Zur Merkel-Kritik an der Unionsabstimmung: Brutales Foul
Olaf Scholz und Robert Habeck dürfen sich bei Angela Merkel für unerwartete Wahlkampfhilfe bedanken. Dass die Kanzlerin ihr Schweigen bricht und der CDU und Kanzlerkandidat Friedrich Merz das Abstimmungsverhalten mit der AfD vorwirft, ist ein brutales Foul. Geht es ihr wirklich ums Land? Darum, dass die AfD Macht bekommen könnte? Dass sie ausführlich Merz zitiert, um ihm einen Wortbruch vorwerfen zu können, erweckt vielmehr den Eindruck, als wollte sie die letzte Chance nutzen, Merz als Kanzler zu verhindern. Koste es, was es wolle. Und ungeachtet aller Folgen.
Dabei räumt Merz, der in den entscheidenden Jahren von Merkels Regierungszeit nicht politisch aktiv war, doch auch weg, was sie an Scherben hinterlassen hat. Die AfD wuchs doch wegen ihrer Flüchtlingspolitik zu ungeahnter Größe. Merkel fiel dazu nur Totschweigen ein. Ob Merz’ Kalkül aufgeht, ist natürlich offen. Der Wutsturm, der sich über ihn und die CDU ergießt, wird Eindruck machen. Dass sich aber Merkel, die ihre Macht der CDU verdankte, so bei ihrer Partei revanchiert, ist enttäuschend.