Schüler laut Neumarkter Fahrlehrer immer unsicherer: Jeder Zweite fällt durch die Theorieprüfung

Der Führerschein bedeutet für die meisten jungen Leute Freiheit. Gerade im ländlichen Raum ist der Besitz der kleinen rechteckigen Plastikkarte unverzichtbar. Allerdings bestehen auch im Landkreis Neumarkt immer mehr Fahrschüler nicht beim ersten Mal. Dafür gibt es verschiedene Gründe, wie der Kreisvorsitzende des Fahrlehrerverbandes Bayern weiß.
Seit 40 Jahren begleitet Manfred Schreiner aus dem Landkreis Neumarkt seine Schützlinge auf dem Weg zum Führerschein. Lange Zeit leitete er eine eigene Fahrschule. In den vergangenen fünf bis zehn Jahren hat er eine große Veränderung im Verhalten der Fahrschüler beobachtet: Sie sind unselbstständiger, unsicher, können sich schwer konzentrieren und lassen sich oft nichts sagen.
Längere Ausbildungsdauer für die Fahrprüfung
Knapp die Hälfte der Prüflinge falle bei der Führerscheinklasse B, also beim Autoführerschein, durch die Theorieprüfung, sagt Schreiner. In der Praxis bestünden 37 Prozent nicht auf Anhieb. Für das Begleitende Fahren (BF 17) ergebe sich eine Durchfallquote von 36 Prozent in der Theorie und 24 Prozent in der Praxis.
Schreiner weiß: „Wir haben einen hohen Anteil in der BF17, gerade im ländlichen Raum“. Er vertritt die Meinung: „Wer mit 17 seinen Führerschein macht, der will ihn auch haben und hat die Motivation.“ Deshalb bestünden diese Prüflinge eher.
Jedoch variierten die Prozentsätze je nach Gegend. „Ob du in Roding Prüfung machst oder in München, ist natürlich ein Unterschied.“ Gefühlsmäßig sei die Durchfallquote im Landkreis Neumarkt allerdings gleich geblieben, findet Schreiner. Die charakterlichen Veränderungen seiner Fahrschüler ließen sich dennoch nicht wegdiskutieren.
Auf der Straße müssten Verkehrsteilnehmer ständig Entscheidungen treffen. „ Für den Fahranfänger ist das ein permanenter Entscheidungsprozess: Geb ich Gas? Bremse ich? Schalte ich da noch rauf?“ In den Fahrstunden stelle er fest, dass seine Schützlinge unselbstständiger geworden sind und sogar Angst hätten, eigene Entscheidungen zu treffen.
Solange ein Fahrlehrer daneben sitze, sei das kein Problem, erklärt Schreiner. Die Prüfung werde so allerdings zur Herausforderung: „Da bist du ganz alleine. Wenn der Fahrlehrer neben dir muckt, dann wird die Prüfung abgebrochen.“
Eltern tragen Teilschuld
Schreiners Ansicht nach liegt diese Entwicklung auch an den Erziehungsmethoden der Eltern: Sie nähmen ihren eigentlich erwachsenen Kindern zu viel Verantwortung ab. Teils machen Eltern noch die Fahrstunden aus oder fahren die Kinder im „Elterntaxi“ überall hin, sagt Schreiner.
Immer mehr Jugendliche betrachteten daher den Führerschein nicht mehr als Notwendigkeit. Da spiele es keine Rolle mehr, ob die nächste Fahrstunde morgen oder in einer Woche sei. Das wirke sich aber auf die Ausbildungszeit aus: „Es ist tatsächlich so: Die Ausbildung dauert länger, ein halbes bis dreiviertel Jahr.“
Neben einer geringeren Belastbarkeit, lenkten außerdem die Medien seine Schüler stark ab. Dazu liefert Schreiner eine Anekdote. In einer Fahrstunde habe ein Mädchen bei jeder roten Ampel nach unten geschaut. Irgendwann stellte er fest, dass sie jedes Mal ihr Handy checkte. Das empört ihn: „Ein Fahrer muss bei der Sache sein.“
Vertrauen zwischen Fahrschüler und -lehrer muss vorhanden sein
Außerdem klagt Schreiner über die Uneinsichtigkeit mancher Schüler, die sich nichts sagen ließen. „Du kannst manchen sagen, was du willst. Da kommst du dir vor wie ein Depp. Das ist für mich keine Art der Ausbildung.“ Solch ein Verhalten rufe bei ihm Unverständnis hervor. Vieles könnten Fahranfänger noch nicht beurteilen. „Grundvoraussetzung bei einem Schüler-Lehrer-Verhältnis ist, dass du das Vertrauen hast, dass der dir was Richtiges beibringt.“
Eine weitere Herausforderung seien Folgen der Migration: „Jeder Verkehr hat seine Eigenheiten“, stellt Schreiner klar. Menschen, die aus anderen Ländern kommen, verhielten sich deshalb im Verkehr anders oder nähmen Gefahren anders wahr. In der Ausbildung komme oft noch eine Sprachbarriere hinzu.
In der theoretischen Prüfung habe das noch keine allzu großen Auswirkungen, da diese in zwölf verschiedenen Sprachen angeboten werde. „Beim Fahren ist das sprachliche Defizit aber ein Problem.“ Denn diese Prüfung müsse auf Deutsch bewältigt werden.
„Wenn jemand durchfällt, wird das gern auf den Prüfer geschoben. Fehlentscheidungen sind aber ganz, ganz selten.“ Schreiner stellt klar: „Der Prüfer will deine Leistung sehen, egal ob du groß, klein, dick oder dünn bist.“
Das kostet der Auto-Führerschein
Regelzeiten: Wer den Autoführerschein macht, muss mit Kosten von mindestens 3000 Euro rechnen, sagt Manfred Schreiner. Pflicht für die Zulassung zur Prüfung seien 14 Theorie- und 19 Fahrstunden. „Das ist allerdings weit weg von der Realität. Zwischen 40 und 50 Stunden sind normal aktuell.“ Eine Herabsetzung der Anzahl der Pflichtfahrstunden, sehe Schreiner allerdings als ein Sicherheitsrisiko.
Finanzierung: Seiner Ansicht nach werden die Kosten auch in Zukunft nicht sinken. „Denn wir sind an die Preisentwicklung angekoppelt“, sagt der Landesvorsitzende des Fahrlehrerverbandes Bayern. Wer die Preise also gering halten wolle, der müsse die Prüfungen beim ersten Mal bestehen. Denn für eine Wiederholungsprüfung in der Theorie werden etwa 100 Euro fällig, in der Praxis 400 Euro. „Wer im Landkreis Neumarkt sechsmal durchfällt, muss sich im Landratsamt vorstellen.“
Prüfungstipps: Manfred Schreiner empfiehlt, in der App für die Theorieprüfung mindestens 90 Prozent zu erreichen. „Dann ist es schon fast sicher, dass man die Theorie besteht. Wer weniger hat, braucht Glück.“ Außerdem helfe es, im Unterricht viel nachzufragen. Für die praktische Prüfung sei ein „sicheres Gefühl“ von Vorteil. Es sei gut zu wissen: „Ich kann das!“ Viele bestünden so zumindest beim zweiten Anlauf.