Sie managen Kelheims „Blaue“ – oder wie es ist, einen Traditionsverein in die Zukunft zu führen

Von Beate Weigert · 17. Januar 2025 um 11:00

Der SC Kelheim setzt seit zwei Jahren unter neuer Führung auf Jugendförderung und Zusammenhalt. Doch auch Sanierungsstau und sportliche Herausforderungen prägen den Vereinsalltag. Wie Andreas Ipfelkofer und Peter Dercho den Verein zukunftsfähig machen wollen.

Kelheims „Blaue“ sind im Aufwind. Freilich längst noch nicht in jeder Beziehung. Aber seit 2023 hat sich unter neuer Führung viel getan. 1. Vorsitzender Andreas Ipfelkofer und Sportlicher Leiter Peter Dercho sind zwei von Hunderten Frauen und Männern im Landkreis, die (Sport-)Vereine in die Zukunft führen. Das Duo verrät, wie es läuft und ob sie sich ihre Ehrenämter so vorgestellt hatten.

Viele winken heutzutage ab, wenn ihnen ein Ehrenamt angetragen wird, bei Andreas Ipfelkofer (40) und Peter Dercho (31) hatten die Verantwortlichen, die ihnen vor zwei Jahren die Führungsämter antrugen, wohl einen guten Riecher. Beide sind in Affecking verwurzelt und mit dem SC aufgewachsen.

„Die Zeit musst du dir nehmen“

Auch Ipfelkofer und Dercho sind in ihrem Berufsleben eingespannt. Die Zeit für den SC, „die musst du dir nehmen“, sagt Dercho. Beide Männer haben schon als Kinder von Opas und Papas mitbekommen, dass ehrenamtliches Engagement zu ihrem Leben gehörte. Dennoch muss Dercho einräumen: „Es ist viel mehr Arbeit, als ich dachte.“

Vor zwei Jahren ließen sie sich in den SC-Vorstand wählen. Vielleicht weil sie selbst viele „schöne Erinnerungen“ aus ihrer Jugendzeit mit dem Verein verbinden. „Ohne arrogant sein zu wollen, waren wir in den 1990ern die Nummer 1 in der Jugendarbeit im Landkreis“, sagt Andreas Ipfelkofer. Vorbilder für ihre gemeinsame Arbeit im Sportlichen wie im Vorstand gebe es einige, sagen sie. Und: „Wir wollten, dass das Fundament wieder passt.“ Dass der SC auf einem soliden Sockel eigenen Nachwuchses steht.

Nachwuchs boomt

Der Plan scheint aufzugehen: Es läuft bei der Jugend und auch der Zulauf von anderen Vereinen stimme sie positiv, so das Duo. 140 Kinder und Jugendliche gebe es aktuell. Von 85 Donau-Bixn (Mädchen-Spielgemeinschaft im Fußball mit Vereinen der Region) stammen etwa 15 vom SC. Auch abseits des Trainings zeige sich, dass der Nachwuchs Bock habe, sich am Fußballplatz zu treffen.

Zur „bitteren Wahrheit“ gehöre, dass die Herren aktuell ganz unten in der A-Klasse kicken. Doch was ist, muss nicht immer so bleiben. Ipfelkofer und Dercho freut, dass „der Schulterschluss“ zwischen den Alten Herren und den ganz Jungen geglückt sei. Und mit Özkan Koc habe man einen Trainer gefunden, der nicht nur das Fußballerische sehe. Man sehe ihn und die Spieler auch im Verein. „Sie gehen zu den Veranstaltungen.“ Diese Verbindung ist ihnen wichtig.

Sportlich „wollen wir wieder angreifen“, so Peter Derchos Losung für 2025. Damit meint er in erster Linie, dass die Herren aus dem Tabellenkeller kommen. Sie sind ein junges Team. „Das Wichtigste ist, dass die Spaß haben, und wenn das so ist, dann kommt der sportliche Erfolg auch zurück.“

Ipfelkofer wünscht sich, dass die vielen Jungs und auch Mädchen, die hier kicken, sonntags zu den Spielen kommen. „Dass die Spieler der Ersten angehimmelt werden und dass die den Kindern etwas zurückgeben.“

Es gibt noch viel zu tun und 2025 viel zu feiern (80-jähriges Jubiläum: 27. bis 29. Juni). Deshalb werden sie sich Mitte März wieder zur Wahl stellen. Ipfelkofer als 1. Vorsitzender, Dercho diesmal als 2. Vorsitzender.

Viel zu tun gibt es auch an der Infrastruktur. Denn im Gegensatz zu anderen Vereinen im Stadtgebiet gehört dem SC das Gebäude selbst. So heißt es bei Reparaturen und Sanierung anpacken – mit Manpower und auch finanziell. Der Sanierungsstau sei groß, vieles stamme aus den Anfangstagen des Sportheims, hat also gut 50 Jahre auf dem Buckel. 2024 haben sie die Fenster in der Küche und im Untergeschoss erneuert, eine Damen-Toilette eingebaut und auch die Heizung haben sie von Öl auf Wärmepumpe umgestellt. Auch 2025 steht einiges auf der Liste: Die Westseite mit samt Eingangstür soll an die Reihe kommen. Neue Rollos und neue Fensterbänke überall sollen her und auch am Platz draußen gibt es einiges zu tun.

Trotz viel Arbeit für sich und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter ist Andreas Ipfelkofer optimistisch: „In unserer 80-jährigen Geschichte sind wir immer wieder ein Stehauf-Manderl gewesen.“

Der SC Kelheim

Geschichte: 1945 wurde der Sportverein als ASV Kelheim Ost gegründet. Seit 1954 heißt der Verein Sport-Club (SC) Kelheim. Seit 1973 finden sich Sportplatz und Vereinsheim an der Abensberger Straße.

Mitglieder: 440

Jubiläum: 80 Jahre werden vom 27. bis 29. Juni gefeiert.

Mit viel Eigeninitiative und handwerklichem Know-how aus den eigenen Reihen erneuern die SC-ler ihr Gebäude.
Es gibt noch viele Baustellen, sagt das Führungs-Duo. Diese Umkleide etwa.
Vieles am Affeckinger Sportheim stammt aus den Anfangstagen: Im Jubiläumsjahr 2025 wollen die SC-Mitglieder die Westseite sanieren. Auch die Eingangstür soll erneuert werden.
Südlich der Bahntrasse an der Abensberger Straße finden sich seit 1973 Sportplatz und Vereinsheim des SC Kelheim. Im Gegensatz zu anderen Vereinen gehört das Sportheim nicht der Stadt, sondern dem SC.