Beratzhausen bleibt nur ein geringer Spielraum für Investitionen

Von Ingrid Kroboth · 17. März 2025 um 19:00

Beratzhausen im Landkreis Regensburg wird heuer fast ausschließlich Pflichtaufgaben erfüllen. Für mehr fehlt das Geld. Ein Gemeinderat übt wegen der hohen Kreisumlage scharfe Kritik am Landkreis.

Die dunklen Wolken über dem gemeindlichen Haushalt haben sich nicht verzogen. Das Zahlenwerk für 2025 lässt keinen Raum mehr für Sonderwünsche. Bürgermeister Matthias Beer nannte in der jüngsten Marktratssitzung das Haushaltsmotto des Jahres: „Ausschließlich Pflicht.“

Und das trotz eines neuen Rekordvolumens in Höhe von 23, 35 Millionen Euro. Den wesentlich höheren Anteil umfasst der Verwaltungshaushalt mit gut 14 Millionen Euro, und damit 1,4 Millionen mehr als im Vorjahr. Im Gegensatz dazu reduziert sich der Vermögenshaushalt um 83 000 Euro auf 9,3 Millionen Euro.

Stabile Steuereinnahmen

Wie Gemeindekämmerer Andreas Dechant dem Gremium erläuterte, stütze sich der Verwaltungsetat auf relativ stabile Grundsteuer- und Gebühreneinnahmen (8,4 Millionen Euro), Schlüsselzuweisung und Umsatzsteuerbeteiligung (3,1 Millionen Euro), Erstattungen und Zuschüsse (2 Millionen Euro). Dem gegenüber stünden stetig steigende Ausgaben für Personal in Höhe von 3,6 Millionen Euro und für Energie. Die höhere Kreisumlage kommt dazu. „Die Dynamik macht uns kaputt“, klagte der Bürgermeister über den schon im letzten Jahr angehobenen und heuer erneut um voraussichtlich vier Prozent steigenden Anteil. „Falls dieser im Haushalt eingestellte Satz von 3,26 Millionen Euro nicht reichen sollte und womöglich vom Kreis auf angedachte 5,5 Prozent angesetzt wird, gehen bei uns die Lichter aus“, so Beer.

Vom Kämmerer war weiter zu erfahren, dass die Kinderbetreuung trotz Elternbeiträgen (125 000 Euro) und Landeszuschüssen (1,4 Millionen Euro) ein Loch von 1,4 Millionen Euro in den Gemeindesäckl reiße. Weil die Gemeinde Sachaufwandsträger der Schule ist, fielen 410 800 Euro an. An den Schulverband müssten knapp 190 000 Euro entrichtet werden.

Die Summe für Straßenunterhalt und -sanierung beträgt 400 000 Euro. Aus dem Verwaltungshaushalt würden heuer 974 000 Euro dem Vermögensetat zugeführt. Weil aber von dem Betrag 712 000 Euro zur Schuldentilgung eingesetzt werden müssen, bleibt unterm Strich eine „Freie Finanzspanne“ von 149 714 Euro – und damit nur ein geringer Spielraum für Investitionen. Zum Ausgleich des Vermögenshaushalts müsse heuer auch Geld aus den Rücklagen (2,5 Millionen Euro) entnommen werden: insgesamt 461 000 Euro. Diese Summe sorge zusammen mit Zuschüssen in Höhe von 7,8 Millionen Euro für einen geordneten Haushalt. Das Geld fließt unter anderem in Kindergärten, Ganztagsschule, Glasfaserausbau und Straßenausbau.

Auf der Ausgabenseite schlügen heuer zu Buche: der Umbau des Schulgebäudes zur Ganztagsschule für 600 000 Euro, das Gerhardinger Kinderhaus (3 Millionen Euro), das Kinderhaus St. Nikolaus (50 000 Euro), das Baderhäusl (40 000 Euro), die Stützmauer Unterer Zehentberg (250 000 Euro), der Kanal (70 000 Euro) und der Glasfaserausbau (2,7 Millionen Euro). Dank der „sehr guten Rücklagensituation“, so Dechant, brauche die Gemeinde keine neuen Kredite, sondern rechne zum Jahresende mit einer auf 6,2 Millionen abgebauten Gesamtverschuldung. Das entspreche einer Pro-Kopf-Verschuldung von rund 1132 Euro.

Zum Jahresende waren es noch 1231 Euro gewesen, obwohl sich die Schuldenlast durch den seit 2021 steten Zuwachs der Einwohnerzahlen (aktuell 5862) auf deutlich mehr Schultern verteilt. Sebastian Liedtke stellte für die CSU-Fraktion zufrieden fest: „Die Hose passt noch.“ Denn ohne die sparsame Haushaltsführung müsste schon längst „ein Zwickl eingenäht werden“. Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst würden den Haushalt weiter belasten. Auch die Rücklagen reichten nicht endlos, und so werde man in den nächsten Jahren wohl nicht ohne neue Schulden auskommen. Wichtig sei das für das Partnerschaftsjubiläum mit Ceyrat eingestellte Geld, denn „Europa ist wichtig, auch in Beratzhausen“.

Lob für gute Vorbereitung

Christian Kraus (UB) lobte den gut vorbereiteten Haushalt „ohne große Vorhaben, die wir uns dann nicht leisten können“. Gerhard Rinkes (SPD) machte seinem Ärger Richtung Regensburg Luft: „Geht man als Kreisverwaltung so mit den Gemeinden um?“ Die „Freie Finanzspanne“ von 150 000 Euro stehe in keinem Verhältnis zur Kreisumlage von 3,5 Millionen Euro. Für Beratzhausen regte er an, zum Straßenausbau einen Haushalts-Sonderposten anzusparen. Für Ludwig Scheuerer (CWV) kommt die Gemeinde diesmal noch „mit zwei blauen Augen“ davon.

Schulden sinken

Steuern: Die Grundsteuer bleibt unverändert für landwirtschaftliche Flächen (A) bei 350 Punkten (60 000 Euro), für Wohnbebauung (B) bei 380 Punkten (740 000 Euro). Auch die Gewerbesteuer bleibt unverändert bei 350 Punkten (1,1 Millionen Euro).

Finanzen: Der Schuldendienst sinkt kontinuierlich: von Zinsen in Höhe von 125 000 Euro im Vorjahr auf aktuell 116 100 Euro.