Claudia Roths Ortstermin auf der Kulturbaustelle

Die Kulturstaatsministerin überbrachte dem Regensburger Kunstforum persönlich eine gute Nachricht aus Berlin.
Die gute Nachricht, auf die das Kunstforum Ostdeutsche Galerie so lange gewartet hatte, kam vergangene Woche aus dem Kulturstaatsministerium: Die Bundesregierung bewilligte nun die nötigen Gelder, damit die Bauarbeiten am Grafiktrakt fertig gestellt werden werden können. Wegen immenser Kostensteigerungen während der Bauarbeiten war dies auf dem Spiel gestanden. Direktorin Agnes Tieze konnte aufatmen. Am Freitag unterstrich Kulturstaatsministerin Claudia Roth von den Grünen, in deren Zuständigkeit das Museum fällt, diesen Durchbruch mit einem persönlichen Besuch.
Wichtige Ost-Perspektive
Lange hatte es nicht gut ausgesehen für die Fortsetzung der Arbeiten: Zunächst war der Umbau mit 4,5 Millionen Euro veranschlagt worden. Wegen äußerer Umstände wie der Corona-Pandemie, dem Ukraine-Krieg und den Preissteigerungen in der Baubranche stiegen die Kosten, die sich Bund, Freistaat Bayern und die Stadt Regensburg teilen, auf 8,45 Millionen. Agnes Tieze hatte Ende 2023 sogar einen Baustopp nicht mehr ausschließen können. Im Sommer gab es dann positive Signale vom Bund, sagte Tieze. Der Bruch der Ampel brachte neue Unsicherheit. Dass der Nachbewilligungsantrag nun positiv beschieden wurde, bedeutet: Der Bund erhöht seinen Anteil auf nun 2,35 Millionen Euro. Damit kann die Sanierung und barrierefreie Erschließung des Grafiktrakts, ein Anbau von 1980, beendet werden. Er wird derzeit an das Hauptgebäude angeschlossen und aufgerüstet, so dass im Ausstellungssaal und im Grafikmagazin optimale klimatische Bedingungen für die Kunstwerke herrschen. Zudem wird das Grafik-Depot dorthin umziehen.
Roth, die am Freitagnachmittag aus ihrem E-Hybrid-Dienstauto stieg, kam direkt von einem Abstecher beim Windsbacher Knabenchor nach Regensburg, wie sie erzählte. Gewohnt farbenfroh gekleidet mit knalligem Mantel und pink-weißem Haar, traf sie dort auf den Regensburger Bundestagsabgeordneten Stefan Schmidt. Der habe nicht locker gelassen, für das Kunstforum einzutreten, sagte Roth über ihren Parteifreund, den sie eine „Nervensäge“ mit guten Argumenten nannte.
Sie betonte, das Museum trage keine Verantwortung für die Kostensteigerungen. Experten hätten vor einem Baustopp gewarnt – ein solcher wäre mit noch höheren Kosten einher gegangen. „Wir haben uns bemüht zu verhindern, dass es dazukommt“, sagte sie. In Zeiten geringer finanzieller Mittel sei die Entwicklung am Kunstforum eine Erfolgsgeschichte des Kulturföderalismus. Dabei sehe sie die Gelder nicht als Subvention, sondern als Investition an: „Städte wie Regensburg leben von Kunst und Kultur.“ Wer in diesem Bereich spare, schade sich selbst. Ausstellung wie die im Kunstforum schafften gesellschaftlichen Zusammenhalt. Zudem sei die Ostdeutsche wegen ihrer Perspektive auf das östliche Europa ein wichtiges Museum, was mit Blick auf die Ereignisse in der Ukraine jeden Tag wichtiger werde. Bei einem Besuch in Odessa habe sie selbst erlebt, wie Putin mit Angriffen auf Kultureinrichtungen auf die Identität der Ukraine ziele.
Beim Rundgang auf der Baustelle, wo es aktuell viel nackten Beton, Gerüste und unverputztes Mauerwerk zu sehen gibt, sagte Tieze, das Kunstforum sei auf dem Weg zu einem „grünen Museum“. Zwei Wärmepumpen und ein Gaskessel versorgen zukünftig den neuen Bereich und das restliche Gebäude. Zudem hat der Denkmalschutz grünes Licht für eine PV-Anlage auf dem Dach gegeben.
Mehr Platz für große Kunst
Entsprechend der gesetzlichen Vorgabe müssen 65 Prozent der Heizenergie aus Erneuerbaren Energieformen kommen. Das Heizsystem hatte die Kosten ebenfalls erhöht, allerdings mit vergleichsweise geringem Anteil, sagte Tieze. Weitere Kostensteigerungen seien nicht in Sicht: Die großen Ausschreibungen würden aktuell getätigt, weshalb die Kosten gebunden seien. Sie freue sich, nach dem Umbau wieder mehr Ausstellungsfläche zu haben – aktuell könne nur ein Drittel der Fläche bespielt werden.
Tieze kündigte an, der 240 Quadratmeter große und sechs Meter hohe Saal könne künftig als Ausstellungsraum auch für großformatige Kunst genutzt werden. Bisher habe man solche Objekte von Hand an ihren Ausstellungsort tragen müssen. Bald erlaubt ein neuer Aufzug, Kunstwerken und Besuchern barrierefreien Zugang.
Nach dem Rundgang warteten im Foyer des Kunstforums Vertreter von Regensburger Kultur-Institutionen auf Roth, um ihr ihre Projekte (und deren Kosten) nahezubringen.
Das Bauprojekt:Die Gesamtkosten liegen bei 8 450 000 Euro. Dabei übernimmt der Bund 50 Prozent (4 225 000 Euro), 30 Prozent das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales (2 535 000 Euro) und 20 Prozent die Stadt Regensburg (1 690 000 Euro).
Abschluss: 2026 sollen die Bauarbeiten fertig sein.
