FreiRäume Bad Kötzting: Staatsanzeiger Award sorgt für Ruhm, Ehre und Publicity

Langeweile kommt bei den Akteuren der FreiRäume nun wirklich nicht auf. Dabei ist ihr Engagement gegen Leerstände in der Stadt ein rein ehrenamtliches. Jetzt hat die Initiative einen Preis bekommen: In der Kategorie Bürgerbeteiligung des Staatsanzeiger Awards belegten die FreiRäume den 2. Platz. Auch die Expertise der FreiRäume-Engagierten ist mehr und mehr gefragt.
Zur Erklärung: Der Staatsanzeiger ist ein Medienunternehmen in Baden-Württemberg mit Produkten für die öffentliche Verwaltung. Zu ihm gehören unter anderem eine landespolitische Wochenzeitung, eine PR-Agentur und ein Weiterbildungsinstitut. Seit 2021 wird der Staatsanzeiger Award in fünf Kategorien für wegweisende Initiativen von Verwaltungen und anderen öffentlichen Institutionen, die die Entwicklung der Gesellschaft positiv beeinflussen, vergeben.
Ein bekannter Drittplatzierter
Bei der Award-Jury sei die Bewerbung der FreiRäume sehr gut angekommen, erzählt Matthias Wutz vom Gscheidhaferl, der von Anfang an bei der Initiative vorne dabei ist. 139 Bewerbungen gab es insgesamt, aus ganz Deutschland, vor allem aus Baden-Württemberg.
Am 20. Februar fuhr Wutz zur Preisverleihung nach Stuttgart, bei der unter anderem auch Finanzminister Danyal Bayaz unter den 145 geladenen Gästen war. Erstplatzierter in der Kategorie Bürgerbeteiligung wurde die Stadt Reutlingen, mit einer „tollen Kampagne, aber auch einem viel größeren Budget“ sagt Matthias Wutz. Dritter wurde die Allgäuer Genussmanufaktur, deren Initiator ausgerechnet Christian Skrodzki ist, der mit seinem Vortrag beim ersten Werkstattgespräch den FreiRäume-Stein ins Rollen brachte. Skrodzkis Reaktion: „Dass ich mich selbst schlage, hab’ ich noch nie geschafft.“ Ein Preisgeld ist mit dem Award nicht verbunden. Aber „Ruhm, Ehre und Publicity. Das können jetzt alle Verwaltungen in Baden-Württemberg lesen.“
Viele Expertise-Anfragen
Das Leerstand-Problem ist bekanntlich kein typisches Kötzting-Problem. Dass die FreiRäume im Umgang damit überaus kreativ sind, ist schon vielen Leuten aufgefallen. Und so gibt es viele Expertise-Anfragen bei Matthias Wutz oder Carola Höcherl-Neubauer. „Wir können aber nur ein Muster-Beispiel sein und andere inspirieren. Kopieren geht nicht, da muss jeder sein eigenes Ding machen“, sagt Höcherl-Neubauer. Wutz ergänzt: „Kopieren funktioniert auch nicht. Bei uns klappt das mit den FreiRäumen nur so super, weil wir all diese tollen Leute haben, die mitmachen.“ Bei der jüngsten ERFA-Tagung Stadtmarketing der IHK Regensburg am 25. Februar – ERFA steht für „Erfahrungsaustausch“ – durfte Höcherl-Neubauer die FreiRäume in einem halbstündigen Vortrag vorstellen. Zum übergeordneten Thema „Heimatshoppen“ sprachen auch Vertreter von cima München (eine Agentur für Stadt- und Regionalentwicklung sowie für Marketing im öffentlichen Sektor) und Markus Singer und Armin Rank von der Stadtverwaltung Schwandorf. Singer hat Carola Höcherl-Neubauer und die FreiRäume gleich gebucht – als Best Practice-Beispiel im Kampf gegen die Leerstände.
Ein Überblick über die Initiative FreiRäume
Was sind die FreiRäume? Bei der Preisverleihung des Staatsanzeigers wurden die Projekte der Nominierten per Video und auf Aufstellern vorgestellt – ein guter Überblick über das, was die FreiRäume sind und was sie bereits geschaffen haben.
Das stand auf dem Aufsteller: Um dem Leerstand nach der Coronapandemie in ihrer Stadt entgegenzuwirken, haben sich engagierte Bürger in Bad Kötzting zur Initiative FreiRäume zusammengeschlossen. In Kooperation mit dem Stadtmarketingverein organisierten die Bürger im März 2023 ein Werkstattgespräch in einer Kaffeerösterei (Gscheidhaferl). Ein Vortrag eines erfahrenen „Leerstandbehebers“ aus dem Allgäu (Christian Skrodzki) motivierte und inspirierte die Teilnehmenden. So entwickelten die FreiRäume eine moderne Imagekampagne, gestalteten Schaufenster, organisierten Veranstaltungen und gingen auf Immobilieneigentümer zu, um Leerstände zu ermitteln. Ihre Aktivitäten verbreiteten sie über ihre Website und den Instagram-Kanal @freiraeume.koetzting. Unterstützt von lokalen Unternehmen, der lokalen Presse und einem Förderprogramm des Bayerischen Wirtschaftsministeriums konnte die ehrenamtliche Initiative Erfolge erzielen.
Dynamik: Sechs leerstehende Läden wurden dauerhaft belebt, zahlreiche temporäre Angebote wie Pop-up-Stores, Konzerte und Kunstaktionen fanden großen Anklang. Es entstand eine positive Dynamik, in der sich inzwischen auch unabhängig von der Initiative neue Projekte entwickeln.

