Der Abstieg rückt immer näher: Durchhalteparolen beim SSV Jahn Regensburg

„Wir wissen, dass die Uhr tickt und die Spiele weniger werden“, hatte es Andreas Patz vor dem Gastspiel des Fußball-Zweitligisten SSV Jahn Regensburg in Düsseldorf treffend formuliert. Weil seine Mannschaft auswärts ein Punktelieferant bleibt, sinken die Chancen der Oberpfälzer auf den Klassenerhalt mehr und mehr. Das 0:1 (0:1) bei der Fortuna markierte den nächsten schweren Rückschlag.
Mit einem 1:0 in Elversberg ist Jahn-Konkurrent Münster am 26. Spieltag derweil ein großer Befreiungsschlag gelungen. Der Mitaufsteiger liegt nun zehn Punkte vor den Regensburgern. Ulm hat nach dem 0:0 beim Karlsruher SC am Sonntag nun 20 Punkte und somit vier Punkte mehr als der Jahn. Der Abstand zu Platz 16, der immerhin den Weg in die Relegation eröffnen würde, bleibt dagegen unverändert. Braunschweig unterlag zuhause gegen Hertha BSC deutlich mit 1:5 und liegt mit 23 Punkten weiterhin sieben Zähler vor den Regensburgern.
„Natürlich ist die Enttäuschung gerade richtig groß und es tut auch weh“, erklärte Patz. Der Coach sprach von einem ordentlichen Auswärtsauftritt. „Wir hatten fast 50 Prozent Ballbesitz, gerade in der ersten Halbzeit. Auch richtig gute Möglichkeiten. Aber Fakt ist auch, wir haben das Spiel mit 0:1 verloren. Wir haben wieder kein Tor geschossen, stehen jetzt mit leeren Händen da und das ist bitter. Das gehört leider auch zur Wahrheit dazu“, weiß auch Patz, dass im Fußball letztlich die Ergebnisse zählen.
Florian Kastenmeier: Zumindest ein Regensburger ist happy
Matthias Zimmermann (41.) brachte die Düsseldorfer, die an diesem Tag alles andere als unschlagbar waren, zurück ins Aufstiegsrennen. Zumindest ein Regensburger hatte Grund zu feiern: Florian Kastenmeier, der früher in der Jahnschmiede aktiv war, hat das Kunststück fertiggebracht, zum sechsten Mal in Folge gegen den Jahn mit weißer Weste unterwegs zu sein. Sein Torhüter-Kollege war dagegen alles andere als glücklich. Julian Pollersbeck hatte erneut den Vorzug vor Felix Gebhardt erhalten. Beim Gegentreffer sah er aber gar nicht gut aus. Der 30-Jährige kam nach einer Ecke nur mehr mit den Fingerspitzen an den Ball – und legte so unfreiwillig auf. „Nein, da bin ich ganz weit weg davon, hier irgendjemanden auszuwählen, rauszupicken und als Schuldigen hinzustellen“, nahm Patz seinen Spieler in Schutz.
Der Jahn spielte für seine Verhältnisse durchaus gut in der ersten Halbzeit. Der in die Startelf gerückte Anssi Suhonen brachte Schwung. Sargis Adamyan vergab die beste Jahn-Chance (14.). Doch in dieser Saison gilt: Gerät der Jahn in Rückstand, dann ist das Spiel gelaufen. Während in der ersten Halbzeit auch Suhonen noch eine gute Chance hatte, war nach dem Seitenwechsel nicht mehr viel zu sehen von den Oberpfälzern. „Das zieht sich wie ein roter Faden durch die Saison, das muss man ehrlicherweise eingestehen“, erklärte Patz mit Blick auf die katastrophalen Rückstanddreher-Qualitäten seiner Mannschaft. „Wir haben ein gutes Auswärtsspiel gemacht, aber ich glaube, vorne waren wir einfach zu harmlos“, urteilte Kapitän Andreas Geipl. Der Rückstand zur Pause war extrem ärgerlich – und unnötig. „Da bekommen wir wieder ein Gegentor nach einem Standard, mit dem zweiten Ball. Das war extrem bitter, weil wir bis dato sehr gut im Spiel waren“, analysierte Geipl treffend.
In der Defensive hatten die Gäste dann aber Glück, dass Düsseldorf nicht für klare Verhältnisse sorgte. „Wir haben alle alles gegeben und es hat einfach wieder leider nicht gereicht“, sagte ein geknickter Louis Breunig, dem der Blick auf die Tabelle ebenfalls nicht gefällt. Stirbt die Hoffnung auf die Rettung allmählich? Natürlich werde es mit jeder Niederlage und weniger Spielen immer schwieriger. „Aber das kann ich versichern. Bei uns in der Mannschaft gibt keiner auf und hört keiner auf, dran zu glauben.“ Auch Patz will nicht aufgeben. Die Enttäuschung sei gerade riesengroß. Aber solange alles möglich sei und solange noch die Punkte zu vergeben seien, um sich zu retten beziehungsweise um den Relegationsplatz zu erreichen, werde man alles daran setzen . Tim Handwerker formulierte es so: „Die Hoffnung stirbt zuletzt, muss man leider so sagen.“
Viele Durchhalteparolen beim SSV Jahn
Durchhalteparolen en masse bei den Regensburgern. Man müsse weiterhin dran glauben, forderte auch Geipl. „Wir werden alles geben und schauen, dass wir das nächste Heimspiel positiv bestreiten und da wenigstens einen Dreier in Regensburg lassen“, blickte der Kapitän auf das bayerische Derby gegen den 1. FC Nürnberg, das nach der Länderspielpause stattfindet, voraus. Es könnte für längere Zeit das letzte Aufeinandertreffen werden.
Fortuna – Jahn 1:0 (1:0)Fortuna Düsseldorf: Kastenmeier – Oberdorf, A. Hoffmann, Heyer – Iyoha (81. Niemiec), M. Zimmermann, Gavory – Appelkamp (81. Schmidt), Johannesson (90.+3 Boller) − Kownacki, Vermeij (60. Pejcinovic)
SSV Jahn Regensburg: Pollersbeck – Ananou, Wurm, L. Breunig, Handwerker (70. Hein) – Viet (85. Meyer), Geipl (63. Hottmann) – Kühlwetter, Suhonen (63. S. Ernst) – Ganaus (85. Galjen), Adamyan
Schiedsrichter: Nicolas Winter (Scheibenhardt); Zuschauer: 31951; Tor: 1:0 M. Zimmermann (41.)