Der Leerstand im historischen Kern von Kallmünz bleibt ein Problem

Marktrat Kallmünz, Landkreis Regensburg, sucht Lösung für Leerstände: Einzelgespräche, runder Tisch oder externer Berater?
Ein brisantes Thema bei der Sitzung des Kallmünzer Marktrats war der Leerstand im Inneren Markt. Bürgermeister Martin Schmid wollte das weitere Vorgehen zur Reduzierung der Leerstände bei Gebäuden und Wohnungen besprechen.
Eine neue Lösung für das leerstehende Raiffeisengebäudes gibt es nach wie vor nicht. Das Schuhgeschäft Schäffer ist schon lange zu. Der Metzger hat eingeschränkte Öffnungszeiten. Ein Bäcker hat auch schon zugesperrt. Beim letzten MZ-Bericht im November war die Burg-Apotheke noch geöffnet, im Januar hat auch sie ihre Pforten geschlossen.
Apotheken-Aus überrascht
Josef Wein sagte: „Wir waren alle überrascht, als wir im Mitteilungsblatt lasen, dass die Apotheke schließt.“ Wein vermutet als Grund für das Aus ein Gerücht. Es kursierte, dass in das neue Raiba-Gebäude in der Dinauer Straße eine Apotheke einziehen solle. „Das war aber nie Thema im Marktrat“, versichert der SPD-Fraktionsvorsitzende. Auch Bürgermeister Schmid bedauert es sehr, dass die Apotheke geschlossen hat. „Wir waren immer sehr froh über die Kompetenz der Inhaber. Eine Apotheke vor Ort ist wichtig.“ Die nächste liege in Burglengenfeld. „Wir haben hier ja auch viele Ärzte.“ In der Sitzung wollte Schmid von seinem Gremium wissen: „Wie wollen wir mit dem Problem der Leerstände umgehen?“ Er habe bereits viele Gespräche geführt. Seine Vorschläge lauteten: Einzelgespräche führen, einen Berater für das Leerstandsmanagement zu holen, einen runden Tisch mit allen Beteiligten abzuhalten und einen Fragebogen an die Bürger auszuteilen. Bernhard Hübl lehnte den externen Berater ab. „Der kostet nur Geld und bringt nichts.“ Gespräche seien das Wichtigste. Und: Es müsse eine Bereitschaft der Eigentümer bestehen. „Sonst hilft ein Manager nichts.“ Schmid sagte zu, die Gespräche weiterzuführen.
Die Eigentümer entscheiden
Reiner Hummel schlug vor: „Wir sollten etwas Neues ausprobieren. Jemanden aus der privaten Wirtschaft holen, der einen ganz anderen Blickwinkel auf den historischen Ortskern hat.“ Sonst bleibe alles beim Alten. Erich Lassleben gab zu bedenken, dass die Besitzer einverstanden sein müssen. Auch Johann Rinner meinte: „Wir reden hier über fremdes Eigentum.“ Hübl beschwor die Erinnerung an die 60er-Jahre, als die Vilsgasse noch eine Einkaufsstraße war. Auch er meinte, dass die Eigentümer, allesamt ältere Personen, wohl nicht mehr groß investieren wollten. Schmid stellte fest: „Wir können beraten und helfen.“ Die Entscheidung liege bei den Eigentümern.
Ein E-Auto für alle
Ein modernes, nachhaltiges Konzept für die Kallmünzer Bürger schlug die Zukunftswerkstatt in der Marktratssitzung vor. Ein E-Carsharing im Marktbereich in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft zur Förderung des öffentlichen Nahverkehrs im Landkreis (GFN) soll kommen. Die Zukunftswerkstatt unter Führung von Maria Wolf setzt sich seit 2022 für ein nachhaltiges Leben ein. Vor allem auch in den Bereichen Energie, Energieeinsparung, Wärmeplanung, Mobilität, Radfahren und Rufbus Elma.
Stationsgebundenes E-Carsharing gibt es in 13 Landkreis-Gemeinden, erklärte GFN-Geschäftsführer Josef Weigl. Maria Wolf sagt: „Wir wollen die nachhaltige Mobilität auf dem Land fördern und eine günstige Alternative zum Privatauto bieten. Das spart Geld und schont die Umwelt.“ Das E-Auto ist ein VW ID.3 mit 300 bis 350 Kilometer Reichweite. Die Kosten für die Kommune lägen bei eventueller Unterdeckung der GFN bei maximal 300 Euro pro Monat. Durch Sponsoren könne man 1440 bis 2880 Euro pro Jahr einnehmen. Die Nutzer zahlen pro Stunde 2,50, pro Kilometer 0,19 und pro Buchung 2,50 Euro. Wein begrüßte die Initiative: „Man kann das E-Auto ausprobieren und die Vorbehalte abbauen.“ Das Gremium nahm den Vorschlag der Zukunftswerkstatt grundsätzlich positiv auf.