TV-Quadrell mit Scholz, Merz, Habeck und Weidel: Auch zu viert ist eine allein

Eine Woche vor der Bundestagswahl treffen die Spitzenkandidaten von Union, SPD, Grünen und AfD aufeinander. Deutlich werden die Differenzen – zur Rechtsaußenpartei.
Vor dem TV-Studio in Berlin-Adlerhof herrschen Minusgrade. Die Unterstützer der Kanzlerkandidaten haben sich trotz der niedrigen Temperaturen draußen versammelt, die größte Gruppe stellen die Unions-Anhänger. Drinnen im Studio von RTL wird es dagegen schnell hitzig beim TV-Quadrell der Kanzlerkandidaten von Union, SPD, Grünen und AfD: Friedrich Merz, Olaf Scholz, Robert Habeck und Alice Weidel.
Schlagabtausch über „Fliegenschiss“-Zitat
Den ersten Schlagabtausch liefern sich die Kandidaten eine Woche vor der Bundestagswahl zum Thema Migration: Vor allem bei der Frage, ob AfD-Chefin Weidel Rechtsextreme wie Björn Höcke in ihrer Partei duldet, gehen Kanzler Scholz und CDU-Chef Merz sie synchron an. Beide werfen ihr das Zitat des ehemaligen AfD-Fraktionschefs Alexander Gauland über die Zeit des Nationalsozialismus als „Fliegenschiss der Geschichte“ vor. Weidel fühlt sich angegriffen, spricht von „skandalösen“ Vorwürfen und mahnt an, endlich über Inhalte zu sprechen.
Die Mahnung läuft ins Leere, denn alle vier haben ihre Konzepte zur Begrenzung der irregulären Migration zuvor dargelegt. Kanzler Scholz lobt die Fortschritte bei Abschiebungen, die unter der Ampel-Regierung erreicht wurden; Habeck betont, dass Deutschland nicht im Alleingang gegen die Europäische Union handeln dürfe. Merz erklärte, er wolle Zurückweisungen an der Grenzen, Weidel will diese sofort schließen und mit Grenzpolizisten absichern. Wie viel Polizisten es dafür bräuchte, dieser Frage geht die AfD-Chefin aus dem Weg.
Kandidaten fallen sich häufig ins Wort
Bereits nach der ersten Themenrunde stellt sich heraus, dass die Erweiterung des Formats auf die vier Spitzenkandidaten zwar angesichts der Umfragen gerecht sein mag, für den Zuschauer bleibt der Austausch wenig erhellend. Häufig fallen sich die Kandidaten ins Wort, Habeck wirft Weidel immer wieder vor, zu lügen, etwa bei den Steuervorhaben der AfD oder der Bewertung der Ukraine-Politik. Er verweist auf den Faktencheck, er habe keine Zeit, das alles richtig zu stellen, was Weidel da erzähle.
Merz und Scholz stellen die AfD-Chefin dagegen direkt. „Sie haben gerade einen entlarvenden Satz gesagt“, sagt Merz über eine Aussage Weidels, dass Deutschland in Russlands Augen nicht mehr neutral sei. „Ich möchte klarstellen: Wir sind nicht neutral. Wir stehen an der Seite der Ukraine“, wurde Merz deutlich. Er stehe dafür, „dass Sie niemals politische Verantwortung übernehmen“, sagt er an Weidel gerichtet.
Beim Thema Wirtschaft geht Scholz die AfD-Politikerin hart an: „Sie haben keinen Vorschlag gemacht, um die Deindustrialisierung aufzuhalten“, sagt Scholz. „Nur heiße Luft. Sie wollen die Stromrechnung der Unternehmen auf Kosten des Staates zahlen. Super Konzept.“ Weidel antwortet: „Für wen wollen Sie hier eigentlich Werbung machen?“ Scholz: „Nicht für Sie, das ist ziemlich offensichtlich.“ Der Kanzler zeigt sich angriffslustig, wie einer, der nichts mehr zu verlieren hat.
Deutlich wird schnell: Gegen die AfD sind sich die drei anderen Kanzlerkandidaten einig. Die Parteien der Mitte finden nach den Wochen der Entfremdung zumindest verbal wieder zueinander. Das erkennt Scholz sogar an anderer Stelle, beim Wohnungsbau, an: Man sei sich einig, dass mehr gebaut werden müsse, die Bürokratie abgebaut und die Anreize erhöht werden müssen. Bei der Mietpreisbremse gehen die Vorstellungen zwar auseinander, bei der Altersvorsorge und dort auf Aktienrente zu setzen, sieht sich Habeck nah an der Union dran.
Habeck hadert – Scholz gibt Privates preis
Habeck hadert vor allem mit den Fragen der Moderatoren Pinar Atalay und Günther Jauch. Die wollen unter anderem wissen: „Lieber Opposition oder Dschungelcamp?“ und kommentieren dann trocken, dass man ja bei RTL sei. Während Merz zwar auch klagt, antwortet er dann doch: „Lieber Jahrzehnte in der Opposition als zehn Tage im Dschungelcamp.“ Hervor hebt sich Scholz mit seiner Aussage: „Ich will auch nicht ins Dschungelcamp, aber ich hab schon mal geguckt.“ „Wenigstens einer“, zeigt sich Atalay zufrieden.