Zu Löhnen und Inflation: Ein Lächeln reicht nicht
Endlich mal gute Nachrichten vom Geld. Davon haben die Menschen nämlich statistisch inzwischen wieder mehr in der Tasche. Die Löhne sind im vergangenen Jahr so stark gestiegen wie seit 16 Jahren nicht. Gleichzeitig ist die Inflation gesunken. In Prozentzahlen ausgedrückt liest sich das schon recht gut: Lohnzuwachs 5,4 Prozent, Inflation 2,2 Prozent. Auf zum Shoppen. Oder doch keine Lust?
Statistik und persönliche Wahrnehmung – das sind doch zwei sehr unterschiedliche Dinge. Das Wahlergebnis vom Sonntag hat auch abgebildet, dass viele Menschen real oder gefühlt in den zurückliegenden Jahren ärmer geworden sind. Das dürfte teils die Zuwächse der AfD erklären. Diese Empfindung oder Tatsache überwiegt halt jedes reale Plus auf dem Lohnzettel.
Die Inflation von 2022 und 2023 wirkt nach als eine Art unverarbeitetem Trauma. Wer etwa gerne Essen geht, ärgert sich, wie teuer das geworden ist. Auch wenn er mehr verdient. Denn billiger wird’s ja nicht mehr. Auch sind Lohnzuwächse oft durch Einmaleffekte erzielt worden, Inflationsausgleichsprämien und Einmalzahlungen als Teil von Tarifabschlüssen. Das sorgt mal für ein Lächeln, aber nicht für Zuversicht. Schließlich trüben gestiegene Kosten für Kranken- und Pflegeversicherung die Bilanz vieler Bürger. Für eine bessere Konsumstimmung braucht es Zeit – und politische Entscheidungen, die Verlässlichkeit und Planungssicherheit garantieren.