Wenn Probleme für Freude sorgen – Aktion in Neustadt bringt Senioren und Jugendliche an einen Tisch

„Jugendliche engagieren sich immer weniger“. Schlagzeilen wie diese prägen das Bild von Jugendlichen in der Öffentlichkeit. Tatsächlich sieht die Realität oft ganz anders aus. Wobei ein Beispiel aus Neustadt a.d. Donau zeigt, wie es sein kann.
Vordergründig geht es bei dem Projekt „zusammen digital“ darum, dass sich vor allem ältere Menschen oft schwer tun mit Smartphones und Notebooks. Darüber hinaus geht es um alles mögliche, was sonst in der digitalisierten Welt wichtig ist. Ob Kontaktpflege, Bankgeschäfte oder der Kauf eines Fahrscheins – alle Bürgerinnen und Bürger benötigen digitale Grundkenntnisse, um am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Das bedeutet: Digitale Teilhabe bedeutet mehr denn je soziale Teilhabe.
Im Generationentreff gibt es dazu Hilfe – von Jugendlichen. Sie erklären den Senioren beispielsweise, wie man Fotos mit dem Handy aufnimmt und versendet, Mails schreibt oder eine WhatsApp-Gruppe gründet. Die Aktion ist – unabhängig vom Erwerb neuer Kenntnisse und Fähigkeiten in der digitalen Welt – ein Gewinn für beide Generationen, denn das Projekt „zusammen digital“ bringt sie einmal pro Woche an einen Tisch im Generationentreff: Sie lernen sich kennen und schätzen.
„Ich habe viel gelernt“
Die Jugendlichen sind begeistert. Als ihnen jetzt für ihr ehrenamtliches Engagement im „Storchenwirt“ Urkunden überreicht wurden, bekannte Schüler Michael Gietl (13): „Es war wundervoll.“ Ein Lächeln der Älteren, denen man geholfen habe, sagte Alanah Krammer (16), sei für sie die größte Belohnung gewesen. Und Emily Grimm (17) betonte: „Die Senioren haben uns viel gegeben.“
Bei „zusammen digital“ sei es um weit mehr als Nachhilfe in moderner Technik gegangen, sagten die Jugendlichen übereinstimmend. „Ich habe in dieser Zeit viel gelernt“, meint Michael Gietl und erklärt, es sei nämlich auch darum gegangen, dass man sich um andere Menschen kümmere und mit ihnen zusammenarbeite.
Die Arbeit der 20 Jugendlichen widerspricht gängigen Klischees, die es über Jugendliche gibt, wonach die Bereitschaft, gesellschaftliche Aufgaben zu übernehmen, gesunken sei. Das Engagement der Jugendlichen, die alle noch zur Schule gehen, ist kein Zufall. Alanah, Emily und Michael sind auch sonst gesellschaftlich aktiv. Michael Gietl stammt aus einer Familie, die „scho imma“ ehrenamtlich im Einsatz ist – nämlich bei der Neustädter DLRG. Alanah Krammer ist Schülersprecherin an der Anton-Balster-Mittelschule und hilft wie Emily Grimm bei der Spielwoche in den Sommerferien.
Bürgermeister Thomas Memmel erinnerte bei soviel Gemeinsinn anlässlich der Urkundenübergabe im „Storchenwirt“ an einen bekannten Satz: „Jeden Tag eine gute Tat.“
Mittel für soziale Teilhabe
Der Spruch, der vom Gründer der Pfadfinder-Bewegung, Robert Baden Powell, stammt, habe nichts von seiner Gültigkeit verloren. Wobei es nicht nur darum ginge, einem anderen Menschen zu helfen. „Das eigentliche Glück“, erklärte er den Jugendlichen, „findet ihr darin, dass ihr andere glücklich macht.“
Dass es dabei so ist, dass ausgerechnet eine Technik, die gemeinhin auch für den Unterschied zwischen Jung und alt steht, zum Miteinander unterschiedlicher Generationen führt, findet auch andernorts Anerkennung. Thomas Kupser vom JFF-Institut, das das Projekt in Zusammenarbeit mit dem bayerischen Digitalministerium organisiert, sagte: „Wir denken, digitale Teilhabe ist mittlerweile auch eine Voraussetzung für soziale Teilhabe.“
Harald Wintersberger, Rektor der Mittelschule, sieht das genauso. Er kennt die meisten Jugendlichen, die bei „zusammen digital“ im Einsatz sind und lobt sie. „Ich finde die Aktion klasse“, stellt er fest. „Ich habe selber Eltern, die über 80 sind. Da sehe ich, wie schwer sich diese Generation mit digitaler Technik tut.“
So viel Lob und Anerkennung freute auch Monika Weber, die das Projekt von Seiten der Stadt betreut und auf deren Initiative Neustadt sich erfolgreich für das Förderprogramm beworben hat. Und Michael Gietl meinte: „Ich hätte das auch ohne die Urkunde getan.“
