Alex Weidinger über Bayern-Neuzugang Jonas Urbig: „Er hat ein paar Bälle fallengelassen“

Abgesehen von einem kurzen Abstecher zur SpVgg Unterhaching ist Alexander Weidinger (27) seit 2018 fester Bestandteil der Torhüterriege des SSV Jahn. Der gebürtige Regensburger blickt auch auf sechs Einsätze in der 2. Fußball-Bundesliga zurück. Im Interview äußert er sich zu den Qualitäten seines Ex-Teamkollegen Jonas Urbig.
Herr Weidinger, der FC Bayern München hat jüngst Jonas Urbig vom 1. FC Köln verpflichtet. Sie waren in der zweiten Hälfte der Saison 2022/23 als Ersatztorhüter des SSV Jahn Regensburg sein Teamkollege, Wie würden Sie Urbig charakterisieren?
Alexander Weidinger: Ich habe Jonas als sehr ruhigen und gefestigten Typ erlebt. Er war für sein Alter (damals 19/d. Red.) schon sehr weit und immer ein respektvoller Mitspieler. Er hat zwar akzeptiert, dass er zu den jungen Spielern im Kader zählt, war aber gleichzeitig auch einer, der genau wusste, auf was es ankommt und dass er sich nicht zu verstecken braucht.
Halten Sie noch Kontakt?
Weidinger: Hin und wieder haben wir Kontakt und schreiben uns, aber nicht mehr sehr intensiv.
Hätten Sie ihm zugetraut, dass er so eine Entwicklung nimmt und zwei Jahre später zum FC Bayern wechselt?
Weidinger: Ich gebe zu, dass ich Jonas nicht kannte, bevor er als Leihspieler aus Köln zu uns stieß. Aber dann hat er mich durchaus beeindruckt. Er war für sein Alter sehr weit, brachte perfekte Anlagen mit und hat als Stammtorhüter beim Jahn sofort bewiesen, was er kann. Ich habe damals schon gesagt, dass er es weit bringen kann.
So kam es ja dann auch.
Weidinger: Jonas hat anschließend bei der SpVgg Greuther Fürth wieder eine starke Saison gespielt. Gut, in Köln hatte ihn zuletzt Marvin Schwäbe verdrängt. Aber ein Verein wie Bayern München weiß ganz genau, welchen Spieler er holen will und welche Fähigkeiten dieser hat. Ich freue mich jedenfalls riesig für Jonas.
Gab es zumindest in seiner Zeit beim Jahn noch Schwächen, an denen er arbeiten musste?
Weidinger: Wenn überhaupt, dann war das damals seine Fangsicherheit. Er hat ein paar Bälle fallengelassen. Wir, seine Torhüterkollegen, haben manchmal gescherzt und es dann auf die Handschuhe geschoben. (lacht) Aber das war sicherlich seine einzige Schwäche.
Und die Stärken?
Weidinger: Da denke ich beispielsweise an die Spieleröffnung. Er hatte keinen schwachen Fuß, war rechts wie links am Ball extrem sicher. Hinzu kamen eine große Beweglichkeit und ein super Positionsspiel. Außerdem hat er die Gabe, viele Spielsituationen zu antizipieren und entsprechend zu reagieren.
Ist ihm bei all diesen Vorzügen zuzutrauen, irgendwann Manuel Neuer im Bayern-Tor zu ersetzen?
Weidinger: Das wird sich zeigen. Es sind natürlich riesige Fußstapfen. Und die Erfahrung sagt uns, dass man als Spieler in München auch schnell einen Karriereknick erleiden kann. Ich wünsche mir wirklich, dass ihm das nicht passiert. Aber um die Frage grundsätzlich zu beantworten: Ja, ich traue Jonas perspektivisch zu, zur Nummer eins aufzusteigen.
Interview: Heinz Gläser
