Abfällen machten sich am Mittwochabend auf den Weg aus der englischen Wiederaufbereitungsanlage in Sellafield ins Zwischenlager nach Niederaichbach (Landkreis Landshut). Zuerst per Schiff, dann auf der Schiene.

Die „Pacific Grebe“, ein Spezialschiff für den Transport radioaktiver Materialien, legte am Mittwochabend im englischen Hafen Barrow-in-Furness ab. An Bord sieben Behälter mit radioaktiven Abfällen aus der Wiederaufarbeitung deutscher Brennelemente im englischen Sellafield. Zuvor waren die Castor-Behälter mit der Bahn von der Wiederaufarbeitungsanlage in Sellafield zum rund 65 Kilometer entfernten Hafen gebracht und dort auf das Schiff verladen worden. Nach Ankunft an einem deutschen Seehafen werden die Behälter ebenfalls wieder auf Eisenbahnwaggons verladen und auf der Schiene zum staatlichen Zwischenlager Isar (BZI) in Niederaichbach bei Landshut gebracht. Die entsprechende Transportgenehmigung erteilte das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) bereitsam 20. Dezember 2024.

Zur Rücknahme von Atommüll vertraglich verpflichtet

Die Kernkraftwerksbetreiber haben sich zur Rücknahme der Abfälle aus der Wiederaufarbeitung ihrer Brennelemente im Ausland vertraglich verpflichtet. Bis zum Jahr 2005 war es gängige Praxis, dass ein Teil der in deutschen Kernkraftwerken verbrauchten Brennelemente zur Wiederaufarbeitung in entsprechende Einrichtungen in England und Frankreich gebracht wurde. Die Brennelemente enthielten den für die nukleare Stromerzeugung erforderlichen Brennstoff. Nachdem sie in den Kernkraftwerken eingesetzt waren, beinhalteten sie immer noch wertvolle Brennstoffreste, die aufgearbeitet und wiederverwendet werden konnten. Es verblieben aber auch nicht-verwertbare radioaktive Abfälle, die entsorgt werden müssen.

Zwar beendete Deutschland die Wiederaufarbeitung, trotzdem bleibt die Verpflichtung zur Rücknahme des bis dahin angefallenen Atommülls. Der größte Teil der radioaktiven Abfälle aus Deutschland - insgesamt 108 Behälter aus dem französischen La Hague - wurde bereits in Gorleben in Niedersachsen eingelagert.

Abfälle werden auf Biblis, Brokdorf, Philippsburg und Isar aufgeteilt

Für den restliche Atommüll aus Deutschland erarbeitete die Bundesregierung 2015 ein Konzept. Dieses sieht vor, dass die verbliebenen Abfälle aus England auf die staatlichen Zwischenlager in Biblis, Brokdorf und Isar (Niederaichbach) verteilt werden sollen, die verbliebenen Abfälle aus Frankreich sollten in Philippsburg eingelagert werden. Alle diese Zwischenlager werden von der staatlichen BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung mbH betrieben. Die regionale Verteilung der Abfälle bzw. der Behälter auf Standorte in vier Bundesländern orientiert sich am Verursacherprinzip.

Aus England waren insgesamt noch 20 Castor-Behälter mit Abfällen nach Deutschland zurückzubringen: sechs davon wurden bereits im Jahr 2020 im staatlichen Zwischenlager Biblis eingelagert, sieben Behälter kommen noch Brokdorf. Die sieben für Isar sind nun auf dem Weg. Dabei betont die für den Trabsport zuständige GNS Gesellschaft für Nuklear-Service, dass die Sicherheit von Mensch und Umwelt bei Transport und Lagerung von radioaktiven Materialien immer an erster Stelle stehe. Die Strahlung der Abfälle wird nach außen massiv abgeschirmt.

Die Abfälle werden in der Wiederaufarbeitungsanlage mit flüssigem Silikatglas vermischt und in zylindrische Behälter aus Edelstahl gegossen, die dann – nach Aushärtung – dicht verschlossen werden. Diese mit ausgehärtetem Glasgemisch gefüllten Behälter werden „Glaskokillen“ genannt. Für Transport und Lagerung werden die Kokillen wiederum in die speziell für diese Abfallart konstruierten Behälter vom Typ Castor HAW28M eingebracht. Dabei handelt es sich um massive, über 100 Tonnen schwere Behälter aus Gusseisen und Edelstahl, für die laut GNS in umfassenden Tests nachgewiesen wurde, dass „sie sowohl eine stark abschirmende Wirkung haben als auch unter extremen Bedingungen sicher sind“.