Ein Deutschland-Jahr, als Muss oder als Angebot: Das sagen Kelheims Kandidatinnen und Kandidaten

Neben den Hauptthemen Migration und Wirtschaft gibt es zur Wahl weitere wichtige Themen. Ob der Wehrdienst wieder eingeführt wird, bzw. allgemein ein „Pflichtjahr“, interessiert Jung und Alt. Was halten die elf Direktkandidatinnen und -kandidaten von der Idee, und wen würden sie gegebenenfalls dafür heranziehen? Hier ihre Antworten.
• Nicole Bauer, FDP: Unsere Jugend hat während Corona schon genug gelitten. Bevor man über Zwangsdienste fabuliert, sollte man sich fragen, ob unsere Kasernen überhaupt die Infrastruktur für so viele Wehrdienstleistende haben – Experten bezweifeln das. Statt Zwang lieber Anreize! Ein freiwilliges soziales Jahr oder Wehrdienst könnte attraktiver werden, etwa durch Rentenpunkte. Eigenverantwortung statt Bevormundung!
• Mascha Buchwald, Linke: Ich lehne ein Pflichtjahr ab – ob in der Pflege oder beim Wehrdienst. Junge Menschen dürfen nicht als billige Arbeitskräfte herhalten, um Personalmangel zu kaschieren. Wer dienen will, soll sich freiwillig und unter fairen Bedingungen entscheiden können. Statt Zwangsdiensten brauchen wir gut bezahlte Fachkräfte mit einer professionellen Ausbildung, besonders im sozialen Bereich.
• Peter Dreier, Freie Wähler: Ein allgemeines Pflichtjahr nach der Schule, unabhängig vom Geschlecht, wäre sinnvoll - mit Wahlmöglichkeit, ob Grundwehrdienst oder soziales Engagement. V.a. Pflege sollte man fördern. Junge Menschen lernen so Berufsfelder kennen, die sie sonst wohl nicht erwogen hätten. Alle, die im sozialen Bereich bleiben, sind ein Gewinn – und Grundkenntnisse können bei etwaigem Pflegebedarf in der Familie helfen.
• Elena Fritz, AfD: Viele junge Menschen im Landkreis sehen kaum Perspektiven, während Handwerk und Pflege dringend Nachwuchs benötigen. Die Insolvenz von Kelheim Fibres zeigt, wie sehr hohe Energiepreise und Standortnachteile unserer Wirtschaft schaden. Ich setze mich für eine industrie- und mittelstandsfreundliche Politik ein und befürworte eine allgemeine Dienstpflicht in Bundeswehr, Pflege oder Katastrophenschutz.
• Florian Geisenfelder, Bayernpartei: : Ich persönlich finde ein soziales Pflichtjahr - in welcher Art auch immer - nicht schlecht, um der Jugend Solidarität und den Dienst an der Öffentlichkeit zu lernen. Ich würde wegen dem Gleichheitsprinzip keine Ausnahmen machen und alle heranziehen.
Eine Übersicht zu allen Kandidatinnen und Kandidaten sehen Sie hier: Sechs Frauen und fünf Männer wollen künftig Kelheim und Landshut im Bundestag vertreten
• Gertraud Götz-Volkmann, MUT: Ich bin gegen die (Wieder-)Einführung des Wehrdienstes, ein soziales Jahr wäre aus meiner Sicht wesentlich zielführender.
• Max Huber, ÖDP: Auf unsere jungen Leute kommen aufgrund des demografischen Wandels und der kurzsichtigen Politik der Vergangenheit enorme Belastungen zu. Ein Pflichtjahr lehne ich daher ab. Die bestehenden Freiwilligendienste sind so zu gestalten, dass sie für Menschen jeglichen Alters attraktiver werden. Künftige Kriege werden von IT-Spezialisten geführt, nicht von Soldaten. Um die Verteidigungsbereitschaft zu erhöhen, ist Investieren in gute Bildung nötig.
• Andreas Janker, Volt: Volt will eine europäische Armee mit einheitlicher Ausrüstung, Taktik und Beschaffung aufbauen, um Kosten zu senken und die Verteidigungsfähigkeit zu stärken. Die Förderung der Reserve durch bessere Ausstattung, regelmäßige Übungen und Flexibilisierung der Personalstrukturen soll eine freiwillige Beteiligung attraktiver machen. Volt setzt auf Anreize statt verpflichtende Dienstzeit.
• Anja König, SPD: Ich lehne ein Pflichtjahr entschieden ab! Junge Menschen brauchen echte Perspektiven, keine Zwangsdienste. Stattdessen muss der Staat freiwilliges Engagement fördern: mit fairer Bezahlung, Anerkennung für Studium und Ausbildung und besseren Arbeitsbedingungen in sozialen Berufen. Wer sich engagiert, soll das aus Überzeugung tun – nicht aus Zwang!
• Maria Krieger, Grüne: Ich unterstütze ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr für Frauen und Männer ab 18 Jahren oder nach der Schulausbildung. Dabei sollte freistehen, ob dieses im sozialen Bereich, im Zivilschutz oder bei der Bundeswehr geleistet wird. Unsere Gesellschaft ist polarisiert wie nie, der Zivilschutz gewinnt an Bedeutung. Ein Gesellschaftsjahr schafft Erfahrungen und fördert unseren Zusammenhalt.
• Florian Oßner, CSU: Volle Zustimmung zu einem Dienstjahr für alle jungen Menschen, mit Entscheidungsfreiheit, ob an der Waffe oder im sozialen/ ehrenamtlichen Bereich. Ich war selbst Grundwehrdienstleistender. Es würde uns wieder verteidigungsfähiger machen, in der medizinischen Versorgung sowie Pflege die nötige Entlastung bringen und trägt zudem positiv zur Persönlichkeitsentwicklung bei.