Sichtung in Regenstauf: Sind die Störche schon im Anflug?

Von Martina Groh-Schad · 9. Februar 2025 um 19:00

Die meisten Störche fliegen vor dem Winter nach Afrika und kommen erst im März zurück, sagt Ferdinand Baer. Leiter der Vogelstation in Regenstauf. Dennoch sind schon jetzt Störche zu sehen.

Sie schreiten anmutig über die Felder, immer auf der Suche nach Nahrung. Wo Störche auftauchen, fallen sie auf. Mehrere Leser haben sich an unsere Redaktion gewandt, weil sie auf den Feldern rund um Regensburg aktuell schon Störche beobachtet haben wollen. Erich Kreitinger aus Regenstauf gelangen ein paar Schnappschüsse aus der Ferne. Doch sind das tatsächlich schon unsere Störche, die ihr Winterquartier im Süden verlassen haben? Der fachliche Leiter der Vogelstation Regenstauf, Ferdinand Baer, bezweifelt das. „Unser Horst bei der Vogelstation war in den vergangenen Tagen auch von einem Storch belegt“, sagt er. Es sei aber definitiv kein Storch gewesen, der den Horst normalerweise bewohnt. „Das merken wir an seinem Verhalten.“ Vermutlich war dieser Storch nur auf der Durchreise in nördlichere Gebiete, erklärt er.

Etliche Störche im Landkreis seien im Herbst gar nicht erst in den Süden aufgebrochen, sondern hiergeblieben. „Wir haben hier in der Vogelstation über den Winter etliche Anrufe von besorgten Leuten bekommen, die einen Storch beobachtet haben“, sagt er. Manchmal seien es aber keine Störche, sondern andere große Vögel. Grund zur Sorge gebe es nicht. Aufgrund unserer milden Winter finden Störche immer ausreichend Nahrung wie zum Beispiel Mäuse. „Die Kälte stört die Tiere nicht.“

Woran es liegt, dass einige Störche gar nicht mehr in den Süden ziehen, darüber könne man nur mutmaßen. „Vielleicht ist der Klimawandel die Ursache.“ Ob die Tiere nun zu faul zum Fliegen sind, weil sie nicht unbedingt müssen, oder ob sie besonders schlau sind, weil sie ihre Energien sparen und lieber bleiben, könne man nicht sagen.

Reiseziel Afrika

Die Störche, die aktuell zu sehen sind, sind aus Sicht von Baer Störche, die den ganzen Winter über da bleiben. Hinzu kämen vermutlich ein paar Störche, die in Südfrankreich oder Spanien überwintern und keine lange Flugzeit aus ihrem Winterquartier haben. „Sie ziehen nun herum und suchen Futter“, erklärt er. „Die meisten Störche fliegen aber nach wie vor nach Afrika und kommen erst im März zurück“, betont er. So richtig wissen, woher ein Storch käme, könne man nur bei Vögeln, die beringt seien. Daher wisse er zum Beispiel sicher, dass die Störche, die sonst den Horst in Regenstauf auf der Vogelstation besetzen, noch nicht zurück sind. Wenig hält der Fachmann davon, die Störche zu füttern. „Es gibt Leute, die kaufen eingefrorene Mäuse und geben sie den Störchen“, erklärt er. „Das macht es den Tieren dann noch leichter und sie haben gar keinen Grund mehr, in den Süden zu fliegen.“

Selbst wenn es noch einmal schneien sollte und aufgrund einer geschlossenen Schneedecke die Nahrungsquellen nicht erreichbar seien, halten die Tiere ohne Probleme vier Tage aus, ohne zu fressen. Die Störche würden dann kurzfristig woanders hinfliegen, wo es wärmer ist. „Für sie sind das keine großen Strecken.“ Auch im Winter könnten oft mehrere Tiere gleichzeitig beobachtet werden. „Der Storch schätzt auch im Winter die Gesellschaft.“ Es könne auch schon mal sein, dass er gemeinsam mit Schwänen auf Feldern nach Futter Ausschau halte.

Mehr Wissen nötig

Insgesamt wünscht sich der Experte, dass sich die Menschen mehr für die Störche und andere Vögel interessieren, statt gleich Schlimmeres zu befürchten. „Wer sich informiert, weiß, dass das alles normal ist“, sagt er und verweist auf die Seiten des Landesverbandes für Vogelschutzes, auf der man alles nachlesen könne. „Wenn ein Storch fliegen kann und Menschen nicht nah an sich heranlässt, dann ist alles in Ordnung mit ihm.“

Vögel in der Region

Störche in Bayern: Aufgrund der milden Winter bleiben immer mehr Störche auch in der kalten Jahreszeit in unserer Region. Etliche Vögel fliegen im Herbst nicht mehr bis nach Afrika, sondern überwintern in Südfrankreich oder Spanien. Sie kehren oft früher zurück. Grund zur Sorge gibt es laut Experten der Vogelstation Regenstauf nicht. Solange es über mehrere Tage keine geschlossene Schneedecke gibt, finden die Vögel bei uns in der Region auch im Winter genug Nahrung.

Hintergrund: Weitere Informationen über die Lebensgewohnheiten von Störchen und vielen anderen Vögeln, die in unserer Region zu beobachten sind, finden Sie auf den Seiten des Landesverbandes für Vogelschutz unter www.lbv.de.

Sichtung: Erich Kreitinger aus Regenstauf hat aktuell Störche auf einer Wiese fotografiert. Foto: Erich Kreitinger