Von der Praxisklasse zur Lehrstelle: Mittelschule Neutraubling bietet besondere Förderung

Von Markus Schmautz · 6. Januar 2025 um 19:00

Die Mittelschule Neutraubling mit ihren rund 600 Schülern ist eine der größten Mittelschulen in der gesamten Oberpfalz. Ihre Besonderheit: die Praxisklasse.

Die Mittelschule Neutraubling verfügt über die gesamte Palette an Klassenarten, die es in Bayern gibt. Neben Regel- und M-Klassen gibt es die Vorbereitungsklassen, in denen der Stoff der M10 in zwei Jahren vermittelt wird. Seit rund 20 Jahren ist die Praxisklasse ein fester Bestandteil. Gedacht ist das P-Modell für Schüler, die erhebliche Lern- und Leistungsschwächen aufweisen.

Durch eine spezifische Förderung soll eine positive Lern- und Arbeitshaltung angebahnt werden. „Ich bin ein großer Fan des P-Modells. Es bietet unglaubliche Chancen für schwächere Schüler, sich auf dem Arbeitsmarkt zu etablieren“, erklärt Markus Bernhard, der erste Konrektor der Mittelschule Neutraubling. In seinen Zuständigkeitsbereich fällt die Berufsorientierung. „Das Modell hat sich bei uns an der Schule längst etabliert. Aus jahrelanger Erfahrung können wir sagen, dass eine hohe Anzahl an willigen Schülern eine Lehrstelle ergattern kann“, so Bernhard. „Zudem verlassen die P-Schüler die Mittelschule im Normalfall mit einem anerkannten Abschluss.“ Sie unterziehen sich nämlich den Prüfungen eines theorieentlasteten Mittelschulabschlusses.

Einzigartig im Landkreis

Seit September für die P-Klasse als Klassenleiter zuständig ist Josef Wasserrab. Ihm zur Seite steht mit Marion Bendixen eine pädagogische Fachkraft. „Möglich ist die Arbeit als Duo, weil die P-Klassen vom Europäischen Sozialfonds, kurz ESF, mitfinanziert werden.“ Aktuell besuchen 16 Schüler verschiedener Nationen die P-Klasse in Neutraubling. „Wir sind die einzige Praxisklasse im Landkreis. Die nächsten P-Klassen gibt es in Schwandorf, Kelheim und Landshut“, erläutert Josef Wasserrab, dem die Arbeit sehr gut gefällt. „Unsere Schüler bereiten sich nicht nur auf ihre Abschlussprüfungen vor, sondern absolvieren insgesamt acht Wochen Praktika. Zwei davon haben wir nun im November und Dezember abgeleistet.“ Die Schüler suchen sich ihre Praktikumsstellen so gut wie möglich alleine.

„Unsere Schüler sind bei BMW, im Einzelhandel, bei verschiedenen Firmen in Neutraubling oder in Regensburg, ebenso in Kindergärten oder Arztpraxen. Es gibt viele Möglichkeiten“, freut sich Wasserrab, der gemeinsam mit Marion Bendixen die Schüler im Praktikum betreut und sich mit den Ansprechpersonen austauscht. Dabei ist es nicht nötig, dass acht verschiedene Praktika-Stellen ausgesucht werden müssen. „Wenn es passt zwischen Arbeitgeber, Praktikant und Zielberuf, kann dort mehrmals ein Praktikum absolviert werden“, sagt Bernhard. „Ich bin sicher, dass wir für alle Schüler eine passende Anschlussmöglichkeit finden werden“, zeigt sich Josef Wasserab zuversichtlich.

Im direkten Kontakt

Das Ziel ist es, möglichst viele Absolventen in den Lehrstellenmarkt zu integrieren. „Weitere Möglichkeiten sind das Berufsgrundschuljahr, Lernwerkstätten oder das Straubinger Modell.“ Wasserab pflegt einen sehr engen Kontakt zur Agentur für Arbeit. „Mit Max Hinsberger haben wir einen kompetenten Mann regelmäßig bei uns an der Mittelschule“, berichtet die engagierte und aufgeschlossene Lehrkraft.

Um die Suche nach Lehrstellen zu erleichtern, erstellte Konrektor Markus Bernhard eine Online-Pinnwand. „Mit der TaskCard können Firmen Veranstaltungen sowie Praktikums- oder Lehrstellenangebote direkt einstellen“, sagt Bernhard. Den Link zum Einstellen von Angeboten finden interessierte Betriebe auf der Homepage der MS Neutraubling.

Die Planungen für das kommende Schuljahr haben bereits begonnen. Interessierte Schüler können sich jederzeit telefonisch an der Schule oder auf der Homepage der MS Neutraubling genauer informieren. „Das P-Klassen-Modell bietet viele Möglichkeiten. Die Plätze sind begrenzt. Wir freuen uns über jeden geeigneten Schüler, der die Chance ergreift. Und auch nutzt“, erklärt Markus Bernhard.

Das sagen die Schüler über das Projekt

Traumjob: Rozhia Soleymannejad wohnt seit zwei Jahren in Deutschland. Ihr Traumberuf ist Flugbegleiterin. Nun peilt sie aber erst einmal eine Ausbildung an. „Meine zwei bisherigen Praktika machte ich in einem Kindergarten und in der Gastronomie. Das dritte absolviere ich bei einem Zahnarzt. Auch Hotelfachfrau schaue ich mir an. Mich interessiert viel.“

Soziales: Naila Hasan zog vor vier Jahren nach Deutschland. Sie möchte gerne mit Kindern arbeiten, den Beruf der Kinderpflegerin erlernen. „Die ersten beiden Praktika machte ich im Kindergarten Sankt Emmeram. Dort werde ich noch öfters zu Gast sein. Nach dem Abschluss werde ich dort eine Lehre beginnen. Ich habe meinen Wunschberuf bereits gefunden.“

Lehrstelle: Nour Eddin Lata besuchte zuvor eine Deutschklasse an der Mittelschule Neutraubling. „Meine ersten beiden Praktika absolvierte ich beide im Einzelhandel und bei einem Zahnarzt. Von der Schule werde ich gut unterstützt. Mein Ziel ist es, den Abschluss zu schaffen und danach eine gute Lehrstelle zu bekommen. Ich habe ein gutes Gefühl.“

Rozhia Soleymannejad ist vielseitig interessiert. Foto: Schmautz
Nour Eddin Lata hat für seine Zukunft ein gutes Gefühlt. Foto: Schmautz
Naila Hasan hat ihren Wunschberuf bereits gefunden. Foto: Schmautz