Nach drei Jahren Leerstand ist der Ratskeller unter dem Alten Rathaus wieder mit Leben gefüllt

Bei der offiziellen Eröffnung wurde die Geschichte des Gebäudes wieder lebendig. Der heutige Zustand des Ratskellers in Regensburg geht auf die Rathaus-Sanierung der Jahre 1909 und 1910 zurück.
Die Geschichten aus dem Ratskeller sind legendär. Einst lud der frühere Oberbürgermeister Hans Schaidinger alljährlich Stadtrat und Journalisten zum Abschlussessen am Jahresende ein. Legendär waren zum einen die Schweinelendchen, die er sich dabei gönnte – aber auch, dass sich der ansonsten eher steife CSU-Politiker an diesen Abenden immer recht locker zeigte – und eine lockere Zunge hatte.
Lange ist das her. Doch am heutigen Zustand des Gewölbes unter dem historischen Rathaus hat Schaidinger durchaus seinen Anteil. Als das Gemäuer in die Jahre kam, suchte sich Schaidinger einen Streitgenossen, der den Ratskeller sanierte. Mit Herrmann Goß, damals Chef der Brauerei Bischofshof, fand er ihn. 2008 bis 2011 wurden die historisch durchaus interessanten Gemäuer saniert, dafür darf Bischofshof 30 Jahre lang verpachten.
Attraktion im Sommer: der Neptunhof
„Der heutige Zustand geht auf die Rathaus-Sanierung der Jahre 1909 und 1910 zurück“, sagt der Kunsthistoriker Prof. Achim Hubel. Das sieht man den Räumlichkeiten auch an. Die ursprünglich barocken Kellergewölbe wurden damals neogotisch bemalt. Die Wände zieren Wappen von Adelsgeschlechtern, die einst in der Freien Reichsstadt Regensburg als Bürgermeister herrschten.
Und wer genauer hinsieht, der bemerkt sogar Jugendstil-Einflüsse, beispielsweise in den Durchgängen und Türen. Dort finden sich runde Formen statt eckige, typisch für den Jugendstil. Besonders historisch sehenswert ist im Sommer der Neptunhof, der als Freisitz mitgenutzt wird und bei heißen Temperaturen Abkühlung verspricht.
Geschichte hat die Gastronomie unter der Regensburger Machtzentrale aber nicht nur baulich. Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer erzählte bei der offiziellen Eröffnung am Donnerstagabend, dass zwei herausragende historische Gestalten deutscher Geschichte hier schon gespeist hatten: Mit Konrad Adenauer der erste Bundeskanzler der Nachkriegszeit (CDU) und später mit Willy Brandt der erste sozialdemokratische Kanzler.
Auch TV-Größen waren zu Gast
Regensburg besuchte Adenauer beispielsweise im Bundestagswahlkampf 1961. Damals keilte er – auch das ist Geschichte – gegen Brandt, der während des Dritten Reichs im Exil in Norwegen gelebt hatte: „Wenn einer mit der größten Rücksicht behandelt worden ist von seinen politischen Gegnern, dann ist das der Herr Brandt alias Frahm.“ Adenauer spielte damit auf die uneheliche Herkunft Brandts an.
Auch Fernsehstars waren zu Gast. Willy Millowitsch etwa oder der Darsteller der TV-Serie „Hart aber herzlich“, Robert Wagner.