In fünf Jahren kaum genutzt: Defekte Ladesäule in Bad Kötzting wird nicht mehr ersetzt

Von Christina Hainzinger-Feigl · 17. Februar 2025 um 05:00

Schnellere Fortschritte beim Ausbau des Ladenetzes für Elektroautos: Das hat ADAC-Präsident Christian Reinicke – unter anderem – dieser Tage in einem Interview gefordert. Bad Kötzting hat seit drei Monaten eine Ladesäule weniger: Ende November wurde die Station beim Gesundheitscampus in der Landshuter Straße 1 abgebaut.

Matthias Knöller, Unternehmenssprecher der Mer Germany GmbH (vormals E-Wald), hat auf Nachfrage unseres Medienhauses bestätigt: Die Station war defekt. Einen Ersatz wird es aber nicht geben.

Mer betreibt im Altlandkreis Kötzting mehrere öffentliche Ladestationen, darunter vier Ladepunkte beim Aqacur. Das Unternehmen war auch Betreiber der Station in der Landshuter Straße, Eigentümer war die Technische Hochschule (TH) Deggendorf, die dort den Gesundheitscampus betreibt. Die Liegenschaft selbst in der Landshuter Straße gehört dem Landkreis Cham. Weder die TH noch der Landkreis planen, die Station zu ersetzen.

Station war projektfinanziert

„Aktuell ist von Seiten des Landkreises an diesem Standort keine Ladesäule geplant“, informiert Landkreis-Pressesprecher Fabian Koller. Auch die TH will die Station nicht ersetzen, sagt Dr. Stefanie Duarte Fernandes, Leitung Rechtsangelegenheiten und Liegenschaften an der TH. Die Installation der Ladesäule sei projektfinanziert gewesen, „jetzt gibt es kein Projekt“. Zudem sei die Station nicht viel genutzt worden: Seit Inbetriebnahme am 25. April 2019 seien lediglich 525 Kilowattstunden über den Ladepunkt in der Landshuter Straße von Autos geladen worden. Womöglich hängt die geringe Auslastung mit einem Umstand zusammen, den Duarte Fernandes erwähnt: Ob die Station für die Öffentlichkeit nutzbar war oder nicht, „darüber gehen die Meinungen auseinander“. Ihr sei nur eine kommerzielle App für Ladestationen bekannt, die die Säule beim Gesundheitscampus als öffentlich anzeigte.

Wussten also zu wenige E-Auto-Besitzer, dass sie beim Gesundheitscampus Strom tanken konnten? Denn öffentlich war sie, und wird auch (immer noch) in der Ladesäulen-Liste der Bundesnetzagentur aufgeführt, bestätigt Matthias Knöller von Mer. Knöller spricht davon, dass die Listung der öffentlichen Ladepunkte durch die Bundesnetzagentur (siehe Infokasten) „grundsätzlich die beste kostenlos verfügbare Auflistung der Ladepunkte in Deutschland“ darstelle.

Mehr Transparenz bei den Ladepreisen für Elektroautos: Auch das hat ADAC-Präsident Reinicke in dem genannten Interview mit der Funke-Mediengruppe gefordert. „Wir brauchen dringend eine Vergleichbarkeit von Preisen, so wie wir das auch beim Tanken kennen.“ Matthias Knöller weist darauf hin, man sei „keineswegs frei in der Preisgestaltung an den Ladesäulen. „Selbstverständlich unterliegen wir dem Wettbewerbsrecht (...). Darüber hinaus halten wir uns an die für den Endverbraucher geltenden Regeln wie die Preisangabenverordnung oder das Eichrecht.“

Die meisten Ladestationen im Altlandkreis sind sogenannte Normallade-Einrichtungen. Schnelllade-Stationen gibt es nur an vier Standorten im Altlandkreis: beim Mittelbayerischen Rehabilitationszentrum in Bad Kötzting (Betreiber Citywatt GmbH), beim Autohaus Silberbauer in Bad Kötzting, in Matzelsdorf (Betreiber Mer) und bei der Tankstelle in Arrach (Betreiber BP Europa). Der Mer-Unternehmenssprecher erklärt das so: „Die Verteilung unserer Ladestationen in der Region basiert auf gewachsenen Strukturen mit bestehenden Partnern. Daher betreiben wir derzeit nur eine Schnelllade-Einrichtung in Matzelsdorf.“

„Nicht unterversorgt“

Ein Ladepunkt weniger im Altlandkreis Kötzting: Reißt das ein Loch in das hiesige Ladenetz? Aus Sicht des Betreibers Mer „ist der Altlandkreis nicht unterversorgt“. Matthias Knöller erklärt das so: „Hinsichtlich des Alltagsnutzens werden unseren Erfahrungen nach gerade im ländlich geprägten Raum E-Fahrzeuge in der Regel zu Hause oder am Firmenstandort vollgeladen, sodass bei heutigen Reichweiten die Grenzen des Altlandkreises schnell verlassen werden. Für Urlaubsgäste bieten zahlreiche Hotels bereits Lademöglichkeiten an.“

Übrigens: Wie sehr die anderen Wallboxen von Mer Germany im Altlandkreis genutzt werden, will das Unternehmen nicht öffentlich kommunizieren, sagt Knöller. Anfragen für weitere Ladestationen im Altlandkreis Bad Kötzting gebe es im Moment nicht. „Sollten sich hier passende Möglichkeiten ergeben, kann sich dies jedoch ändern.“

Die Liste der öffentlichen Ladepunkte der Bundesnetzagentur

Anzeigepflicht: Betreiber öffentlich zugänglicher Ladepunkte müssen die In- und Außerbetriebnahme der Ladepunkte gegenüber der Bundesnetzagentur nach der Ladesäulenverordnung anzeigen. Diese öffentlich zugänglichen Ladepunkte werden von der Bundesnetzagentur in Form der „Liste der Ladesäulen“ und der „Ladesäulenkarte“ regelmäßig veröffentlicht, informiert Nadia Affani, Pressesprecherin der Bundesnetzagentur, auf Nachfrage unseres Medienhauses.

Ohne Anzeige: Es obliegt den Betreibern, der Anzeigepflicht nach der Ladesäulenverordnung mit der im Rechtsverkehr gebotenen Sorgfalt nachzukommen. Öffentlich zugängliche Ladepunkte, die der Bundesnetzagentur von den Betreibern entgegen ihrer Verpflichtung zur Anzeige nicht angezeigt worden sind, oder die Konformität mit den technischen Anforderungen der Ladesäulenverordnung noch nicht nachweisen konnten, sind in der Ladesäulenkarte nicht enthalten.

Privatpersonen: In der Liste der Ladesäulen sind auch Ladepunkte enthalten, die von Privatpersonen betrieben werden, da die Ladesäulenverordnung den Betrieb öffentlich zugänglicher Ladepunkte durch Privatpersonen nicht ausschließt. Die Privatperson, die einen öffentlich zugänglichen Ladepunkt betreibt, muss sicherstellen, dass der Ladepunkt tatsächlich öffentlich zugänglich nutzbar ist.

Eine Übersicht über öffentliche Ladesäulen in Deutschland – unterteilt nach Bundesländern, Landkreisen und kreisfreien Städten – findet man auf der Homepage der Bundesnetzagentur unter https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Fachthemen/ElektrizitaetundGas/E-Mobilitaet/start.html (unter Downloads und Formulare).

Die Ladestation am Gesundheitscampus wurde Ende November abgebaut.