Burglengenfelds Gymnasium gewinnt für Kampf gegen Rassismus eine prominente Patin

Von Josef Schaller · 3. März 2025 um 11:00

Das Johann-Michael-Fischer-Gymnasium in Burglengenfeld ist seit 2007 Mitglied im bundesweiten Schulnetzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Jetzt wurde dieses Engagement durch eine Patenschaft mit der Kabarettistin Eva Karl Faltermeier erneuert und gestärkt.

Passend zum Thema präsentierte das Ovigo-Theater am Dienstag vergangener Woche seine multimediale Szenen-Collage „SAD-88“, die den ausländerfeindlichen Brandanschlag auf das Schwandorfer Habermeierhaus vom 17. Dezember 1988 und die Aufarbeitung dieser Tat thematisiert. In einer Art Podiumsdiskussion konnten sich die Patin, Lehrkräfte und Gäste zum Thema Rassismus äußern.

Impuls durch die Schüler

Der Impuls zur Erneuerung der Mitgliedschaft im Schulnetzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ sei aus der Schülerschaft gekommen, betonte Verbindungslehrer Sebastian Schmidmeier. Es sei ein großes Anliegen der SMV (Schülermitverantwortung), diese Mitgliedschaft mit neuem Leben zu erfüllen. Im Rahmen eines Klassensprecherseminars habe man einige Projektideen entwickelt. Eine zentrale Frage sei dabei laut Schmidmeier gewesen: Wie können wir als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ wieder sichtbar werden?

Mit der bayerischen Kabarettistin Eva Karl Faltermeier habe die Schule dafür eine „wunderbare Patin aus der Region“ gewinnen können, so der Verbindungslehrer. Darüber hinaus sei es geplant, feste Gedenktage im Schulkalender zu etablieren. So seien unter anderem am Tag der Menschenrechte (10. Dezember) alle Migrationsschüler der Schule eingeladen, ihre Migrationsgeschichte mit einer Pin-Nadel an eine große Weltkarte zu heften, um so die Vielfalt am JMFG hervorzuheben. Es sei wichtig eine Schulkultur zu prägen, in der eine klare demokratische und menschenrechtsorientierte Haltung in der gesamten Schulfamilie erkennbar sei, sagte Schmidmeier.

Bühne wird zum Ort der Aufklärung

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die 90-minütige, sehr ausdrucksstarke Darbietung des Ovigo-Theaters, das die Bühne in einen Ort der Aufklärung verwandelte. Vier Menschen waren am 17. Dezember 1988 in Schwandorf aus rassistischer Motivation heraus bei einem Brandanschlag ermordet worden. Ein 19-jähriger Lehrling, der schon als Jugendlicher vom Nationalsozialismus fasziniert war, war an diesem Abend, mit einer Streichholzschachtel bewaffnet, losgezogen und hatte im Habermeierhaus, in dem vorwiegend Türken wohnten, an Pappkartons Feuer gelegt. Die Szenen-Collage war ein Balance-Akt zwischen der Schilderung der Geschehnisse und den Reaktionen nach dieser abscheulichen Tat. Dabei wurden auch Original-Tonaufnahmen eingespielt. Die absolute Stille nach der Darbietung brachte die Betroffenheit der Gäste deutlich zum Ausdruck.

Eva Karl Faltermeier betrachtete diese Beklemmung als einen positiven Aspekt. Dadurch könnten Menschen zum aktiven Handeln motiviert werden, so die Kabarettistin. Menschen mit Mitgrationshintergrund abzuschieben bezeichnete sie in der anschließenden Podiumsdiskussion als „verachtend“. Hautfarbe und Herkunft seien völlig egal. Wichtig sei, ein guter Mensch zu sein.

Auf die derzeitige Realität bezogen, warnte sie davor, sich nicht gleich allen anzuschließen, die am lautesten schreien. Man müsse auch am nächsten Tag noch in den Spiegel schauen können, so die Künstlerin.

Gutes Miteinander am JMFG

Moderiert wurde die Diskussion vom Politik- und Unternehmensberater Markus Birzer, ein ehemaliger Schüler des JMFG. Er gratulierte seiner ehemaligen Schule für seine sehr engagierten Schüler. Schülersprecher Leonhard Wagner verwies auf das friedliche Miteinander am JMFG, obwohl die Schüler aus verschiedenen Kulturen kämen.

Als Elternbeiratsvorsitzender sagte Martin Antretter, die Schule könne zur Aufarbeitung dieses Themas auf die Unterstützung des Elternbeirats zählen. Fabian Biersack vom Förderverein der Schule betonte, Rassismus entstehe aus Angst und Hass. Das beste dagegen sei das gegenseitige Kennenlernen. Schulleiter Matthias Schaller bezeichnete die Präventionsarbeit der Schule, ihre Schüler gegen Extremismus standhaft zu machen, als einen Verfassungsauftrag.

Die professionelle Darbietung des Ovigo-Theaters sorgte angesichts der erschütternden Thematik für große Betroffenheit bei den Gästen. Foto: Josef Schaller