Ein Pünktchen für die Moral – Stimmen vom SSV Jahn zum Remis gegen Paderborn

Von Felix Kronawitter · 9. März 2025 um 18:34

Wenn das Schlusslicht einem Aufstiegsaspiranten ein Remis abtrotzt, dann sorgt das normalerweise für zufriedene Gesichter reihum. Das war bei Fußball-Zweitligist SSV Jahn Regensburg am Sonntag allerdings nicht der Fall. Das ist primär dem Umstand geschuldet, dass der Zähler den Oberpfälzern in tabellarischer Hinsicht nicht recht weiterhilft.

Ulm (0:1 gegen Köln) ist drei Punkte vorne, Münster (0:1 gegen Nürnberg) sieben. Braunschweig (1:1 in Hannover) rangiert ebenfalls sieben Zähler vor dem SSV. Ein schwieriges Unterfangen, das in den neun ausstehenden Partien noch aufzuholen. „Wir wollten wieder unser Heimgesicht zeigen, das ist uns gelungen“, erklärte Trainer Andreas Patz. „Ich bin zufrieden, wie wir uns präsentiert haben. Mit ein bisschen Spielglück gehen wir in Führung“, trauerte der Regensburger Coach den vergebenen Chancen (unter anderem ein Lattenschuss von Christian Kühlwetter) hinterher. „Der eine oder andere sagt jetzt, dass der Punkt zu wenig ist, er ist aber trotzdem wichtig“, unterstrich Patz.

Julian Pollersbeck wieder im Tor beim Jahn

Vor dem Anpfiff waren die Blicke der Jahn-Fans voller Spannung auf die Aufstellung gerichtet. Felix Gebhardt oder erneut Julian Pollersbeck? Patz hatte vor der Partie für eine Überraschung gesorgt, indem er offen ließ, ob die eigentliche Nummer eins nach abgesessener Sperre ins Tor zurückkehrt. Pollersbeck bekam erneut den Vorzug. „Wir wollten noch mal einen Impuls setzen für die Mannschaft“, sagte Patz dazu, warum er sich für einen Wechsel entschieden hat. Gebhardt habe die Entscheidung professionell aufgenommen. „Aber natürlich war er enttäuscht, das ist völlig verständlich“, erklärte Patz, der auch unterstrich: „Felix hat sich nichts zu Schulden kommen lassen. Und hat bis dato wirklich eine ordentliche Runde gespielt.“ Pollersbeck war happy, dass er nicht wieder weichen musste. „Es hat Spaß gemacht, es war anstrengend, es war ein richtiger Fight.“ Glück hatte er, dass Adriano Grimaldi in der Nachspielzeit nur die Latte traf.

Lesen Sie hier: „Ein absoluter Skandal“: Paderborns Trainer Kwasniok schimpft über Rasen im Jahnstadion

Ansehnlich war es allerdings nur bedingt für die 10 398 Zuschauer im Jahnstadion. Paderborns Coach Lukas Kwasniok brachte es hinterher auf den Punkt. „Es war kein Augenschmaus.“ Der Gästetrainer sorgte auf der Pressekonferenz für Wirbel. Dort, wo meist sehr diplomatische Worte zu hören sind, teilte er mächtig aus. Er war nicht der erste Zweitliga-Coach, der sich über den Regensburger Rasen echauffierte. In der Deutlichkeit war das so aber noch nicht zu hören. „Dass ein Platz nicht gut ist, ist das eine, dass man ihn nicht bewässert, das ist für mich aus Profisicht in der zweiten Liga ein absoluter Skandal.“ Das sei keine Kritik an Jahn Regensburg, sondern an der DFL, die es nicht schaffe, eine Regelung zu finden. „Du kannst keinen Input ins Spiel bringen, wenn jeder Ball verhoppelt.“

Er sei sich auch bewusst, dass er „vielleicht ein bisschen einen Shitstorm bekomme, aber jemand müsse die Wahrheit aussprechen“, erklärte Kwasniok, dessen Team einen Rückschlag im Aufstiegsrennen kassierte. Er selbst komme aus der Landesliga und habe daher keine allzu hohen Ansprüche. „Aber ein bisschen Wasser auf dem Platz, das wäre eine Regel, die sinnvoller wäre als irgendwelche Tapestreifen, die 0,5 Zentimeter zu hoch oder zu niedrig sind“, appellierte Paderborns Coach an die DFL. Dass der Rasen im Jahnstadion kein Schmuckstück ist, das weiß auch Jahn-Coach Andreas Patz: „Klar, ist es jetzt nicht der beste Platz – das brauchen wir auch nicht schönreden.“ Er könne den Unmut seines Kollegen verstehen. „Aber ich sage den Greenkeepern nicht, dass sie nicht wässern oder den Platz schlechter machen sollen“, so der Jahn-Coach. „Wir freuen uns natürlich auch, wenn wir auf einem schönen Platz spielen können.“

Kapitän Andreas Geipl sprach von einem gerechten Unentschieden. Er richtete einen Appell an seine Teamkollegen: „Das Wichtigste ist, den Glauben nicht zu verlieren.“ Auch Geipl kann es sich weiter nicht erklären, warum der Jahn daheim deutlich besser aussieht als auswärts. „Ich kann es nicht nachvollziehen, dass wir daheim solche Leistungen bringen und auswärts teilweise ein komplett anderes Gesicht zeigen.“ Geipl blickte bereits auf den Auftritt in Düsseldorf voraus. Dort soll endlich der Auswärtsknoten platzen. „Wir müssen weiter Gas geben. Punktetechnisch ist es noch drin.“

Christian Kühlwetter trifft nur die Latte

Chancen für einen Treffer hatte der Jahn. Kühlwetter war mit seinem Lattentreffer nahe dran, das galt auch für Eric Hottmann. „Den kann ich vielleicht noch ein wenig mehr drücken“, sagte er zu seinem Kopfball kurz nach Seitenwechsel, der knapp sein Ziel verfehlte. „Nichtsdestotrotz war es eine sehr ordentliche Leistung“, urteilte der Stürmer. „Rechnerisch ist noch alles möglich, wir werden weiter alles reinhauen“, hat auch Hottmann noch Hoffnung auf die Wende.

Auf die Feststellung, dass der Punkt tabellarisch wenig bringt, dafür aber deutlich mehr in moralischer Hinsicht, stimmte Patz vollumfänglich zu. „Absolut!“ In der Schlussphase hätten sich manche noch mehr Risiko von den Regensburgern, die unbedingt den Dreier brauchten, gewünscht. Patz hielt dagegen. „Wir haben viel Offensivpower auf dem Platz gehabt.“ Es sei nicht der Plan gewesen, das Remis über die Zeit zu schaukeln.

Jahn – Paderborn 0:0 SSV Jahn Regensburg: Pollersbeck − Ananou, Wurm, Breunig, Handwerker – Viet, Geipl (71. Suhonen), Kühlwetter, Ernst (86. Meyer) – Hottmann (86. Huth), Adamyan (71. Ganaus

SC Paderborn: Riemann – Hoffmeier, Götze, Scheller (34. Curda) – Obermair, Castaneda, Zehnter – Bilbija, Mehlem (73. Hansen) − Terho (46. Grimaldi), Ansah (64. Michel)

Schiedsrichter: Lukas Benen (Nordhorn); Zuschauer: 10.398