Schieders letzte Tage als MdB: SPD-Frau aus dem Kreis Schwandorf verfehlt Wiedereinzug in Bundestag

Von Jan Lange · 23. Februar 2025 um 22:49

Es war ein bitterer Wahlabend für Marianne Schieder. Die SPD-Politikerin gehört dem Bundestag künftig nicht mehr an. Es reichte weder für ein Direktmandat, noch für den Einzug über die SPD-Landesliste. Hatte sie vor vier Jahren 27,3 Prozent der Erststimmen im Landkreis Schwandorf geholt, waren es diesmal nur 16,1 Prozent. Für Schieder war dies keine Überraschung.

Für die Genossen des SPD-Kreisverbandes Schwandorf gab es am Sonntag keinen Grund zu feiern. Die Ergebnisse aus den Wahllokalen, die nach und nach eingingen, waren zu ernüchternd. In vielen Orten lag Marianne Schieder, die knapp 20 Jahre dem Bundestag angehörte, weit hinter Englhardt-Kopf (CSU) und Mixl (AfD).

Selbst in ihrer Heimatgemeinde Wernberg-Köblitz landete Schieder weit abgeschlagen hinter der CSU-Kollegin, aber immerhin vor dem AfD-Mann. Vor vier Jahren lag die SPD-Politikerin hier noch knapp neun Prozent vor Martina Englhardt-Kopf. Schon mit dem ersten Ergebnis aus Wernberg-Köblitz – im Wahllokal Feuerwehr Saltendorf war 18.30 Uhr alles ausgezählt – deutete sich die klare Niederlage an.

Ein paar Vertraute um sich versammelt

Die MdB hatte am Sonntag einige enge Vertraute in ihr Bürgerbüro in Wernberg-Köblitz eingeladen. Der Kreis der Genossen blieb überschaubar. An Schieders Seite verfolgten unter anderem Armin Schärtl, ehemaliger Bürgermeister von Nabburg, Nittenaus Altbürgermeister Karl Bley und SPD-Kreisvorsitzender Peter Wein das Abschneiden der Sozialdemokraten.

Und für die Ergebnisse fanden die anwesenden Genossen klare Worte. Sie seien „deprimierend und frustrierend“, kommentierte Schärtl. Auch für Peter Wein waren die Ergebnisse „sehr bitter“. Sie hätten sich aber angedeutet, meinte der SPD-Kreisvorsitzende.

Schieder selbst zeigte sich gelassener. Dass sie das Direktmandat gewinnen würde, sei „relativ unwahrscheinlich“ gewesen. Es sei vorher klar gewesen, dass es schwierig werde, so die SPD-Abgeordnete. Es gebe „Schlimmeres im Leben“, als aus dem Bundestag auszuscheiden. Es sei zwar schön, wenn man „mitgestalten und mitentscheiden“ könne, so Schieder. „Aber wenn es nicht mehr ist, dann ist es eben nicht mehr“, blickte die 62-Jährige auf ihre lange parlamentarische Erfahrung zurück. Sie „finde es nur schade für den ländlichen Raum“, meinte Schieder, die sich nach eigener Aussage immer als dessen Vertreterin verstanden habe.

Verärgert über Platzierung auf Landesliste

Dass Schieder – im Gegensatz zu 2021 – auch keine Chance hat, über die SPD-Liste in den Bundestag einzuziehen, ärgert die SPD-Kollegen. „Im Wahlkreis kann niemand verstehen, warum die Bayern-SPD eine so kompetente und erfahrende MdB auf den 24. Platz der Landesliste gesetzt hat“, ärgerte sich Peter Wein. Auch Armin Schärtl fand, dass der „aufgezwungene Abgang ihrer nicht würdig“ sei.

Der SPD-Kreischef lobte Schieder Wahlkampf, der trotz der aussichtslosen Lage „sehr engagiert“ gewesen sei. Er zolle ihr Respekt dafür, dass sie sich „bis zur Grenze der eigenen Gesundheit reingehauen“ habe. Schieder gab das Lob gern zurück. Im Landkreis Schwandorf habe sie eine „tolle Unterstützung“ bekommen. Man habe alles gegeben im Wahlkampf.

Schieder räumte aber ein, dass der Winterwahlkampf nicht schön gewesen sei. Erst am vorigen Mittwoch habe sie in Maxhütte-Haidhof bei eisigen Temperaturen um Stimmen geworben. „Da denkst du dir, du wirst zum Eiszapfen.“ Ob der Einsatz in Maxhütte-Haidhof bei Minusgraden etwas gebracht hat, lässt sich kaum nachweisen. In der drittgrößten Stadt im Landkreis landete sie ebenfalls weit hinter ihren Mitbewerbern von CSU (36,3 Prozent) und AfD (28,5 Prozent) auf dem dritten Platz (17,4 Prozent).

Marianne Schieder will Kreisrätin bleiben – und 2026 erneut antreten

Wer aber denkt, dass mit dem Ausscheiden aus dem Bundestag auch die politische Karriere von Marianne Schieder beendet ist, der irrt. „Ich werde nicht aufhören, Politik zu machen“, versicherte die SPD-Frau. Sie gehöre weiterhin dem Kreistag von Schwandorf und auch dem Marktrat von Wernberg-Köblitz an – und wolle im nächsten Jahr erneut für beide Gremien antreten. Auch Vorsitzende des SPD-Unterbezirks wolle sie bleiben, kündigte Schieder an. Kreischef Wein wolle seine Parteifreundin bei einer erneuten Kandidatur „in jedem Fall unterstützen“, wie er am Sonntag erklärte.

Doch erstmal muss Schieder in Berlin einiges regeln. Bereits am heutigen Montag treffe sich der Fraktionsvorstand, dem sie ja noch angehöre. Am Dienstag kommen dann die Fraktionsgremien zusammen – auch mit den ausgeschiedenen Abgeordneten. Sie werde diese Woche auch schon damit anfangen, ihr Bundestagsbüro zu räumen.

Diskutierten über das Abschneiden ihrer Partei: Nabburgs früherer Bürgermeister Armin Schärtl und sein Nabburger SPD-Kollege Werner Pscheidl (v. l.). Foto: Jan Lange