Friedliches Fest wird in Parsberg zum Alptraum – so liefen der Nachmittag und der Abend ab

Kinder kicken, überall brennen kleine Lagerfeuer. Doch inmitten der friedlichen Szene auf dem Zeltplatz in Parsberg stehen Rettungswagen, Feuerwehrautos, Polizei, Blaulicht leuchtet grell. Beim kurdischen Neujahresfest in Parsberg (Landkreis Neumarkt) war es am Sonntagnachmittag zu einer tödlichen Messerattacke gekommen.
Mehrere hundert Menschen sind in traditionelle, kurdische Gewänder gekleidet. Sie sind aus ganz Bayern nach Parsberg gekommen, um das kurdische Neujahrsfest zu feiern. „Aber dann hat einer alles zerstört, es ist eine Katastrophe“, sagt ein junger Mann aus Amberg.
Denn von der Feierstimmung ist kurz nach 17 Uhr nichts mehr übrig. Die Menschen sitzen oder stehen in kleinen Gruppen zusammen, aber sie sprechen kaum. Denn während vorher friedlich und fröhlich miteinander getanzt wurde, wie der Augenzeuge im Gespräch mit der Mediengruppe Bayern berichtet, habe ein Mann einen 39-Jährigen mit einem Messer angegriffen und tödlich verletzt.
Polizei: Keine Gefahr für die Öffentlichkeit
Der mutmaßliche Täter, ein 43-jähriger Mann mit syrischer Staatsangehörigkeit, wurde von der Polizei kurz nach dem Angriff festgenommen, das bestätigt Polizeisprecher Michael Zaschka ebenso wie die tödliche Messerattacke. „Es besteht keine Gefahr für die Öffentlichkeit“, sagt er. Details zur Tat und einem möglichen Motiv nennt er nicht.
Der junge Kurde, der immer wieder verzweifelt den Kopf schüttelt und nach Worten ringt, während er von dem Geschehen am Sonntagnachmittag berichtet, glaubt, dass es ein Racheakt gewesen sein soll. Das habe man ihm erzählt.
Wie ein weiterer Festbesucher aus Schwandorf will der Mann eigentlich nur noch weg aus Parsberg, weg vom Ort dieser grausamen Tat. „Dabei haben wir uns seit Wochen auf diesen Tag gefreut“, sagt er. Das Neujahrsfest sei für die Kurden ein Höhepunkt im Jahr. Doch statt zu feiern, sitzt er wie die anderen Gäste fest.
Polizei riegelt das Gelände in Parsberg ab
Doch wegfahren darf erst mal niemand. Denn kurz nach der Tat ist ein Großaufgebot an Polizisten angerückt. Zusammen mit der Parsberger Feuerwehr haben die Einsatzkräfte den Zeltplatz umringt. Niemand darf das Gelände verlassen, obwohl das Fest nicht weitergehen wird.
„Es macht jetzt keinen Sinn mehr zu feiern“, sagt der Mann aus Schwandorf. Er verstehe nicht, warum er nicht einfach aufbrechen darf, es sei doch alles geklärt. Doch die Polizei sieht das anders.
„Alle Anwesenden werden grundsätzlich erst einmal als Zeugen betrachtet“, sagt Zaschka. Jetzt werde kontrolliert, wer tatsächlich als Zeuge in Betracht kommt, und dann würden erste Maßnahmen getroffen. Dafür sind inzwischen mehrere hundert Polizisten in Parsberg. Und so harren alle Besucher aus, warten, bis das Fest irgendwie zu Ende geht, während Technisches Hilfswerk, Feuerwehr und BRK ihre Maschinerie in Gang setzen. Sie bauen Zelte und entlang des Fußwegs zum Zeltplatz Laternen auf, weil die Sonne längst hinter dem Horizont verschwunden ist, während mehrere hundert Einsatzkräfte ihrer Arbeit nachgehen.
Erst kurz nach 19 Uhr kommt etwas Bewegung in die Autos auf dem Parkplatz und die Menge auf dem Zeltplatz. Die Polizei hat an der Ausfahrt eine Art Grenzstation eröffnet. Ein Auto nach dem anderen wird abgefertigt. Wer genauer befragt werden soll, wird derweil ins Parsberger Feuerwehrhaus gebracht, das für Befragungen genutzt wird, berichtet Bürgermeister Josef Bauer, der von dem Geschehen schockiert ist.
„Wir hatten ja schon zwei Mal ein solches kurdisches Fest bei uns, es war immer friedlich und fröhlich“, erzählt er. Bauer berichtet, dass er auch mit dem Veranstalter sprechen konnte, der wie er tieftraurig sei. „Es tut weh, wenn so was passiert.“ In der Konsequenz werde man nun überlegen müssen, ob die Stadt eine solche Feier auf dem Zeltplatz jemals wieder zulassen könne.
Die Polizei bittet Zeugen, Bild-und Videomaterial der Polizei zu schicken. Dazu wurde ein Upload-Portal eingerichtet.