Sanfte Bergeshöh’n

Von Felix Jung · 8. März 2025 um 21:30

Heute muss ich mich outen. Ich bin kein Hiesiger, auch kein Urbayer? Nein, ich bin gebürtiger Oberbayer, seit Jahrzehnten hier nur ansässig, meine Großeltern kommen aus dem Sudetenland, meine Schwiegereltern – Gott hab’ sie selig – aus Schlesien. Wenn ich Richtung alter Heimat fahre, sich hinterm Irschenberg die Alpen auftun und ich an den Wilden Kaiser denke, geht mir zugegebenermaßen noch immer das Herz auf. Nicht wenige sind davon überzeugt, dass hier die Kühe deshalb milkagescheckt sind, weil sie – dem weiß-blauen Himmel so nah – viel glücklicher als anderswo sind. Jetzt muss ich aber eine Lanze für meine längst liebgewonnene neue Heimat brechen nach jahrzehntelangen Phantomschmerzen und sagen: Da bin i dahoam, endlich angekommen. Was gibt es hier für sehenswerte Ecken! Etwa das Tal der Schwarzen Laber bei Beratzhausen und die sanften Jurahänge (Foto: Felix Jung). Selbst jetzt ist es eine Augenweide, wenn man an ihnen hinaufschaut zu den waldbedeckten Inselfelsen. Noch schöner sind sie natürlich, wenn sich langsam die wärmeren Temperaturen dauerhaft durchsetzen und gefräßig weidende Schafe die kräuterreichen Flächen zu einer der artenreichsten Kulturlandschaft Bayerns machen mit ihren Wiesen, Äckern und kleinen Wasserläufen. Freilich ist hier eher die Distel zu finden, die als Marketing-Logo für den Oberpfälzer Jura auserkoren wurde, weniger der Enzian des Hochgebirges. Sei‘s drum, auch Wacholder wächst in unserer Gegend – und daraus lässt sich ein mild-würziger Schnaps brennen. Himmel, ist der gut, Himmel ist es hier schön!