Von wegen „faule Gen-Z“: Regensburger Studenten erklären, warum sie nebenbei arbeiten

Von Marion Neumann · 27. März 2025 um 09:00

Von Marion Neumann und Melissa Kinzel

Von wegen „faule Gen Z“: Laut einer neuen Studie arbeitet die Generation der 20- bis 24-Jährigen sogar mehr als junge Menschen zuvor. Auch an der Universität Regensburg haben viele Studenten einen Nebenjob. Das hat nicht nur finanzielle Gründe.

Während des Studiums ihr eigenes Geld zu verdienen, ist Lisa Krumpholz wichtig. „Meine Eltern unterstützen mich, was die Miete angeht. Ich komme aus Rosenheim und wohne hier in Regensburg alleine. Für den Lifestyle darüber hinaus, zum Beispiel fürs Kaffee trinken gehen oder für den Urlaub, gehe ich arbeiten.“

Die 20-Jährige studiert im sechsten Semester Jura an der Universität Regensburg. Seit rund zwei Jahren arbeitet sie nebenbei auf Minijob-Basis im Unikat, einem italienischen Restaurant direkt auf dem Campus. Hat sie keine Vorlesungen oder Seminare, serviert sie dort Pizza, Pasta und Getränke. „Es ist gut, dass ich hier auch Abendschichten übernehmen kann“, sagt sie. „Das Team ist super und man ist hier sehr flexibel. Ich kann mir meine Wunschzeiten aussuchen.“

Neue Studie: Erwerbsquote Jüngerer auf dem Höchststand

Mit ihrem Minijob neben dem Studium ist Krumpholz nicht allein. Laut einer neuen Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) arbeiten junge Menschen der Generation Z – der Altersgruppe der 20- bis 24-Jährigen – sogar überdurchschnittlich viel. Vor allem Studenten mit Nebenjob würden dafür sorgen, dass die Erwerbsquote Jüngerer gestiegen und damit auf dem Höchststand seit Jahrzehnten ist. Zwischen 2015 und 2023 hat die Erwerbsbeteiligung in dieser Altersgruppe um 19,3 Prozentpunkte zugenommen und liegt nun bei 56 Prozent.

„Fast alle meine Freunde arbeiten“, sagt Krumpholz. „Manche, weil sie auf das Geld angewiesen sind – und andere eher zum Spaß.“ Sie selbst habe bewusst eine Nebentätigkeit gewählt, die nichts mit ihrem Studium zu tun habe. „Ich wollte einen Ausgleich dazu haben, stundenlang in der Bibliothek zu sitzen und zu lernen. In der Gastronomie lernt man außerdem viele Soft Skills. Man kann besser mit Menschen umgehen und wird stressresistenter.“

„Nicht alle sind so privilegiert“

Im Durchschnitt arbeitet die Studentin rund zehn Stunden die Woche. Zusätzlich zum Mindestlohn bekommt sie Trinkgeld. Auch während der Prüfungsphase übernimmt sie Schichten. „Das ist ganz gut, weil mir die Arbeit mehr Struktur gibt.“ Das Vorurteil, dass Jura-Studenten sowieso aus reichen Anwaltsfamilien kommen würden und deshalb nebenbei nicht arbeiten müssten, kann sie nicht bestätigen. „Nicht alle sind so privilegiert.“

„Dass die Generation Z viel fordert, aber wenig arbeitet, ist ein verbreitetes Vorurteil. Doch es ist falsch. Die jungen Leute sind fleißig wie lange nicht mehr“, sagt IAB-Forschungsbereichsleiter Enzo Weber laut einer Pressemitteilung des Instituts. Dass gerade Studenten vermehrt in Teilzeit arbeiten würden, widerspreche gängigen Klischees zur mangelnden Arbeitsbereitschaft dieser Generation, heißt es von Seiten des IAB-Forschers Timon Hellwagner.

Laut der Studie, die auf Daten der Statistik der Bundesagentur für Arbeit und des Mikrozensus für die Jahre 2015 bis 2023 beruht, würden junge Leute zudem nicht häufiger den Job wechseln als früher – noch ein Klischee, das damit widerlegt ist.

Nebenjob auch neben dem Referendariat

Bei den über 25-Jährigen gibt es in Sachen Arbeit ebenfalls einen „langfristigen Aufwärtstrend“ – auch das zeigen die neuen Studienergebnisse des IAB. Im gleichen untersuchten Zeitraum sei auch hier die Erwerbsbeteiligung um 2,8 Prozentpunkte gestiegen. Ein Beispiel dafür ist der Regensburger Referendar Alexander Rib. Auch nach seinem abgeschlossenen Studium hat er sich entschieden, seinen Nebenjob erst einmal zu behalten.

„Langeweile wollte ich nie“, sagt er. Bereits seit sechs Jahren gibt der 28-Jährige, der Mathe und Physik auf Gymnasiallehramt studiert hat, Nachhilfe bei Akademus. „Ich habe im Studium damit angefangen. Finanzieren musste ich mich sowieso – aber es macht mir auch einfach Spaß.“

Jobben für die praktische Erfahrung

Das Institut befindet sich in der Prüfeninger Straße. Da der Unterricht online stattfindet, ist Rib trotz seines Referendariats sehr flexibel. „Das war für mich schon als Student sehr wichtig. Die Kombi Mathe-Physik für das Gymnasium ist hart. Wenn man bis 18 Uhr einen Programmierkurs hat, ist es super, wenn ich um 19.30 Uhr noch einem Schüler Nachhilfe geben kann. Einen anderen Job, womöglich noch mit langer Anfahrt, hätte ich zeitlich nicht geschafft.“

Vor allem wegen der praktischen Erfahrung würde er seinen Nebenjob auch anderen Studenten empfehlen. „Die Praktika, die man macht, haben nicht den gleichen Mehrwert. Das Studium vermittelt das Fachwissen – aber was die Erfahrung angeht, kommt die Nachhilfe direkt dahinter“, sagt er.

Info: So geht es anderen Studenten an der Uni Regensburg

Erfahrung sammeln: „Ich kenne fast niemanden, der nicht arbeitet oder gearbeitet hat“, sagt Lehramtsstudentin Lotta Martin. Die 22-Jährige ist als Aushilfskraft an einer Schule tätig. „Es macht viel Spaß – und die Praxis, die im Studium fehlt, hat man dort.“ Sie sagt aber auch: „Man bekommt nicht viele Anweisungen.“ Bei den Arbeitszeiten müsse sie flexibel sein und verpasste Stunden vor- oder nacharbeiten.

Ans Studium anpassen: „Wir hatten keine studentischen Regelungen. Man war wenig flexibel“, erzählt auch Amelie Tholl (26), Kriminologie-Studentin im Master, die lange einen Minijob im Einzelhandel hatte. Julia Naglmeier, 25 Jahre, besucht den gleichen Studiengang und arbeitet in der Gastronomie. Sie könne ihren Arbeitsplan mitgestalten und an ihren Stundenplan anpassen. Dennoch sei es manchmal „echt anstrengend“.

Wie ein Vollzeitjob: Auch drei Jahre in der Gastronomie gearbeitet, hat Amelie Krings, die Psychologie im Master studiert. „20 Stunden die Woche sind machbar, aber für die psychische Gesundheit nicht so gut“, sagt die 22-Jährige. „Es wird oft unterschätzt, dass ein Vollzeitstudium wie ein Vollzeitjob ist“, fügt Kommilitonin Julia Kraus, 21 Jahre, hinzu. Sie arbeitet als studentische Hilfskraft am Lehrstuhl, wo man mehr Verständnis hat.

Der Online-Nachhilfe treu geblieben: Alexander Rib gibt auch als Referendar noch Stunden.
Viele Studenten der Uni Regensburg arbeiten nebenbei