Auch im Landkreis Neumarkt müssen Schulanfänger ihre Deutsch-Kenntnisse nachweisen

Von Petra Schlierf · 27. Februar 2025 um 17:00

Eltern von vier Jahre alten Kindern bekommen derzeit im Landkreis Neumarkt Post. Zwar ist ihre Einschulung noch weit weg, doch müssen sie bayernweit erstmals an einem Sprachtest teilnehmen. Der findet im März und April statt. Was das bedeutet und welche Kinder um den Test herumkommen, erklärt Tanja Kölbel vom Schulamt Neumarkt, das sich um die Organisation kümmert.

• Warum gibt es überhaupt Sprachtests?

Ob Kinder überhaupt die Chance haben, dem Unterricht zu folgen, hängt entscheidend vom Verständnis der Sprache ab. Immer wieder kommt es in Grundschulen vor, dass Kinder zwar im schulpflichtigen Alter sind, vom Stoff aber kein Wort verstehen.

Sei es, weil sie aus einem anderen Land kommen und gar kein oder noch kein ausreichendes Deutsch sprechen oder aus sozial schwierigen Verhältnissen in Familien ohne Migrationshintergrund – Sprachförderung würde vielen Kindern den Start in der Grundschule erleichtern. Eineinhalb Jahre vor der regulären Einschulung sei ein guter Zeitpunkt für einen Test, findet Schulrätin Tanja Kölbel: „Denn dann ist noch genug Zeit, um Sprachdefizite zu beheben.“

Vor allem Kinder mit erhöhtem Sprachbedarf betroffen

Um diese Kinder gezielt zu fördern und gleichzeitig den Unterricht der anderen Kinder nicht aufzuhalten, hat der bayerische Landtag Ende 2024 das Gesetz zur Einführung und Durchsetzung verbindlicher Sprachstandserhebungen und Sprachfördermaßnahmen vor der Einschulung eingeführt. Kölbel betont: „Es geht darum herauszufinden, welche Kinder noch geschult werden müssen, um dem Unterricht folgen zu können.“ Es gehe nicht darum, Kinder herauszufiltern, die etwa besonders schüchtern sind oder ein logopädisches Problem haben.

Müssen alle Kinder zum Test?

Nein. Kinder, die von ihrer Kita bescheinigt bekommen, dass sie keinen erhöhten Sprachförderbedarf haben, müssen nicht zum Screening in die Grundschule kommen. Entsprechende Bescheinigungen mussten die Kitas den Eltern bis Ende Januar aushändigen. „Und das ist die große Mehrheit der Kinder“, stellt Kölbel fest.

Im Schulamtsbezirk Neumarkt etwa 350 Kinder eingeladen

Alle anderen bekommen spätestens bis Ende Februar einen Termin für den Test im März oder April genannt. „Im Schulamtsbezirk Neumarkt sind es etwa 350 Kinder, die keine Freistellungserklärung bekommen haben und zum Test eingeladen werden“, erklärt Kölbel.

Was müssen die Kinder können?

Das Entscheidende ist, dass sie dem Unterricht folgen können. Erst vor wenigen Tagen hat das Bayerische Kultusministerium den Test für die Schulämter freigegeben. Genaueres dazu kann die Schulrätin dennoch nicht sagen. Die Inhalte blieben den zertifizierten Beratungslehrern vorbehalten und nur diese hätten Einblick, was im einzelnen von den Kindern verlangt werde, lässt Kölbel wissen. Allgemein könne sie sagen, es handle sich um ähnliche Inhalte wie in den allgemeinen Kita-Tests. Vorwiegend gehe es dabei um den Wortschatz und um das Satzverständnis.

• Wie laufen die Tests ab und wer führt sie durch?

In der jeweiligen Sprengel-Grundschule, in der das Kind im Normalfall später auch eingeschult wird, führen speziell geschulte Beratungslehrer die Tests durch. Jedes Kind wird einzeln getestet. Die eigentliche Sprachstandserhebung dauert 20 Minuten, insgesamt etwa 30 Minuten. Die Eltern dürfen dabei sein. Ob jede Grundschule den Test anbietet oder ob es einzelne Schulen verteilt im Landkreis sein werden, stehe noch nicht fest, sagt Kölbel.

Drei Stunden Unterricht für Kinder mit Verbesserungsbedarf

• Was passiert, wenn das Kind den Test nicht besteht?

Wird ein Sprachförderbedarf erkennt, muss das Kind einen Vorkurs Deutsch besuchen. Dort lernt bzw. verbessert es seine Deutschkenntnisse. Drei Stunden pro Woche unterrichtet eine Lehrkraft aus der Grundschule die Kinder, meist in den Kindergärten oder auch in den Grundschulen. Insgesamt 240 Stunden lernen die Kinder so – vor allem Sprechen. Die Kurse gibt es bereits, bisher allerdings auf freiwilliger Basis. Und sie sind sehr erfolgreich, weiß Tanja Kölbel, die viele Jahre Leiterin der Bräugassen-Grundschule in Neumarkt war. „Die Kinder, die den Vorkurs gemacht haben, haben in jedem Fall einen anderen Stand und ihnen fällt es viel leichter, dem Unterricht zu folgen.“

• Meist waren es schon bisher Kinder mit Migrationshintergrund, die in den Vorkursen waren. Was haben Kinder ohne Migrationshintergrund davon?

Auch sie können profitieren, betont Kölbel. Schon bisher habe es immer wieder Kinder gegeben, die Bedarf gehabt hätten, allerdings seien nicht immer genug Plätze da gewesen. Dann hätte man den Kindern den Vorzug gegeben, die den höchsten Bedarf hatten, erklärt die Schulrätin. Auf der anderen Seite wird die Klasse nicht mehr aufgehalten durch zusätzliche Erklärungen für Kinder, die noch nicht gut genug Deutsch sprechen und die Anweisungen des Lehrers dadurch nicht verstehen.

Einwohnermeldeamt liefert die Daten

• Wie viel Mehraufwand bedeuten die neuen Tests?

Die Einladung für die Tests läuft über die Grundschule. Das aber ist gar nicht so einfach, weiß Kölbel, denn die Eltern haben ja noch gar nichts mit der Schule am Hut. Die Daten kommen vom Einwohnermeldeamt. Die Eltern zu erreichen, ist dann Sache der Schulen. Für die Vorkurse werden Grundschullehrer gebraucht, die dann wieder an anderer Stelle fehlen könnten. Auch an dieser Stelle seien noch einige Fragen ungeklärt, sagt Kölbel.

• Wo ist der Unterschied zu Schuleingangsuntersuchung?

Die Schuleingangsuntersuchungen der Gesundheitsämter gibt es auch weiterhin. Sie haben einen anderen Fokus. Hier geht es vor allem darum, ob die Kinder dem Schulalltag in gesundheitlicher Hinsicht gewachsen sind, lässt das Bayerische Landesamt für Gesundheit wissen.

• Schon bisher wurden Sprachtests mit Kindern gemacht. Wo liegen die Unterschiede?

Die Sprach-Screenings in den Kindergärten sind nicht neu. Sie unterlagen aber bisher keinen einheitlichen Standards, erklärt Kölbel, hatten aber ebenfalls das Ziel herauszufinden, ob das Kind noch einen besonderen Förderbedarf vor der Einschulung braucht. War das der Fall, kamen schon bisher die Vorkurse ins Spiel, abgehalten von Grundschullehrern. Die Teilnahme am Vorkurs war da allerdings noch freiwillig.