Regensburger Mieter rebellieren wegen ausufernder Kosten

Von Marion Koller · 7. Februar 2025 um 05:00

„Das ist eine Abzockerei“, sagt Willi Bauer vom Mieterverein. Er lässt es auf ein Klage gegen das Wohnungsunternehmen Dawonia ankommen, weil die Betriebskosten in einer Wohnanlage im Regensburger Südosten drastisch gestiegen sind.

Zwei Ehepaare, die seit Jahren in einem Mehrfamilienhaus in der Carl-Thiel-Straße 3a leben, weigern sich, die steigenden Betriebskosten weiterhin zu übernehmen. Sie haben sich an Willibald Bauer vom Mieterverein gewandt. Er will es auf eine Klage des Wohnungsunternehmens Dawonia ankommen lassen. „Das ist eine Abzockerei“, schimpft Bauer. „Die Betriebskosten sind vollkommen überteuert.“

Das Ehepaar Reithofer lebt in einer 92 Quadratmeter großen Wohnung. Für 2023 soll es insgesamt 3054 Euro an Betriebskosten bezahlen. Fünf Jahre zuvor waren es noch 2741 Euro gewesen. Dazu zählen etwa Wasserverbrauch, Müllgebühr sowie Sach- und Haftpflichtversicherung. Die teuersten Posten bei den Betriebskosten sind Außenanlagenpflege (für alle Mieter zusammen 7720 Euro) sowie Schnee- und Eisbeseitigung (insgesamt 4009 Euro). Das Ehepaar Reithofer, beide in den 50ern, soll allein dafür 1630 Euro übernehmen.

„Eine Unverschämtheit“

Ähnlich geht es den Rentnern Marianne und Hans Möller (alle Namen geändert). Sie wohnen auf 66 Quadratmetern und sollen für das Jahr 2023 Betriebskosten in Höhe von 2182 Euro stemmen. „Das ist eine Unverschämtheit“, findet Marianne Möller. „Die verkaufen uns für dumm.“ Vor allem die Kosten der Hausmeisterfirma seien viel zu hoch. Nach Beobachtung der Mieterin kommen die Mitarbeiter des Dienstleisters nach Schneefall und räumen auf zwei Streifen entlang des Hauses und der Garagen. „Das ist alles.“ Im Sommer schauten sie einmal im Monat nach dem Rechten, mähten den Rasen oder kürzten das „Gebüsch“.

Jetzt will die Dawonia auch das Treppenhaus von der Firma reinigen lassen. Pro Wohnung wird das 18,50 Euro monatlich kosten. „Die verkaufen uns für dumm“, ärgert sich Möller (66), die wie ihr Mann bei BMW am Band gearbeitet hat. Sie wehrt sich zusammen mit dem Mieterverein und hofft, „dass die Dawonia zur Vernunft kommt“. Andere Mieter haben sich an den Mieterbund gewandt oder sind ausgezogen.

In seinem Büro in der Obermünsterstraße blättert Willibald Bauer hektisch in Akten und sucht alle Unterlagen zu den Mietparteien. Sein weißer West Highland Terrier Sammy ist das gewöhnt. Er streckt sich unter dem Schreibtisch aus. Bauer kann alle Erhöhungen belegen. Die Probleme haben 2010 angefangen, als die Dawonia, die damals noch GBW Niederbayern und Oberpfalz hieß, die Dienstleistungsfirma aus dem Landkreis beauftragte. Vorher mähte ein angestellter Hausmeister die kleine Rasenfläche. In einem Schreiben der GBW von Ende 2010 heißt es, der Bulldog des Hausmeisters sei defekt, eine Neuanschaffung für diese Wohnanlage unwirtschaftlich, deshalb würden Gartenpflege und Schneeräumung an eine Firma vergeben. Man habe darauf geachtet, dass die Kosten im branchenüblichen Vergleich liegen. Die GBW versicherte: „Wir gehen nicht davon aus, dass sich durch diese Umverteilung der Arbeiten die Betriebskosten erheblich erhöhen.“ Das Gegenteil traf ein: Während die Kosten für Außenanlagenpflege, Winterdienst und angestellten Hausmeister für die acht Parteien der Carl-Thiel-Straße 3a im Jahr 2009 noch bei insgesamt rund 1520 Euro jährlich lagen, waren es 2011 schon fast 10.900 und 2023 beinahe 12.500 Euro. So dürfte es vielen Mietern gehen, denn die Dawonia gehört mit 27.000 Wohnungen zu den großen Immobilienunternehmen in Süddeutschland. In Regensburg vermietet sie etwa in der Prüfeninger Straße, Isarstraße und Brandlberger Straße.

Die geförderten Wohnungen in der Carl-Thiel-Straße sind bezahlbar: Das Ehepaar Reithofer überweist monatlich 504 Euro kalt. Bei den zwei Zimmern des Ehepaars Möller sind es 363 Euro. Allerdings ist das Gebäude aus den 70er-Jahren nicht saniert. Die Heizkosten steigen laufend. Die Reithofers haben 2018 noch rund 1040 Euro im Jahr bezahlt, 2022 waren es 1895 Euro. Die Möllers mussten 2018 rund 1067 Euro stemmen, für 2022 sollen sie 2321 Euro berappen. Der Mieterverein rät vom Bezahlen der Nachforderungen ab. Willi Bauer sagt: „Das liegt an den Gasverträgen bei der Fernwärme. Die hatten keinen langfristigen Vertrag, dann landen sie in der Notversorgung.“ 2023 sind die Heizkosten etwas zurückgegangen.

Maren Holtermann, Sprecherin der Dawonia München, sagt, der Verbraucherpreisindex habe sich 2023 im Vergleich zu 2011 um 26,7 Prozent erhöht. „Die Höhe der Betriebskosten für Außenanlagenpflege, Hauswart sowie Schnee- und Eisbeseitigung für die Wohnanlage in Regensburg veränderte sich 2023 im Vergleich zu 2011 um 15 Prozent.“ Gesetzliche Verpflichtungen seien hinzugekommen und damit neue Betriebskosten, beispielsweise das Thema Rauchmelder. Die Kosten entstünden unabhängig davon, ob es sich um freifinanzierten oder geförderten Wohnraum handle.

Dawonia hat nachverhandelt

Der Vertrag zur Pflege der Außenanlagen mit dem Dienstleister sei 2024, unter der Auflage der Beibehaltung der Kosten, bis Ende März 2030 verlängert worden. „Eine weitere Erhöhung der Betriebskosten für die restliche Vertragslaufzeit wurde ausgeschlossen“, betont Holtermann. Vor kurzem seien mit dem neuen Eigentümer der Firma neue Preise verhandelt worden. Es sei eine zehnprozentige Reduzierung der 2024 verhandelten Preise ab 2025 erzielt worden.

Die Beseitigung von Schnee und Eis ist gesetzliche Pflicht. Da diese Pflicht nicht nur darin bestehe, den Schnee und das Eis an sich zu beseitigen, kämen Material- und Werkzeugkosten dazu. Finanziert werden müssten Urlaubs- und Krankenvertretung. „Da diese Kosten über eine Dienstleistungsfirma günstiger sind, haben wir uns entschlossen, diese Leistungen extern zu vergeben und nicht von unseren technischen Objektbetreuern durchführen zu lassen“, sagt Sprecherin Holtermann.

Mieterverein: Rund 2000 Mieter aus Regensburg und der Region gehören der Interessenvertretung an. Ansprechpartner ist der geschäftsführende Vorstand Willibald Bauer. Ein Fachanwalt für Mietrecht arbeitet mit. 150 bis 200 Neuaufnahmen zählt der Verein pro Jahr. Etwa dieselbe Anzahl kündigt.

50 Klagen im Jahr

Gerichtsverfahren: Rund 50 Prozesse führt der Mieterverein im Jahr. Es geht häufig um Kautionsabrechnungen, hohe Betriebskosten, Kündigungen und Tierhaltung.

Beratung: Bei etwa 100 Wohnungsübergaben pro Jahr begleitet Bauer die Mieter. „Da schaue ich vorbei, ob alles passt“, sagt er. Auch an Besichtigungen vor dem Unterschreiben des Mietvertrags nimmt er teil. Schließlich kann eine Wohnung Mängel aufweisen, die dem Mieter nicht gleich auffallen. Bei Mieterhöhungen lassen sich viele Betroffene beraten. Bei einer zehnprozentigen Erhöhung sei es oft besser, zu bezahlen, als Einspruch zu erheben. „Sonst kommen später 20 Prozent.“

Willibald Bauer vom Mieterverein sagt: „„Es gibt Hausmeisterdienste, die machen es für die Hälfte.“