Familiengesundheit: Kerstin Burkert-Jonas bietet Hilfe für die Menschen vor Ort an

Von Heidi Bauer · 14. Januar 2025 um 11:00

Kerstin Burkert-Jonas von der Diakonie NAH (Neumarkt, Amberg, Hersbruck) bietet in Pyrbaum und Postbauer-Heng im Rahmen des Projekts „Familiengesundheit vor Ort“ Hilfestellung in belastenden Phasen an (Gesprächssituation gestellt). Foto: Heidi Bauer

Im Laufe eines Lebens trifft sie fast jeden: eine Situation, in der man keinen Ausweg mehr sieht. Eine, die Menschen direkt in ihrem Heimatort an die Hand nimmt, wenn es zu viel wird, ist Kerstin Burkert-Jonas. Die Sozial-Pädagogin bietet in Postbauer-Heng und Pyrbaum Hilfestellung an und erklärt, warum das Pilotprojekt „Familiengesundheit vor Ort“ bayernweit einmalig ist.

„Jeder, der sich psychisch belastet fühlt, kann kommen“, sagt Burkert-Jonas. Das niederschwellige Angebot der „Familiengesundheit vor Ort“ richtet sich an alle Menschen in einer seelisch belastenden Situation. Diese kann durch eine körperliche oder psychische Erkrankung hervorgerufen werden, den Verlust eines Angehörigen oder einen Pflegebedarf. Dabei spielt es keine Rolle, ob man selbst oder ein Angehöriger betroffen ist.

„Frau Burkert-Jonas hat mir sehr geholfen. Sie hat nicht nur auf mein Problem geschaut, sondern darauf, was es mit mir macht“, erzählt eine Frau, die anonym bleiben möchte. Die systemische Beraterin hat sie in einer Krise unterstützt: „Ich befand mich in einer familiären Situation, in der ich nicht mehr wusste, wie ich mich verhalten soll. Sie hat mir gezeigt, dass ich nicht nur in Sorge sein muss, sondern auch einmal Stopp sagen darf.“

Für die Betroffenen sei es eine enorme Erleichterung, dass die Beratung direkt vor Ort, kostenlos und zeitnah erfolge, hebt die Frau besonders hervor. Seit Oktober 2020 kümmert sich Kerstin Burkert-Jonas im Rahmen einer Halbtagsstelle je zehn Stunden um die Menschen in Postbauer-Heng und in Pyrbaum. Mit dem Angebot hat die Beratungsstelle für psychische Gesundheit Neumarkt der Diakonie NAH (Neumarkt, Altdorf Hersbruck) vor fünf Jahren ihre Beratungen im Landkreis ausgeweitet.

Zahl der Hilfesuchenden steigt von Jahr zu Jahr

„Hintergrund war, dass Bürger, die sich in einer belastenden Lebenssituation befinden, direkt an ihrem Wohnort in Postbauer-Heng oder Pyrbaum Unterstützung erfahren sollten, ohne größere Hürden überwinden oder lange Wartezeiten in Kauf nehmen zu müssen“, stellt die Sozial-Pädagogin heraus.

Dadurch, dass sie auch bei Veranstaltungen und Vorträgen vor Ort sei, „weiß ich auch, was in den einzelnen Gemeinden los ist, bin ich nah dran an den Menschen“. So könne sie im Gespräch mit den Gemeindeverantwortlichen auch die Belange von Menschen miteinbringen, die keine so starke Lobby haben.

Beratung bei seelisch belastenden Lebensumständen

Die Zahl der Menschen, die Hilfe suchen, steige von Jahr zu Jahr. Mittlerweile kämen viele aufgrund von „Mund-zu-Mund-Propaganda“, sagt die Burkert-Jonas. Im Januar beginnt nun eine Evaluation. Ziel ist es, herauszufinden, was hilfreich und unterstützend ist und was eventuell noch verbessert werden kann.

Hilfestellung geben möchte die Beraterin bei Fragen der Überforderung oder seelisch belastenden Lebensumständen, aber auch bei psychischen Erkrankungen, wie Depression oder Borderline-Syndrom, erläutert sie. Die Beratung steht allen Menschen ab dem 18. Lebensjahr offen, ist unabhängig von Religion oder Nationalität und ist kostenfrei.

Sowohl Betroffene selbst als auch Familienangehörige können sich an Kerstin Burkert-Jonas wenden. Diese bietet auch Hausbesuch an. Wichtig sei, dass die Ratsuchenden ohne Scheu und anonym über ihre Probleme sprechen könnten. Deswegen betont die Beraterin besonders: „Wir unterliegen der Schweigepflicht.“

Positives Feedback aus den Gemeinden

Sowohl der Geschäftsleiter der Gemeinde Pyrbaum, Richard Forster, als auch Postbauer-Hengs Bürgermeister Horst Kratzer stellen heraus, wie wichtig das Angebot für die Bürger in den Gemeinden sei. Dafür spreche die starke Nachfrage.

Zusammen mit dem Familienstützpunkt in Postbauer-Heng sei das Projekt sogar bayernweit einmalig, hebt Horst Kratzer hervor. Dass es ins Leben gerufen wurde, sei dem unermüdlichen Engagement von Postbauer-Hengs Dritter Bürgermeisterin und Bezirksrätin Gabriele Bayer (Grüne) zu verdanken.

Als gelernter Krankenschwester sei es ihr ein Herzensanliegen gewesen, Angebote mit dem Schwerpunkt psychische Gesundheit vor Ort zu etablieren: „Vielen ist die seelische Gesundheit nicht so präsent“, bedauert Bayer. Als sie in den Bezirkstag gewählt wurde, ging sie das Thema proaktiv mit der Psychiatriekoordinatorin an.

Zufällig sei just zu dem Zeitpunkt bei SPDI eine halbe Stelle frei gewesen und so gelang es, die „Familiengesundheit vor Ort“ in Kooperation von Bezirk Oberpfalz, Diakonie NAH sowie den den Gemeinden Postbauer-Heng und Pyrbaum als Pilotprojekt auf die Beine zustellen.

Der Bezirk finanziert es mit einer Personal- und Sachkostenpauschale. Da dies aber nicht kostendeckend sei, schieße die Diakonie NAH e.V. noch Eigenmittel zu, erklärt Anita Drefs, die die Beratungsstelle des Sozialpsychiatrischen Dienstes (SPDI) in Neumarkt leitet. Die Sachkosten wie Büroausstattung tragen die Gemeinden, die auch die Räumlichkeiten zur Verfügung stellen.

„Das könnte eine Blaupause für ganz Bayern werden“

Gabriele Bayer, die im Bezirkstag auch den Vorsitz für den Fachausschuss für Psychiatrie und Neurologie hat, will sich dafür stark machen, dass es „ein regelfinanziertes Projekt“ und auch ausgeweitet wird: „Das könnte die Blaupause für ganz Bayern werden. Ich bin der Ansicht, dass wir den sozial-psychiatrischen Dienst deutlich stärken sollten. Diese Arbeit vor Ort wirkt sehr stark präventiv. So können im besten Fall psychische Krisen entschärft und der Aufenthalt in Kliniken vermieden werden.“ Die „Familiengesundheit vor Ort“ sei hier ein „niederschwelliges, aber hoch fachlich qualifiziertes Angebot.“

Wo setzt die „Familiengesundheit vor Ort“ an?

Hilfe: Kerstin Burkert-Jonas ist vor Ort Ansprechpartnerin für Menschen, die sich in einer psychisch belastenden Lebenssituation befinden, mit einer psychischen Erkrankung leben, Hilfe bei der Bewältigung ihres Alltags wünschen oder Begleitung brauchen, um eine herausfordernde Situation in ihrer Familie zu meistern.

Angebot: Im Rahmen des Projekts bietet die Kerstin Burkert-Jonas in den Gemeinden Gespräche, Hausbesuche sowie Hilfe bei der Bewältigung des Alltags, beispielsweise im Umgang mit Behörden. Sie lotet vorhandene Möglichkeiten und Fähigkeiten zur Problembewältigung aus und vermittelt geeignete Unterstützung.

Kontakt: Beratungsstelle für psychische Gesundheit der Diakonie NAH (Neumarkt, Altdorf, Hersbruck)

Standorte: Beratungsräume befinden sich im Centrum 3, 92353 Postbauer-Heng (gegenüber Kinderarztpraxis) sowie in den Bürgerhaus-Bräustuben, Nürnberger Straße 2, 90602 Pyrbaum.

Termine: nach telefonischer Vereinbarung bei der Beratungsstelle für psychische Gesundheit unter der Tel. (0 91 81) 4 64 00 beziehungsweise persönlich bei Kerstin Burkert-Jonas montags von 9 bis 10 Uhr und donnerstags von 15 bis 16 Uhr unter der Nummer (01 60) 90 35 51 57. Offene Telefonsprechstunde: dienstags von 9 bis 10 Uhr.