AfD-Ergebnis trübt Jubel bei der CSU: Susanne Hierl verteidigt Direktmandat – AfD ist zweitstärkste Kraft

Susanne Hierl wird wohl auch weiterhin den Wahlkreis Amberg-Neumarkt in Berlin vertreten. Mit einem starken persönlichen Ergebnis und einem hohen Ergebnis für die CSU insgesamt dürfte sie das Mandat erneut in der Tasche haben.
Damit liegen der Landkreis Neumarkt und die Wahlkreis insgesamt im Bundestrend: Die Union gewinnt, ebenso die AfD, auch Linke und BSW können punkten. Eine schwere Schlappe muss hingegen die SPD verkraften.
Susanne Hierl: Persönliches Ergebnis noch verbessert
Als um 18 Uhr die ersten Hochrechnungen im Fernsehen gezeigt wurden, war es bei der CSU in der „Alten Kaserne“ in Amberg mucksmäuschenstill. Jubel sieht anders aus. In einer ersten Reaktion zeigte sich Susanne Hierl (CSU) erleichtert, dass die Union stärkste Kraft geworden ist. Allerdings: „Ich bin schon ein bisschen enttäuscht, dass die Unionsparteien unter 30 Prozent liegen.“
„Das ist nicht nur mein Ergebnis, sondern unser Ergebnis.“ Susanne Hierl, CSU
Deutlich euphorischer war die Stimmung, als Hierl einige Zeit später auf der Wahlparty der CSU in Neumarkt ankam. Denn es zeichnete sich ab, dass sie ihr persönliches Ergebnis von der vergangenen Wahl deutlich würde steigern können. Lauter Jubel brandete auf. „Das ist nicht nur mein Ergebnis, sondern unser Ergebnis“, rief sie ihren Unterstützern zu. Das Ergebnis der AfD im Landkreis trübte bei vielen der anwesenden Christsozialen die ansonsten gute Stimmung.
AfD-Kandidat glaubt an baldige Neuwahlen
„Es ist sensationell“, freut sich Peter Boehringer, Direktkandidat der AfD, über sein Ergebnis im Wahlkreis Amberg-Neumarkt wie in Deutschland insgesamt. Mit seinem persönlichen Ergebnis sei er sehr zufrieden. Nach den 10,4 Prozent bei der Wahl 2021 habe er die Stimmen jetzt fast verdoppelt. „Ich würde mir auch wünschen, dass wir das Ergebnis im Bundesschnitt noch schlagen“, sagte Boehringer am Abend, als die genauen Zahlen für Amberg-Neumarkt noch nicht feststanden. Das klappte am Ende nicht ganz, es blieb bei 21 Prozent für die AfD im Landkreis – ein Plus von 11,2 Prozent. Über die Landesliste schafft er es erneut in den Bundestag.
„Die nächste Bundestagswahl wird nicht erst 2029 sein.“ Peter Boehringer, AfD
Den Wahlabend verbrachte Boehringer nicht im Wahlkreis, sondern bei der zentralen Wahlveranstaltung der AfD in Berlin. Dort macht er sich bereits Gedanken über mögliche Koalitionen und glaubt, dass die Wähler schon bald wieder zu den Urnen gerufen werden: „Bundesweit wird es jetzt spannend. Die nächste Bundestagswahl wird nicht erst 2029 sein.“ Zwar habe die Union diese Wahl gewonnen, er glaubt aber, dass sie in einer Zweier-Koalition nichts umsetzen könne.
David Mandrella: Enttäuschung der Wähler mit der SPD
Ein enttäuschter David Mandrella war am Wahlabend im Amberger SPD-Büro anzutreffen. Dass die SPD nicht mehr habe herausholen können als die Umfragewerte zuvor ergeben hatten, müsse man akzeptieren. Jedoch ziehe man im Wahlkampf ja los, um genau diese Umfragewerte noch zu drehen. Das sei nicht gelungen. Er habe in den vergangenen Wochen im Wahlkampf auf der Straße und an den Haustüren eine große Enttäuschung der Wähler mit der SPD wahrgenommen.
„Friedrich Merz hat in den letzten Wochen Grenzen überschritten – das hat Vertrauen gekostet, das erst wieder zurückgewonnen werden muss.“ David Mandrella, SPD
Im Hinblick auf mögliche Regierungskoalitionen – zum Beispiel mit der Union – sagt Mandrella: „Friedrich Merz hat in den letzten Wochen Grenzen überschritten – das hat Vertrauen gekostet, das erst wieder zurückgewonnen werden muss.“ Hätte er Einfluss darauf, würde er den Parteispitzen empfehlen, nicht in einer Koalition mitzuwirken, die Kürzungen von Sozialleistungen vorsieht.
Grüne: Stimmen an zuletzt erstarkte Linke verloren
Piet Gürtler von den Grünen erklärte, er sei froh, dass seine Partei nicht in dem Maße abgestraft worden sei wie die anderen Parteien aus der Ampel-Koalition. Das führt er darauf zurück, dass die Grünen nach dem Bruch der Ampel nicht gleich in den Wahlkampf-Modus geschaltet hätten – „sondern weiter ihre Arbeit gemacht haben“. Dennoch glaubt er, dass die Grünen einige Stimmen an die zuletzt erstarkte Linke verloren haben könnte.

