Regensburg feiert die asiatische Küche: „Es schmeckt einfach super“

Immer mehr Fernost-Lokale ziehen in der Domstadt Gäste an. Warum sind Sushi und Currys in Regensburg so beliebt?
In der Stadt eröffnen laufend fernöstliche Lokale. Am Fischmarkt etabliert das Restaurant Yakumi ein zweites Standbein. Im früheren Ratskeller kocht bald die indische Familie Dhoat. Die Touristik-Website Tripadvisor empfiehlt 31 asiatische Küchen, vom Sushi-Spezialisten bis zum Fusion-Lokal, das die Stile mischt.
Bei Miss Hong in der Rote-Stern-Gasse sitzen am Donnerstagnachmittag Köche, Spüler und Servicemitarbeiterinnen an einer langen Tafel und essen. Schüsseln mit gebratenem Spitzkohl, Soßen und Calamari verteilen sich auf dem Tisch. Der mittägliche Ansturm der Gäste ist vorbei. Drei junge Frauen haben ihre Teller fast geleert und ein älteres Paar möchte zahlen.
Chefin Hu Hong kassiert, dann nimmt sie sich Zeit. „Jetzt im Moment gibt es zu viele asiatische Lokale in Regensburg“, sagt die 41-Jährige in fast perfektem Deutsch. 2017 hat sie zusammen mit ihrem Mann Ming Chian (42) das kleine Restaurant eröffnet. Damals habe es nur zwei oder drei Sushi-Lokale gegeben. „Heute haben wir so viel Konkurrenz, aber es läuft sehr gut“, sagt die Chinesin.
„Alles muss frisch sein“
Dass immer mehr Regensburger die asiatische Küche lieben, bestätigt sie. Hong freut sich über viele Stammkunden. Vegetarisches Sushi, die japanische Nudelsuppe Ramen, Ente mit Reis und japanische Reisbowl mit Salat und Tofu oder Huhn sind besonders gefragt. „Alles muss frisch sein. Das merkt man.“ Ihr Mann, der in China und Japan gelernt hat, steht am Herd. Den Sushi-Fisch bestellt sie ausschließlich bei einer Münchner Firma, die Qualität liefere. Hong zeigt das Angebot auf dem Handy. Der Reis dürfe nicht hart oder trocken sein. Gekocht wird immer erst nach der Bestellung der Gäste, nicht Stunden vorher. Hu Hong steht nie selbst am Herd. Auch für die Familie kocht ihr Mann. Im Rice Corn in der Obermünsterstraße holt Birgit Preuschl Sushi ab. „Es ist eine leichte Küche. Wenn ich in Regensburg bin, gehe ich immer hierher“, sagt die Bernhardswalderin (57). Gewöhnlich isst sie im Restaurant, am Donnerstag aber hat die Heilpraktikerin wenig Zeit, deshalb nimmt sie das Sushi mit. Preuschl versucht, sich gesund zu ernähren. „Es ist wichtig, dass man seinem Körper etwas Gutes gönnt.“ Im Lokal sind am Nachmittag noch fünf Tische besetzt. Die Gäste lassen sich Bowls schmecken. Kellner Duy Nguyen (25) sagt, Reisgerichte würden am häufigsten bestellt, etwa die Bowl mit Huhn und Erdnusssoße. Der Regensburger Philipp L. (30) findet, dass asiatisches Essen im Gegensatz zu Pizza und Co. gesund sei, außerdem extrem vielfältig und günstig, wenn man vegetarische Nudelgerichte wählt. „Und es schmeckt einfach super.“ Er ordert es gerne nach Hause, weil es frischer ankomme als Pommes und Burger.
Mit Döner angefangen
Astrid Donalies, Ökotrophologin beim Bundeszentrum für Ernährung, hält viel von Sushi mit seiner Kombination von Reis, Gemüse und Fisch. Für Sushiqualität müsse dieser aber direkt nach dem Fang mindestens für einen Tag bei minus 20 Grad tiefgefroren werden. Auch bei der asiatischen Küche komme es auf die Zusätze an. Mit frittierten Speisen nehme man zu viel Fett zu sich. Frisches, kurz gedünstetes Gemüse dagegen bewertet die Ernährungsspezialistin als „positiv“. Donalies ist überzeugt, dass die Liebe zur Asienküche mit dem Reisen zu tun hat. „Man holt sich ein Stück Urlaub auf den Tisch.“ Knapp vier Prozent der deutschen Urlauber sind im Vorjahr laut Statista nach Fernost geflogen.
Geschäftsführerin Andrea Kramer von der Dehoga Oberpfalz verweist auf die Anstrengungen des Hotel- und Gaststättenverbands, vietnamesische Gastro-Arbeitskräfte nach Regensburg zu holen. Deshalb könnten so viele Asien-Restaurants erfolgreich arbeiten. Vietnamesische und deutsche Kultur seien „kompatibel“.
Das Cô Hà Am Wiedfang hat vor einem Jahr aufgesperrt und ist oft ausgebucht. Die Gäste stellten sich gerne ihre Gerichte selbst mit Udon-, Pad-Thai- oder Eiernudeln, hausgemachten Soßen und Tofu oder Fleisch zusammen, erlebt Sophia Weithmann (42), angeheiratetes Mitglied der Betreiberfamilie. Die Eltern ihres Mannes haben vor zwei Jahrzehnten das Ha Tien in der Unteren Bachgasse gegründet. Angefangen haben sie mit Döner. Nach und nach haben sie auch asiatische Speisen serviert – mit Erfolg bis heute.
Gesund mit Soja
Ernährung: Ökotrophologin Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sagt, die asiatische Küche sei reich an Gemüse und Früchten, so dass man den Bedarf an Vitaminen, Mineralstoffen und Ballaststoffen decken könne. Der weiße, polierte Reis enthält aber deutlich weniger B-Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente als parboiled Reis und Naturreis. Die meist enthaltenen Sojabohnen sind reich an Ballaststoffen, B-Vitaminen, Vitamin E, Kalium, Kalzium, Eisen. Sie werden verarbeitet als Tofu, Sojamilch, Edamame, Miso oder Soße.
Zubereitung: Garen im Wok und Pfannenrühren sind nährstoffschonend – nicht aber Frittieren. Die Asienküche helfe, Übergewicht, Herz-Kreislauf-Leiden, Bluthochdruck und Diabetes zu verhindern.
