Vier Fragen an die Kandidatin Tina Winklmann – Sie will für die Grünen in den Bundestag

Von Mittelbayerische Zeitung · 10. Februar 2025 um 19:00

Tina Winklmann sitzt seit dieser Periode für die Grünen im Bundestag. Bei der anstehenden Wahl hat sie auf der Landesliste Platz 7 geholt und damit sehr gute Chancen wieder in den Bundestag einzuziehen. Der Direktkandidatin haben wir die gleichen vier Fragen gestellt wie ihren Mitbewerbern. Mit ihr starten wir unsere kleine Serie.

1. Wie lösen Sie das Migrationsproblem?

Die aktuelle Situation zeigt, dass wir dringend eine umfassende und nachhaltige Lösung brauchen. Die vergangenen Jahre unter CDU/CSU waren geprägt von kurzfristigem Krisenmanagement und Schnellschüssen, statt langfristiger Strategien. Erleben wir ja aktuell auch hier in der Debatte des Bundestages. Wir Grüne setzen uns für eine faire und geordnete Asylpolitik ein, die humanitäre Verantwortung mit klaren Regeln verbindet und eine europäische Lösung ist. Auch konkrete Hilfen für Staaten vor Ort. So vermeidet man Fluchtbewegungen. Wir müssen besser werden bei der Rückführung von Menschen ohne Bleibeperspektive, aber gleichzeitig legale Einwanderungswege schaffen, um Schlepperbanden das Geschäft zu entziehen. Es ist auch nicht verhandelbar, wer gegen deutsches Recht verstößt, muss die Konsequenzen tragen. Auch im Landkreis Cham sehen wir, dass die Kommunen an ihre Grenzen stoßen - hier braucht es mehr Unterstützung vom Bund und Land insbesondere bei der Unterbringung und Integration von Geflüchteten. Wir stehen für rechtsstaatlich haltbares Asylrecht, eine gerechte Verteilung innerhalb Deutschlands und eine bessere finanzielle Ausstattung der Kommunen, um Sprachkurse, Wohnraum und Arbeitsmarktintegration zu fördern.

2. Was tun Sie für die Wirtschaft im Landkreis und gegen die Konjunkturflaute?

Die Wirtschaft im Landkreis Cham hat großes Potenzial. Wir Grüne setzen auf eine zukunftsfähige Wirtschaftspolitik, die regionale Unternehmen stärkt und neue Perspektiven schafft. Ein Schlüssel dazu ist die Energiewende. Produktion von grünem Wasserstoff, Nutzung von Biomasse, Wind- und Solarenergie sind die Energieträger der Gegenwart und Zukunft. Dadurch entstehen nicht nur neue Arbeitsplätze, sondern wir machen unsere Unternehmen auch unabhängiger von fossilen Energien. Zudem müssen wir die Digitalisierung vorantreiben - schnelles Internet und digitale Infrastruktur sind kein Luxus, sondern eine Grundvoraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg. Ich setze mich dafür ein, dass der Landkreis Cham gezielt gefördert wird, um hier Anschluss zu halten. Die Konjunkturflaute können wir überwinden, indem wir in Innovation und Nachhaltigkeit investieren.

3. Was muss sich im Umgang zwischen Bund und Kommunen ändern?

Die Kommunen wurden lange mit Aufgaben alleingelassen. Wir Grüne fordern eine echte Partnerschaft zwischen Bund und Kommunen. Konkret: Der Bund muss die Kommunen stärker finanziell unterstützen, insbesondere bei den Themen Migration, Infrastruktur und Klimaschutz. Wir brauchen einen bundesweiten Fonds, aus dem Kommunen gezielt Mittel für die Integration von Geflüchteten, den Ausbau von Schulen und Kitas oder die Modernisierung von Verkehrswegen beziehen können. Zudem sollten die Kommunen mehr Mitspracherecht bei der Gestaltung von Förderprogrammen erhalten, um sicherzustellen, dass die Bedürfnisse vor Ort auch wirklich berücksichtigt werden. Ein Beispiel hierfür ist die gezielte Förderung von regionalen Klimaschutzprojekten, die sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich sinnvoll sind.

4. Welche Aktionen finden Sie für den Klimaschutz wichtig?

Klimaschutz ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Wir Grüne setzen auf konkrete Maßnahmen, die vor Ort wirken. Zu lange hat die CSU versäumt das Potenzial, welches im Klimaschutz liegt, zu erkennen. Im Landkreis Cham müssen wir die Energiewende vorantreiben: Der Ausbau von Wind- und Solarenergie bietet enorme Chancen für die Region - nicht nur für den Klimaschutz, sondern auch für die Wirtschaft. Wir müssen auch die Potenziale der Landwirtschaft nutzen. Auch der Tourismus spielt hier eine große Rolle. Mit naturnahen Angeboten kann die Region viele Menschen anziehen. Wir brauchen eine klimafreundliche Mobilitätswende: Der Ausbau des Radwegenetzes und die Reaktivierung sowie Elektrifizierung des Schienennetzes sind entscheidend, um die Menschen im ländlichen Raum besser zu vernetzen. Klimaschutz ist kein Hindernis, sondern eine Chance.