Marathonwerfen bei Schönthal: Hobby Dart Championship endet mit großem Finale

Von Johannes Lesser · 10. März 2025 um 05:00

Es ist 21.57 Uhr am späten Samstagabend im Schönthaler Ortsteil Hiltersried. Im Mehrgenerationenhaus sind die Blicke von rund 50 Zuschauern auf das kleine rote Doppel-20-Segment einer Dartscheibe gerichtet.

Tobias Plötz von den Streetdartern Geigant hat noch einen Pfeil in der Hand. Plötz geht einen Schritt zurück und atmet durch. Zu hören ist nur der Deutschrock aus den Lautsprechern einer Musikanlage. Er tritt zur Scheibe, wirft. Sekundenbruchteile später schlägt der Pfeil im Feld ein – Geigant gewinnt.

Es ist die Titelverteidigung für das Überfliegerteam in der zweiten Saison der Hobby Dart Championship. Das Finalduell mit den Catriver Steelers aus dem Chamer Ortsteil Katzbach war der Höhepunkt eines wahren Dart-Marathons, der bereits um 10 Uhr begonnen hatte. Insgesamt drei Spiele standen in Hiltersried auf dem Programm.

Am Ende wurden es 97 sogenannte Legs. In jedem einzelnen mussten die Spieler 501 Punkte schneller auf 0 herunterspielen, als ihre Kontrahenten. Ein Team besteht dabei aus vier Spielern, die in zehn Einzel- und Doppelpartien gegeneinander antreten.

Erstmals mit zwei Klassen

Bereits im Vorfeld des Finals fiel die Entscheidung im Spiel um Platz drei und der Relegation in der Hobbyliga. Gegründet wurde sie 2023 von Tim Haberl und Christoph Maier aus Rötz. In der zweiten Saison wurden die Teams erstmals in zwei Ligen eingeteilt. Bereits vor einer Woche wurde in Neukirchen-Balbini das Finale der Rookie-League ausgetragen, am Samstag folgte die höherklassige SemiPro-League.

133 perfekte Aufnahmen in einer Saison – die berühmten 180er – drei Treffer im winzigen Triple 20-Feld. „Das Niveau ist extrem gestiegen“, so Haberl im Vorfeld der letzten Begegnung. Dennoch stehen weiterhin die Gesellschaft und der Spaß am Sport im Mittelpunkt. Ein Beleg dafür: Die Teams besuchen regelmäßig die Spiele der vermeintlichen Konkurrenz. Teilweise seien das „60 bis 80 Kilometer, einfach nur um Freunde zu treffen“, erzählt Haberl. Dabei nehmen die Teams den Ligabetrieb durchaus ernst. Viele Spiellokale sind aufwendig hergerichtet, jede Mannschaft hat Wappen und Trikots, manche eigene Trainingsjacken.

Der Lohn für einen hohen Arbeitsaufwand

Hobbyliga, Avia Dart Cup, dazu die geplante Begegnung mit dem österreichischen Profispieler „The Gentle“ Mensur Suljovic im Sommer: Für Haberl und Maier bedeutet das neben Beruf und Familie einen ordentlichen Aufwand. „Da geht natürlich der eine oder andere Urlaubstag drauf“, sagt Maier. Das sei es jedoch wert, „wenn man dann das Glitzern in den Augen der Leute sieht, wenn sie hören, sie dürfen gegen Profis spielen, oder wie letzte Woche in Neukirchen, wenn die dann auf der Bühne stehen und du siehst, wie sich ein 40-Jähriger freut wie ein kleines Kind“.

Der Darts-Sport hat in den vergangenen Jahren auch in Deutschland enorm an Popularität gewonnen und professionalisiert sich zunehmend. Auch in der SemiPro-League ist an diesem Tag ein hohes spielerisches Niveau zu beobachten. Mittendrin: zwei Teenager.

Teenager stechen heraus

Der 16-jährige Raphael Nirschl und sein 15-jähriger Teamkollege Tristan Roos steuerten zusammen drei 180er zum 7:3-Erfolg ihrer Wildbulls Kreith im Spiel um Platz drei bei. Begleitet jeweils von lautstarkem Applaus von den Zuschauern.

Für den beeindruckendsten Auftritt des Tages sorgt dann aber Tobias Plötz im Endspiel. 19, 17 und 13 Pfeile benötigt der erfolgreichste Spieler der Liga, um sein zweites Einzel zu entscheiden – eine 180 inklusive. Am Ende mussten seine Streetdarter dennoch zittern. Immer wieder gingen sie in Führung, immer wieder glichen ihre Gegner aus Katzbach aus.

Beim Stand von 5:5 musste ein Vier-gegen-Vier die Entscheidung bringen. Alle Spieler der Teams warfen abwechselnd. Mit dem besseren Ende für die Meister der Premierensaison. „Die Luft wird dünner für euch“, stellte Haberl bei der Pokalübergabe fest. „Ich muss sagen, dass es ein wunderschönes Finale war“, so Topwerfer Plötz nach der Siegerehrung.

Wiedersehen mit dem früheren Champions-League-Sieger

Mindestens drei Stunden spiele er jeden Tag, im E-Dart ist er mit Weiden in der Bundesliga unterwegs. Auch gegen Suljovic hat er bereits gespielt. Bei einer Begegnung im Softdart vor einigen Jahren „hätte ich ihn fast gepackt“, erzählt Plötz. Einmal reichte es sogar schon gegen den früheren Champions-League-Sieger. Allerdings war das im Rahmen eines Online-Turniers. Im Sommer hat er als Teil einer Mannschaft mit den besten Spielern der Hobbyliga die nächste Chance.

Eine lange Pause vom Darts wird es im Landkreis Cham übrigens nicht geben. Kurz nach Ostern steht mit dem Avia Dart Cup das nächste Großereignis auf dem Programm. 128 Startplätze gab es in diesem Jahr – mehr als doppelt so viele wie bislang. Ausgebucht war der Wettbewerb trotzdem nach 15 Stunden. Der Dartboom, er hält unvermittelt an.

Die Entscheidung fiel am Ende im Modus Vier-gegen-Vier.
Hobbyliga hin oder her: Jedes Team tritt mit seinem eigenen Trikotsatz an.
Besonders um die Doppelfelder an den Rändern zu treffen ist eine hohe Präzision gefragt.
Für die Zuschauer in der Halle wurden die Spiele mittels Beamer übertragen.
Topwerferder Liga: Tobias Plötz