Brisanter Torhütertausch beim Jahn: Nach langer Wartezeit genießt Pollersbeck nun jede Minute

Von Felix Kronawitter · 10. März 2025 um 15:30

Nach dem torlosen Remis gegen Paderborn gab es beim Fußball-Zweitligisten SSV Jahn Regensburg zumindest ein strahlendes Gesicht. Julian Pollersbeck war verständlicherweise glücklich, dass er erneut ran durfte und seine Premiere im Jahnstadion feierte. Der gebürtige Altöttinger spielt eine der Hauptrollen im brisanten Torhüter-Tausch bei den Oberpfälzern.

„Wir haben ein gutes Verhältnis und gehen beide professionell damit um“, sagt Pollersbeck zum spannenden Duell mit Felix Gebhardt, der eigentlichen Nummer eins, die sich nun hinter der Nummer zwei einreihen muss.

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„Ich bin natürlich dankbar, dass ich wieder spielen darf. Das ist das, was ich liebe und am liebsten mache“, erklärt Pollersbeck. Mit Worten müsste er das aber eigentlich gar nicht unterstreichen. Es ist ihm förmlich anzusehen, wie glücklich er darüber ist, nach langer Wartezeit endlich wieder gefragt zu sein. Nach mehr als 1000 Tagen Pause hatte er beim 0:3 in Kaiserslautern, an alter Wirkungsstätte am Betzenberg, sein Comeback gefeiert. „Ich war länger nicht im Tor. Das Tor ist aber gleich groß geblieben“, stellte er mit einem Lachen fest. Seine Stimme war am Sonntag leicht in Mitleidenschaft gezogen worden. „Ich bin fix und fertig“, berichtete der 30-Jährige. Da werden Erinnerungen wach. „Das fand ich früher schon cool, wenn man auf dem Bolzplatz war und danach fix und fertig war.“

Pollersbecks weiße Weste in Gefahr

In der Nachspielzeit wackelte die weiße Weste Pollersbecks aber gewaltig. Beim Kopfball von Adriano Grimaldi rettete ihn die Latte. In der Luft hat er noch Luft nach oben. „Es sind natürlich ein paar Feinheiten, Grenzsituationen, Flanken oder dergleichen, wo man die fehlende Spielpraxis vielleicht merkt“, gab er sich nach seinem zweiten Einsatz in Folge auch selbstkritisch. In Summe verkaufte er sich aber erneut gut.

Das war zuvor allerdings auch bei Gebhardt der Fall. „Er hat bis dato eine ordentliche Runde gespielt“, betont auch Jahn-Trainer Andreas Patz, der mit Blick auf Gebhardts historisch frühe Sperre auch von einem Lernprozess sprach.

Bleibt der 23-Jährige weiterhin auf der Bank? „Julian hat erneut ein ordentliches Spiel abgeliefert. Wir haben da aber noch gar nichts festgelegt“, will der Regensburger Trainer nichts in Stein meißeln.

Patz gab am Sonntag noch tiefgehender Einblick in seine Entscheidungsfindung. „Julian ist einer, der jetzt nicht negativ behaftet ist, der noch unbelasteter ist, weil er die Spiele davor nicht im Tor gewesen ist. So einer kann noch mal einen positiven Impuls setzen, er kann noch mal einen anderen Impuls setzen.“

Patz lobte wiederum auch Gebhardt, der sehr professionell mit der Entscheidung umgegangen sei. Mit einer Durchschnittsnote von 3,11 ist Gebhardt der notenbeste Spieler des Jahn beim Kicker. Nicht selten war er in der laufenden Spielzeit mit Paraden zur Stelle. Die Not macht die Verantwortlichen beim Schlusslicht aber in jederlei Hinsicht erfinderisch.

Lob für Pollersbeck gab es wiederum auch von seinen Teamkollegen. „Ich war zufrieden mit ihm, auf jeden Fall“, erklärte Kapitän Andreas Geipl, der auch weiß, dass die Situation nicht einfach ist für Gebhardt. „Das ist eine Entscheidung, die muss man einfach akzeptieren. Man wechselt die Torhüter nicht einfach so“, verwies Geipl darauf, dass sich das Trainerteam die Entscheidung sicher nicht leicht gemacht hat.

Düsseldorf wartet auf den Jahn

Gegen Düsseldorf dürfte am kommenden Samstag sehr wahrscheinlich erneut Pollersbeck im Jahntor stehen. „Wir müssen jetzt viele Spiele gewinnen“, bringt es der Keeper auf den Punkt. „Und das geht nur, wenn wir Mut haben und wenn wir auch Spaß daran haben.“ Er will seinen Kollegen hierbei als Vorbild dienen. Das 0:0 gegen Paderborn wertet Pollersbeck als Mutmacher. Weniger mit Blick auf die Ausbeute, ein Punkt bringt den Jahn (drei auf Ulm, sieben auf Braunschweig und Münster) nicht recht weiter. „Das muss einfach Mut geben, weil ich fand, das war super von der ganzen Mannschaft, wie wir gekämpft und dagegengehalten haben. Wir glauben bis zum letzten Spiel daran. Jeder hat sich voll reingehauen und wir haben auch fußballerisch gute Akzente gesetzt. Ich glaube, dass wir da mehr an uns glauben können, sollen und müssen.“