Jubel bei Linken, Nervosität bei der FDP – für den Neumarkter Nils Gründer reicht es wohl nicht

Verschiedene politische Ansichten, gleiches Leid – das Zittern um die Fünf-Prozent-Hürde erlebten am Wahlabend in Neumarkt gleich mehrere Parteien. Und nicht bei allen wurde noch am Abend klar, ob sie den Sprung in den Bundestag sicher geschafft haben.
Eine Achterbahnfahrt von der Regierungspartei zum Wackelkandidaten ist der Abend für Nils Gründer (FDP). Nach den ersten Hochrechnungen, die die FDP bei 4,9 Prozent (ARD) oder 5,0 Prozent (ZDF) sahen, ist der 27-Jährige bei der Wahlparty in seinem Büro in der Klostergasse „sehr optimistisch, dass wir die Fünf-Prozent-Hürde noch überspringen“. Zur Einordnung: Bei der letzten Bundestagswahl im Jahr 2021 hatte die FDP ein Ergebnis von 11,5 Prozent eingefahren. Zuletzt hatte die FDP mit 4,8 Prozent im Jahr 2013 ein ähnlich schlechtes Ergebnis wie dieses Mal hingelegt und es nicht in den Bundestag geschafft. Doch selbst wenn die FDP es heuer doch noch schaffen sollte, ist für Gründer längst nicht sicher, ob er Abgeordneter bleiben wird.
Nils Gründer fuhr noch am Abend nach Berlin
Der Listenplatz sieben sei zwar sehr gut, bei fünf Prozent werde es aber wohl nicht ganz reichen, mutmaßt Gründer. Noch am Abend wollte er zurück nach Berlin – dort sollten am frühen Montagmorgen die ersten Gespräche starten. Sollte das Endergebnis das Aus für seine Bundestagskarriere besiegeln, so will Gründer erst einmal die Gedanken sortieren, ehe er sich an Zukunftspläne macht. Der Wahlkampf sei sehr anstrengend und gesundheitlich herausfordernd gewesen.
Auf der sicheren Seite dürfte die Linke sein. Nach den ersten Hochrechnungen lag sie bei 8,5 Prozent (2021: 4,9 Prozent). „Wir sind wahnsinnig begeistert“, sagt Marco Winkler, der Direktkandidat der Linken, bei der Wahlparty seiner Partei im Restaurant Thai Orchid in Neumarkt. Das Ergebnis sei unglaublich, findet er. „Vor allem, weil wir als Underdog gestartet sind.“ Die Stimmung war dementsprechend euphorisch bei den Linken in Neumarkt.
Linke freut sich: „Strategie scheint aufgegangen zu sein“
Elfie Albert, die stellvertretende Kreisvorsitzende in Neumarkt, überreichte Winkler als Dankeschön einen Blumenstrauß. „Ich bin die Älteste im Kreisverband, Marco der Fleißigste“, sagte Albert, ehe die rund zehn Mitglieder, die in das Thai Orchid gekommen waren, applaudierten. „Unsere Strategie scheint aufgegangen zu sein“, freut sich Winkler. „Wir erreichen Menschen mit der sozialen Gerechtigkeit und unseren Themen.“
Freude beim BSW – Partei soll weiter aufgebaut werden
Freude und Erleichterung herrschten nach der ersten Prognose bei der Unterstützergruppe des Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW). Wenn es bei den fünf Prozent der ersten Hochrechnung bleibt, habe sich der Einsatz der kleinen Gruppe gelohnt, finden Stephan Krüger und Mandy Lutz. „Das ist spannender als jeder Tatort“, sagt Initiator Krüger. Er hofft, dass es bei diesem „schönen Ergebnis“ bleibt, wenngleich es im Landkreis Neumarkt nur 2,7 Prozent sind. Bei der kleinen Wahlparty des BSW in Restaurant Anemos in Neumarkt stellte man sich auf einen langen und spannenden Wahlabend ein.
Keine zwei Minuten vergehen nach der ersten Prognose, da werden bereits die möglichen Koalitionen ausgelotet. Ob sie den Sprung in den Bundestag nun schaffen oder nicht – für die BSW-Unterstützer ist der Wahlabend bereits jetzt ein Erfolg, ist es doch die erste Bundestagswahl der neuen Partei. Nun wollen sie den Aufbau des Ortsvereins Neumarkt vorantreiben. Das sei für die zweite Jahreshälfte geplant, erklärt Stephan Krüger.
Freie Wähler: Deutliches Minus bei Wählern im Landkreis Neumarkt
Die Freien Wähler (FW) haben den Einzug in den Bundestag auch dieses Mal verpasst. Für Hans Martin Grötsch keine große Verwunderung. „Es ist für mich eine persönliche Niederlage, dass wir nicht durchgedrungen sind.“ Allerdings habe man schon im Wahlkampf befürchtet, „unter die Räder zu kommen“ und mit Sachthemen nicht punkten zu können. Die Erfolge am linken und rechten Rand ließen Grötsch am Sonntagabend um die politische Mitte fürchten.
Im Landkreis schnitten die Freien Wähler schlechter ab als noch bei der Bundestagswahl 2021 – damals war als Direktkandidatin Daisy Miranda angetreten, die aus dem Landkreis stammt und vielen Menschen noch als Neumarkter Christkind bekannt war. Grötsch holte bei den Erststimmen im Landkreis Neumarkt 6,1 Prozent (minus 7,3), bei den Zweitstimmen lagen die Freien Wähler bei 6,4 (minus 4,1).
