Hospizverein bietet Kurs in Wackersdorf an – Malen soll helfen, den Tod eines geliebten Menschen verarbeiten

Kinder trauern anders als Erwachsene. Auch wenn sie unbeschwert erscheinen, heißt das nicht, dass sie den Tod eines geliebten Menschen schon verarbeitet haben. Erstmals bietet der Hospizverein im Mehrgenerationenhaus in Wackersdorf (Landkreis Schwandorf) nun den Kurs „Malen mit trauernden Kindern“ an. Das soll den Kindern helfen, mit der Trauer umzugehen.
Nach dem Tod eines geliebten Menschen, der für sie bis zu einem gewissen Alter noch abstrakt ist, wirken sie meist scheinbar unbeschwert und spielen bald wieder. Ein Kind greife dennoch die Trauer wieder auf, allerdings könnte es sie oft nicht in Worten ausdrücken, weiß Gisela Pöhler, Vorsitzende des Hospizvereins Stadt und Landkreis Schwandorf . „Bei Trauergesprächen, an denen Kinder anwesend sind, beginnen diese oft zu malen und zeigen dadurch ihre Gefühle“, ist ihre Erfahrung.
Erfahrene Begleiterinnen
Das brachte die Vereinsmitglieder auf eine Idee: Erstmals bieten sie im Mehrgenerationenhaus in Wackersdorf den Kurs „Malen mit trauernden Kindern“ an und hoffen auf rege Teilnahme. Lediglich die Materialkosten für die Leinwand wird als Kursgebühr erhoben. Das Malen soll der Trauer ein Gesicht geben und Kinder dabei unterstützen, die Trauer zu verarbeiten. „Wir hatten lange überlegt, wie man trauernden Kindern helfen kann“, so Pöhler.
Drei erfahrene Hobbymalerinnen, Marion Spießl, Gisela Herzog und Marion Eschenbecher, werden den Kurs leiten – und alle drei sind selbst Hospiz- und Trauerbegleiterinnen. „Wir nutzen nun auch ihre künstlerische Kompetenzen“, freut sich Pöhler. Außerdem werden zwei ausgebildete Kindertrauerbegleiterinnen anwesend sein. „Der Kurs ist eine echte Bereicherung der Angebote hier“, lobt Stephanie Staudenmayer, die Leiterin des Wackersdorfer Mehrgenerationenhauses.
Kinder haben feine Antennen
Behutsam werden die Leiterinnen die kleinen Kursteilnehmer beim Malen begleiten. „Das Bild, das dabei entsteht, wird individuell sein und natürlich nicht bewertet werden“, betont Marion Spießl, die schon mehrmals Malkurse mit Kindern geleitet hat und viel Freude daran hat.
Kinder seien so unbeschwert und leiden dennoch unter der Trauer, die sie nicht ausdrücken könnten. Ihre Eltern und Bezugspersonen wollen sie schützen und versuchen, oft auch unbewusst, die Trauer von ihnen fernzuhalten. „Aber Kinder haben ganz feine Antennen und spüren die Traurigkeit in der Familie natürlich“, erklärt Pöhler.
Auch um diese Eltern, die sich schließlich selbst in einem Trauerprozess befinden, zu unterstützen, soll nun dieser Malkurs angeboten werden. „Egal, ob das Kind mit der Farbe nur Kreise oder Striche malt, oder zum Beispiel für die verstorbene Oma Blumen – es wird etwas bewirken“, ist Herzog überzeugt.
Beim Malen sei es wie beim Trauern: Es gebe kein Richtig und Falsch, und perfekt müsse man schon gar nicht sein. Jeder male anders, und jeder trauere anders. „Wir sind aber selbst sehr neugierig und auf den Kurs gespannt.“
Tod ist ein Tabuthema
Sterben und Tod sei in unserer Gesellschaft leider ein Tabuthema geworden und Abschiedsrituale gebe es immer weniger, sagen die drei Malerinnen. Sie erinnern sich an ihre eigene Kindheit. Damals wurde der verstorbene Großvater noch zu Hause aufgebahrt. Die Familie, auch die Kinder, konnten von ihm Abschied nehmen, über ihn sprechen und erzählen. Dadurch konnte früh damit begonnen werden, den Tod zu verarbeiten.
Besonders für Kinder sei es heute – nachdem das Ritual nicht mehr üblich ist – schwer, den Tod zu begreifen. Der Hospizverein bietet daher schon länger eine Aktion an, bei der erfahrene Hospizbegleiter eine Schulstunde lang in der Klasse behutsam über das Sterben sprechen. Ziel ist es, Kinder zu Wort kommen zu lassen und ihnen die Angst vor diesem Thema nehmen. Immer spüren die Begleiterinnen dabei, dass es viele bislang unausgesprochene Fragen gebe, sowie auch das Bedürfnis zu reden.
Trauerarbeit immer mehr im Fokus
„Ein Bub hat zum Beispiel erzählt, dass der Opa so gerne an Weihnachten Butterplätzchen gegessen hat“, so Spießl. „Zu Hause ist der Tod des Opas vielleicht ein Tabuthema und der Bub traut sich nicht, über ihn zu sprechen.“ Dabei sei das so wichtig zur Trauerarbeit.
Aber es gebe auch Grund zur Hoffnung: Seit die Hospizidee immer bekannter werde – auch durch die wichtige Arbeit der Hospizvereine – rücke Trauerarbeit wieder mehr in den Fokus, sagt Pöhler. Sie rät, Kinder etwa bei Beerdigungen nicht fernzuhalten und mit ihnen offen zu sprechen – auch wenn es weh tue. Denn: „Sterben gehört zum Leben“, mahnt Pöhler.
Hilfe auch für Eltern
Gerade Kinder seien spontan und offen. Beim Malkurs gelte für die Leiterinnen jedoch, sich zurückzunehmen und sensibel und altersgerecht auf die Kinder einzugehen. „Wir werden nichts aufwühlen“, versichert Spießl. Dennoch soll ein Elternteil anwesend sein und sich während des Kurses im „offenen Treff“ aufhalten. Vielleicht, so wünscht sich Pöhler, ergeben sich sogar unter den trauernden Eltern Gespräche. Eine Trauerbegleiterin werde daher auch bei den Eltern sein und sie bei Bedarf auffangen.
Die Bilder werden mit nach Hause genommen oder, sofern es das Kind möchte, im Haus eine Zeit lang ausgestellt. Dann plant man ein besonderes Ritual anzubieten: Die Bilder und vielleicht auch Briefe an den Verstorbenen, sollen an Luftballons gebunden in den Himmel geschickt werden. Dies soll ein Zeichen sein, dass an den Verstorbenen gedacht werde.
Kursdetails:
Termine: Der Kurs „Malen mit trauernden Kindern“ findet am Mittwoch, 5. März, von 14 bis 16 Uhr, für Kinder von vier bis sieben Jahren statt. Der Kurs am Donnerstag, 6. März, von 14 bis 16 Uhr, richtet sich an Kinder von acht bis zwölf Jahren.
Ort und Kosten: Der Kurs findet im Mehrgenerationenhaus Wackersdorf statt und kostet acht Euro.
Anmeldung: Bis 28. Februar beim Hospizverein Stadt und Landkreis Schwandorf unter (0 94 31) 79 98 76, 0151/52525315 oder info@hospizverein-schwandorf.de