Am Großglockner erfroren: Ein Wink hätte Österreicherin (33) retten können

Von Rebecca Cischek · 21. Januar 2025 um 19:00

Eine Bergtour mit tragischem Ende: Unter dem Gipfelkreuz des Großglockner haben Retter am Sonntagmorgen eine 33-jährige Österreicherin erfroren gefunden. Ihr Freund (36) hatte noch den Notruf gewählt. Im Visier der Bergretter und der Alpinpolizei waren die beiden aber schon seit den Abendstunden, wie der Ortsstellenleiter Bergrettung Kals in Tirol berichtet.

„Es ist ein besonders tragisches Unglück gewesen“, sagt Peter Trembler, Ortsstellenleiter der Bergrettung Kals am Telefon. Als die Bergretter um 10.10 Uhr die 33-Jährige 40 bis 50 Meter unter dem Gipfelkreuz des Großglockner fanden, kam für sie jede Hilfe zu spät.

Bergrettung: „Keine Anzeichen, dass sie Hilfe brauchen“

Das Paar war am frühen Samstagmorgen gegen 6.45 Uhr von einem Parkplatz im Gemeindegebiet von Kals zu einer alpinen Hochtour aufgebrochen. Die Tour sollte sie über den Stüdlgrat zum Großglockner führen, der Abstieg über Kleinglockner und Adlersruhe zurück zum Ausgangspunkt. Beide stammen aus dem Bundesland Salzburg und waren mit einer Hochtourenausrüstung ausgestattet. Zumindest der 36-Jährige soll bergerfahren gewesen sein und schon mehrere alpine Hochtouren bestritten haben, sagte ein Sprecher der Landespolizeidirektion Tirol auf Nachfrage. Bei der Frau wisse er es nicht.

Dass die beiden Bergsteiger im Gipfelbereich unterwegs waren, war am Samstagabend schon klar, wie Peter Tembler erzählt. Gegen 20 Uhr beobachteten Alpinpolizei und Bergrettung über die Webkameras die Lichter der beiden, wie sie langsam nach oben wanderten. Aber: „Es gab keine Anzeichen, dass sie Hilfe brauchen.“

Um das Bild der Webkamera vom Samstagabend um 20 Uhr zu sehen, klicken Sie auf das unten stehende Foto:

36-Jähriger ruft noch zurück, alles sei in Ordnung

Ein Alpinpolizist ließ schließlich den Halter des geparkten Autos herausfinden und versuchte den 36-Jährigen anzurufen. Doch nichts. Vielleicht war es der starke Wind, der verhindert hat, dass sie das Telefon hören, mutmaßt Tembler. Die nachtflugtaugliche Flugrettung aus Salzburg wurde angefordert. Der Hubschrauber leuchtete den Berg aus. Laut Tembler sah die Mannschaft die beiden sogar, wie sie langsam vorankamen. Als die Bergsteiger aber keine Andeutungen machten, dass sie Hilfe brauchen, flog der Hubschrauber zurück nach Salzburg. „Die beiden hätten nur zu winken gebraucht“, sagt der Ortsstellenleiter und die Rettung hätte begonnen.

Der 36-Jährige aber habe den Alpinpolizisten noch zurückgerufen. In dem kurzen Gespräch habe er laut Tembler gesagt, dass alles passt. Zwar kämen sie nur langsam voran, aber alles sei in Ordnung. Sie bräuchten keine Hilfe. Dann sei das Gespräch abgebrochen und der 36-Jährige nicht mehr erreichbar gewesen.

Wind für Rettungshubschrauber zu stark

Er meldete sich um 3.30 Uhr wieder. Laut Polizei war er in der Nacht bis zur Adlerruhe auf über 3450 Meter herabgestiegen und hatte von dort den Notruf gewählt, während die Frau unterhalb des Gipfels geblieben war. Der Rettungseinsatz startete. Vom Lugnerhaus aus machten sich die ersten Einsatzkräfte der Bergrettung Kals mit Ski an den Aufstieg. Die angeforderten Hubschrauber konnten erst bei Tagesanbruch die bis zu zwölf Retter und zwei Alpinpolizisten ein Stück hinauffliegen. Aber nur wegen des starken Windes unterhalb der Adlersruhe absetzen, wie der Polizeisprecher berichtet. Sie mussten bei winterlichen Verhältnissen zu Fuß weiter hochsteigen.

Um die Aufnahme der Webkamera von Sonntagnacht um 3 Uhr zu sehen, klicken Sie auf das unten stehende Foto:

Um 10.10 Uhr kamen sie über den Normalweg bei der leblosen 33-Jährigen an, ein Notfallsanitäter war laut Tembler auch mit dabei. Doch sie konnten nichts mehr für die Frau tun. Wegen des Windes mussten die Retter den Leichnam über den Normalweg hinuntertragen, bis weiter unten ein Hubschrauber den leblosen Körper ins Tal fliegen konnte. Das vorläufige Ergebnis der Obduktion vom Montag lautete Tod durch Erfrieren, wie ein Polizeisprecher mitteilt.

Um sehen zu können, wie die Webkamera den Aufstieg der Bergretter am Sonntag um 9 Uhr aufgenommen hat, klicken Sie auf das unten stehende Foto:

Polizei führt weitere Befragungen durch

Wie es dazu gekommen ist, dass die 33-Jährige kurz vor dem Gipfelkreuz erfror, darüber lässt sich nur spekulieren. Für Trembler haben sicher auch der Wind und die Zeitüberschreitung damit zu tun. „Das Wetter war an sich gut“, sagt er. „Nur der starke Süd-Ost-Wind hat die Sache viel schwieriger gemacht.“ Dadurch sei es schnell kälter geworden. Und die Bergsteiger hätten sehr lange gebraucht. Eine Tour müsse man so planen, dass man auch durchkomme, sagt Tembler. Der letzte Platz um „vernünftig umdrehen“ zu können sei auf 3550 Metern das sogenannte Frühstücksplatzl. Danach nehme die Kletterschwierigkeit zu. „Man muss sich laufend Gedanken machen: Sind wir noch fit? Sind wir im Zeitrahmen?“, erklärt er. Wie das bei dem Paar abgelaufen sei, ergebe vielleicht die Befragung.

Laut Sprecher der Landespolizeidirektion stehen momentan noch Befragungen und Erhebungen aus, bevor der Fall an die Staatsanwaltschaft weiter gegeben werden könne.