Neue Verkehrsstudie zeigt: Die Regensburger gehen und radeln mehr

Der Stadtverkehr hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert. 63 Prozent der Wege legen die Regensburger inzwischen mit dem Fahrrad, zu Fuß oder mit dem Bus zurück. Das zeigt eine Studie der Technischen Universität Dresden. Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer freut sich über das Ergebnis: „Wir haben uns 2017 im Leitbild Energie und Klima das Ziel gesetzt, den Anteil der umweltverträglichen Verkehrsmittel bis 2030 auf mindestens 60 Prozent zu steigern. Dieses Ziel haben wir bereits jetzt erreicht beziehungsweise sogar übertroffen.“
Leicht zurückgedrängt wurde das Auto. Für 37 Prozent der Wege setzen sich die Bürger ans Steuer. Bei der letzten Erhebung 2018 waren es 41 Prozent gewesen. Für die Studie „Mobilität in Städten – System repräsentativer Verkehrsbefragungen“ sind 2500 Regensburgerinnen und Regensburger zum Mobilitätsverhalten befragt worden.
Heidelberg als Vorbild?
Nicht alles ist eitel Sonnenschein: Insgesamt hat sich zwar der Anteil des Umweltverbundes – öffentlicher Nahverkehr (ÖPNV), Fußgänger und Radfahrer – erhöht. Doch den Bus nehmen etwas weniger Menschen als vor sieben Jahren. Für zehn Prozent der Wege nutzen die Regensburger den ÖPNV. Bei der letzten Studie waren es noch elf Prozent gewesen.
Zum guten Ergebnis beim Rad- und Fußverkehr sagt die OB, die in den vergangenen Jahren bereits umgesetzten und künftig geplanten Maßnahmen wie das Hauptradroutennetz, Fahrradstraßen, die Verbesserung von Fußwegen, Querungshilfen oder zusätzliche Fahrrad-Abstellanlagen und ein erweitertes Angebot an E-Lastenrädern trügen den geänderten Gewohnheiten der Regensburger Rechnung. Planungs- und Baureferent Florian Plajer betont: „Wir sind auf dem richtigen Weg und werden weiter daran arbeiten, das Radfahren und das Zufußgehen in unserer Stadt noch sicherer und attraktiver zu machen.“ Dass der ÖPNV leicht zurückgefallen sei, zeige, dass es noch erhebliches Ausbau-Potenzial gebe.
„Nur durch eine weitere Stärkung des ÖPNV sowie des Fuß- und Radverkehrs kann es uns gelingen, die wachsende Verkehrsnachfrage akzeptabel zu steuern und die Umweltbelastung im Stadtgebiet weiter zu reduzieren“, sagt Plajer. Die Konkurrenz aller Verkehrsteilnehmer um die begrenzte Fläche bleibe die größte Herausforderung bei der Mobilitätsplanung.
Die Erhebung dient der Aktualisierung wichtiger Kennwerte des Stadtverkehrs und stellt eine gute Vergleichbarkeit zu anderen Kommunen her. Es ist noch Luft nach oben. Das steht fest. Im etwa gleichgroßen Heidelberg werden 38 Prozent der Wege mit dem Fahrrad zurückgelegt, 33 Prozent zu Fuß, zwölf Prozent mit öffentlichen Verkehrsmitteln und nur 17 Prozent mit dem Auto.
Reine Busachse schaffen
„Wir begrüßen, dass es für den Umweltverbund in die richtige Richtung geht“, lobt Wolfgang Bogie, Kreisvorsitzender des alternativen Verkehrsclubs Deutschland.
Doch beim ÖPNV kranke es an der Akzeptanz. „Offenbar ist es kaum möglich, mehr Autofahrer für die Busse zu gewinnen.“ Bogie ist überzeugt , dass man das mit der schienengebundenen Stadtbahn geschafft hätte. Doch die Stadt muss nach vorne schauen. Wolfgang Bogie fordert mehr Busspuren, eine höhere Taktung, Ampelvorfahrten und die Umwandlung der Kepler- und Thundorferstraße in eine reine Busachse. Der Platz der Einheit beim Jakobstor müsse zu einem Umsteigeort werden. „Beim Hauptbahnhof brauchen wir Umsteigemöglichkeiten in alle Richtungen“, wünscht sich der Verkehrsexperte.
Nach dem Stadtbahn-Aus feilt das Stadtwerk bereits an einem neuen Konzept. Am Dienstag beschäftigt sich der Stadtplanungsausschuss mit der Studie.
Alle Bevölkerungsschichten wurden einbezogen
Untersuchung: Mehr als 280 000 Menschen in Deutschland, davon 2500 in Regensburg, hat das Leipziger Institut O.trend zwischen Januar 2023 und Anfang 2024 für die Studie „Mobilität in Städten – System repräsentativer Verkehrsbefragungen“ interviewt.
Ergebnis: Mit dem Auto werden 37 Prozent der Wege in Regensburg zurückgelegt (2018 waren es noch 41 Prozent); zu Fuß 27 Prozent (24), mit dem Fahrrad 26 Prozent (2018 waren es 24 Prozent); öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) zehn Prozent (elf).
Haushalte: Die Befragung richtete sich an alle Bevölkerungsschichten. Die Adressen wurden per Zufallsverfahren gezogen. Die TU Dresden hat O.trend beauftragt. Die Auswertung gibt Einblicke in die stadtspezifische Mobilität. Kommunen können verglichen werden, Trends kristallisieren sich heraus.

