US-Soldaten in Bayern: Angst vor Trumps Abzugs-Szenario in der Region

Von Christian Eckl · 8. März 2025 um 18:45

Der US-Präsident stellt derzeit nicht nur die Nato auf den Kopf. Seit Ende des Zweiten Weltkriegs sind US-Soldaten in der Oberpfalz stationiert. Nach einem möglichen Abzug von Truppen stünde Bayern nicht wehrlos da – aber womöglich ärmer.

Mag sein, dass mancher Friedensbewegte aus der guten, alten Weltordnung eigentlich froh wäre, wenn sie gingen. Doch in der Oberpfalz geht die Angst um. US-Präsident Donald Trump macht keinen Hehl daraus, dass er Europa sich selbst überlassen möchte. Was geschieht mit den US-Soldaten und den Familienangehörigen? Eine Spurensuche macht deutlich: Bayern und die Oberpfalz wären massiv von einem Truppenabzug, über den US-Medien bereits offen spekulieren, betroffen. Allerdings eher wirtschaftlich, weniger militärisch.

„Truppenabzug funktioniert nicht über Nacht“

„700 Millionen Euro“, sagt Bürgermeister Hans-Martin Schertl aus Vilseck. „Das kann sich ein normaler Bürger gar nicht vorstellen.“ So groß ist die Wirtschaftskraft durch die Präsenz der US-Streitkräfte allein in der Oberpfalz. „Wenn Truppen abgezogen würden, dann bedeutet das, dass auch Wirtschaftskraft abgezogen wird.“

Schon 2020 hatte US-Präsident Donald Trump angekündigt, Truppen aus Deutschland abzuziehen. Der Vilsecker Bürgermeister erinnert sich: „Damals hieß es, man würde beispielsweise das Striker-Regiment, eine Panzerbrigade, abziehen.“ Das seien 5000 Soldaten und 8000 Familienangehörige. „Aber ein Truppenabzug funktioniert nicht über Nacht“, sagt Schertl. „Da kann man nicht einfach zehn Jumbojets schicken.“

Bande mit den US-Truppen sind eng

Christian Graf ist Bürgermeister in Hohenfels. Etwa 150 Bewohner seines Marktes sind direkt oder indirekt mit den US-Truppen verbunden, arbeiten etwa in Hohenfels, Europas größtem Truppenübungsplatz oder in Grafenwöhr. „Wir dürfen aber die bei den Vertragsfirmen nicht vergessen“, sagt der Bürgermeister. Die Zahl könne er auch gar nicht beziffern. Angefangen vom Kfz-Gewerbe über die Gastronomie bis hin zu privaten Vermietern: Die Wirtschaftskette ist lang, die Bande mit den US-Truppen sind eng. Der Bürgermeister mahnt, erst einmal abzuwarten, ob es tatsächlich zu einem Truppenabzug kommt.

„Grundsätzlich mache ich mir Gedanken, denke aber, unter Berücksichtigung wirtschaftlicher und strategischer Aspekte wird sich die neue US-Regierung sehr wohl überlegen, was den eigenen Zielen dienlich ist“, sagt der Bürgermeister von Hohenfels. „Ich denke dass auch hier clevere Berater und Fachleute abwägen und wohlüberlegt entscheiden.“ Auch ein Abzug von Truppen und den Familienangehörigen binde Kräfte und verursacht Kosten. „Die strategische Sicht zu beurteilen, überlasse ich den militärischen Spitzenkräften“, sagt Graf.

Experte: Trump empfindet Rachegefühle gegen Deutschland

Wird es überhaupt so weit kommen? Völlig unklar ist etwa, wie viele Soldaten genau am Ende bleiben werden und wie viele gehen. „Es ist das Wieviele und nicht mehr das Ob“, sagt der Regensburger Politologe und US-Experte Stephan Bierling. Seit seiner ersten Amtszeit verspreche Trump seinen Wählern, amerikanische Soldaten aus Europa abzuziehen. Spielt es da überhaupt eine Rolle, ob eine neue Bundesregierung oder gar die bayerische Staatsregierung versucht, den US-Präsidenten umzustimmen? „Deals macht Trump jetzt mit Putin, nicht mit europäischen Staaten“, erklärt Bierling. Vielleicht könne Deutschland ihn mit milliardenschweren Einkäufen von Flüssiggas und Waffen aus den USA besänftigen. Doch letztlich treibe Trump eine ganz andere Motivation an: „Es ist Payback Time, Zeit der Vergeltung.“ Der Ex-Präsident empfinde tiefe persönliche Rachegefühle gegen Deutschland und die EU – weil sie ihn als Polit-Proll verspottet und seine Wahlniederlage 2020 gefeiert hätten.

Dass frühere US-Regierungen Milliarden in ihre deutschen Stützpunkte investiert haben, spiele für Trump keine Rolle. „Ökonomisch ist der Abzug natürlich widersinnig“, räumt Bierling ein. Aber Trump gehe es nicht um Wirtschaftlichkeit, sondern darum, Macht zu demonstrieren. Möglich sei auch, dass er Deutschland zwingen wolle, die immensen Kosten für den Betrieb der Standorte selbst zu tragen. „Und wir hätten keine Wahl, weil wir ohne die USA kaum verteidigungsfähig sind“, warnt der Politikwissenschaftler. Die Folgen für Europa und Deutschland wären gravierend. „Wir begraben die Epoche, in der die USA Garant der westlichen Ordnung waren“, sagt Bierling. Die nachfolgende Generation werde weniger friedlich, frei und wohlhabend leben als die Babyboomer – daran habe Trump großen Anteil.

Glaube an Rationalität und Vernunft

Bürgermeister Graf glaubt, dass am Ende Rationalität und Vernunft siegen werden: „Bis zum heutigen Zeitpunkt wurden immer Lösungen gefunden. Ich bin hier positiv eingestellt und setze auf die Vernunft der politischen und militärischen Entscheider, Berater und Fachleute.“ Die Beziehungen sowohl der Kommunalpolitik, als auch auf privater Ebene „zu den hier stationierten Soldaten, deren Familien und den Führungskräften sind als durchaus gut und freundschaftlich zu bezeichnen“, so Graf. Und er formuliert diese Hoffnung: „So wollen wir und ich es auch weiterhin halten.“

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Militärisch spielt die Präsenz der US-Truppen in Bayern für die Verteidigung des Landes vor einem Angriff übrigens kaum eine Rolle. „Das ist eher symbolischer Natur“, sagt der frühere Generalmajor Jürgen Reichardt aus Wörth an der Donau. „Da geht es eher darum, dass ein Angriff auf US-Soldaten in Bayern natürlich ein Angriff auf die USA wären.“ Im Kalten Krieg war das anders. Da sollten die alliierten Streitkräfte zusammen mit den deutschen Bundeswehrsoldaten die Linie halten, wenn es zu einem Weltkrieg auf deutschem Boden gekommen wäre. „Maßgeblich ist, dass Deutschland unter dem atomaren Schutzschirm der USA bleiben.“ Denn dieses Bedrohungsszenario würde russische Begehrlichkeiten abschrecken. „Jeder, der sagt, französische oder britische Atombomben könnten uns auch schützen, der hat keine Ahnung“, so Reichardt. Die Reichweite dieser Raketen seien viel geringer. Reichardt, der noch die Tage des Kalten Krieges als Soldat erlebte, ist überzeugt: „Aus Eigeninteresse werden die Amerikaner immer Truppen bei uns stationiert haben.“ Die Oberpfälzer Truppenübungsplätze Hohenfels und Grafenwöhr-Vilseck sind das eine. Ramstein aber in Rheinland-Pfalz das andere. Wie bedeutend der Standort für das US-Militär ist, zeigte auch eine Verfassungsbeschwerde Ende 2024 in Karlsruhe. Die Erdkrümmung führt dazu, dass Drohnen der USA auf deutschem Boden gesteuert werden. 2012 starben Familienangehörige des Klägers Faisal bin Ali Jaber im Jemen – gesteuert wurden die Drohnen von Ramstein aus.

Bayerische Staatsregierung schweigt lieber noch

Militärisch sind die US-Truppen für Deutschland also unbedeutend, für die USA selbst nicht unwichtig. Was sagt die Bayerische Staatsregierung zum drohenden Abzug von Truppen aus Bayern? Noch bei der Münchner Sicherheitskonferenz hatte sich Staatskanzleiminister Florian Herrmann mit Vertretern des US-Militärs getroffen. Jetzt lässt er einen Sprecher ausrichten, „dass sich die Staatsregierung zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht äußert“. Bürgermeister Schertl versucht, gelassen zu bleiben. Trotz der Drohkulisse für Vilseck. „Trump weiß doch heute nicht mehr, was er gestern gesagt hat“, fügt er nachdenklich an. „Ein früherer Kollege aus Grafenwöhr hat immer zu mir gesagt: Mit den Amis ist es ein Auf und Ab.“ Wenn die eine Division abgezogen wird, so glaubt auch Schertl, dann kommt eben eine andere.

So viele GIs gibt es in Bayern:

• Mitbürger: 38 600 US-Amerikaner sind direkt oder indirekt mit der US-Armee Garnison Bavaria verbunden. 15.800 Militärangehörige und 9400 Zivilisten sowie 12.700 Familienangehörige und 700 Rentner.

• Fläche: Nach Angaben der US-Armee verteilt sich die Bevölkerung auf 4100 Quadratkilometer in Bayern. Zur USA Garnison Bavaria gehören 6300 Wohneinheiten, teils auf den Arealen, teils angemietet.

• Übungsplätze: Regelmäßig üben Nato-Truppen mit den Amerikanern auf den beiden Truppenübungsplätze in Grafenwöhr und Hohenfels. Die Koordination der Armeen steht im Mittelpunkt.

• Historisch: Grafenwöhr geht auf einen Übungsplatz der bayerischen Armee um 1900 zurück. Hohenfels ist seit 1951 in Betrieb. Berühmtester GI in der Oberpfalz war übrigens die Musiklegende Elvis Presley.

Ein Autohändler in Grafenwöhr: Die Straßen in dem oberpfälzer Ort erinnern an amerikanische Vorstädte.