Junge Gründer arbeiten auch in der Wirtschaftskrise erfolgreich

Von Marion Koller · 27. Februar 2025 um 11:00

Regensburg erreicht bayernweit Platz zwei bei den Startup-Gründungen. Trotz der Rezession brummt der Entwickler-Standort.

Markus Hornsteiner und Dr. Philip Empl führen in ihr karg eingerichtetes Büro in der TechBase. Notebooks, Bildschirme, Tastaturen, Computermäuse – recht mehr gibt es bei Complioty nicht. Jeder hat zwei Bildschirme, um beim Programmieren den Code und das Ergebnis sehen zu können.

Nein, für das Interview eigne sich das Büro nicht, finden die Gründer. Sie entscheiden sich für einen weitläufigen Konferenzraum. Ihre Wasserflaschen nehmen sie mit. Das Innovationszentrum bietet keine üppigen Büros, aber alles, was Startups brauchen: ein Netzwerk, Beratung, günstige Mieten, die Hochschule-Nähe.

In Bayern sind 2024 wieder mehr Startups gegründet worden: 538, zwölf Prozent mehr als im Jahr davor. Regensburg erreicht mit dem zweiten Platz im Freistaat eine Spitzenposition. Dafür sorgen auch die TechBase, der Biopark und die Hochschulen. Markus Hornsteiner und Dr. Philip Empl fühlen sich im Innovationszentrum gut aufgehoben. „In Bayern wird man eher mit Skepsis konfrontiert“, sagt Hornsteiner. Oft höre man zu Gründungsideen: „Existiert da überhaupt ein Markt?“ In der TechBase heiße es: „Das probieren wir aus.“

Vom Standort überzeugt

Die Gründer glauben an die deutsche Wirtschaft, die sich zwar in der Rezession befindet, aber nach wie vor in vielen Bereichen weltweit spitze ist. Complioty bietet Cybersicherheit, also Schutz vor digitalen Angriffen, für die mittelständische Industrie an, zum Beispiel für Maschinenfabriken. „Wir haben Anfang 2024 gegründet, weil wir in der Forschung festgestellt haben, dass da ein Bedarf ist“, erklärt Hornsteiner (31). Das Team entwickelt eine Software-Version für Maschinenbauer, die in den kommenden Wochen veröffentlicht wird. Complioty automatisiert den Abgleich der Produktionsanlagen mit Cybersecuritystandards und -informationen, um schnell Sicherheitsreports zu liefern. Wenn Computersysteme lahmgelegt werden, kann das zu hohen finanziellen Verlusten führen. Oder zu Personenschäden, wenn ein Roboter nicht richtig funktioniert.

Die Wirtschaftsinformatiker haben sich nicht wegen des Geldes für die Selbstständigkeit entschieden, sondern wegen der Freiheit. „Du musst nicht warten, bis der Chef das Okay gibt“, sagt Philip Empl (29). „Man ist einfach agiler, kann eine gute Idee umsetzen.“

Der Elektroingenieur Jan Wartmann (33) und der Informatiker Michael Schneider (35) haben 2021 die Firma Regelkraft gegründet. Ab dem zweiten Geschäftsjahr hat die GmbH richtig gebrummt. Inzwischen beschäftigt sie sieben Mitarbeiter. Wartmann und Schneider sorgen dafür, dass erneuerbare Energie schneller ans Netz kommt. Die Industriekunden wollen ihre Photovoltaikdächer an das öffentliche Stromnetz anschließen. Der Schaltschrank „Kraftkiste“ von Regelkraft ermöglicht, dass der Netzbetreiber mit der PV-Anlage kommunizieren kann. „Außer in Bremen haben wir in jedem Bundesland eine Kraftkiste verbaut“, sagt Jan Wartmann stolz. Die Gründer kennen alle 1000 Seiten an Vorschriften, die berücksichtigt werden müssen und wissen, wie man die Anträge richtig einreicht. Das spart Zeit und Geld der Kunden. In der TechBase arbeiten rund 90 Mieter mit 330 Beschäftigten. Im Biopark, der Biotechnologie, Medizintechnik, Diagnostik und Analytik fördert, sind 35 Mieter mit 676 Mitarbeitern tätig.

Mit Kollegen hat David Ofner 2019 Evanium im Biopark gegründet. Das Startup entwickelt Technologien, um Pflanzenstoffe und Extrakte für den Menschen besser verfügbar zu machen. Denn hier liegt oft das Grundproblem für die Verwendung natürlicher Wirkstoffe in Medikamenten, Kosmetika oder Nahrungsergänzungsmitteln: Der Körper kann gut zwei Drittel der Pflanzenextrakte kaum aufnehmen, bis zu 99 Prozent der Substanz verlassen ihn ungenutzt. Evanium hat ein Botensystem entwickelt, das dieses Dilemma löst.

Pharmafirmen greifen zu

Die Firma mit zehn Mitarbeitern hat die Vollzeitstellen ausgebaut und die Laborflächen verdoppelt. Nun bereiten die Gründer den Marktstart vor und kooperieren dafür mit etablierten, mittelständischen Pharmaunternehmen. „Im dritten Quartal sollen zwei Produkte von uns auf den Markt kommen“, kündigt David Ofner (25) an. Zugleich ist Evanium erneut auf Kapitalsuche.

Die Startups sind flexibel, weichen auf neue Produkte aus, wenn Aufträge aus der kriselnden Autoindustrie wegfallen. Emgenics in der TechBase mit Geschäftsführer Matthias Bauern hat einen Einbruchssensor für das Haus entwickelt, der vor der Markteinführung steht. Die Aufträge aus der Autoindustrie wurden im Herbst 2024 gestoppt. Ähnlich war es bei Rockstardevelopers. Die Softwarespezialisten haben Projekte für Porsche, BMW und die Bundesdruckerei verwirklicht. Jetzt fehlt das Geld – und die Firma mit Chef Thomas Huhn hat eine Bewerbungs-KI als Geschäftsidee entwickelt.

TechBase-Geschäftsführer Alexander Rupprecht sagt, in den rund 25 Jahren seit Eröffnung des IT-Speichers und dann der Base seien 250 Startups betreut worden. Überlebt haben 65 Prozent.

IOPARK

Einige der Gründungen gehören mittlerweile zu Global-Playern auf dem Weltmarkt. Heute werden hier zum Beispiel innovative Therapieverfahren,

und chemisch optischer Mikrosensoren entwickelt.

Treiben die Computersicherheit für Mittelständler voran: Dr. Philip Empl (l.) und Markus Hornsteiner von Complioty
Seine Produkte gehen auf den Markt: David Ofner von Evanium