Schaurige Gestalten treiben in der Stampfermühle in Berching ihr Unwesen

Ganz schön gruselig ging es in der historischen Stampfermühle zu: Markus Meyer hatte erstmals zur Rauhnacht mit Krampus und einer Perchtengruppe nach Berching eingeladen.
Der mit Fackeln und Feuerschalen beleuchtete Innenhof der Stampfermühle trug zur mystischen Stimmung bei. Zur Premiere kamen über 700 begeisterte Gäste aus der ganzen Region.
Zur Einstimmung spielte zunächst das Schoitn-Gsangl ehe einige Höllenfürsten den Auftakt für eine schaurig-schöne Nacht machten. Ein absoluter Höhepunkt war der Auftritt der Rauhnachtfreunde Jura unter Leitung von Thomas Meier aus Premerzhofen (Gemeinde Breitenbrunn). In deren Reihen wirken Krampusse aus Oberbayern, Niederbayern und der Oberpfalz mit.
Andrea Maria Gabler aus Deising war beeindruckt von der tollen Kulisse in der Stampfermühle und ebenso vom Publikum. Mit den Krampussen führte sie in die Bräuche und Sitten der Rauhnächte ein. Aber, so Gabler: „Wir legen größten Wert darauf, Kindern keine Angst einzujagen.“ Deswegen habe die Einladung nur für Gäste ab 12 Jahren gegolten. Und die wurden zurück in die Zeit der Urahnen geführt.
Zeiten voller Mystik
„In die Zeit, in der man noch an das Mystische geglaubt und mit der Natur gelebt hat“, erklärte Gabler. Die Rauhnächte würden auf das Mondjahr zurückgehen. „In der ersten Rauhnacht am 25. Dezember soll man eine Kerze aufstellen und über Nacht brennen lassen für unsere Ahnen“, empfahl Gabler. Die letzte Rauhnacht ende mit dem Heilig-Drei-König Tag. „Lärm und Streitigkeiten sollte man in der Rauhnacht-Zeit vermeiden, denn das lockt die bösen Geister an“, riet Gabler.
Alte Bräuche der Rauhnächte
Der Brauch, dass in den Raunächten keine Wäsche gewaschen und aufgehängt werden soll, sei eng mit der Vorstellung der „wilden Jagd“ verbunden. Laut der germanischen Mythologie sei in den Rauhnächten ein Heer von Reitern unterwegs, welches von Odin (auch Wotan genannt) und Frau Holle (ursprünglich eine nordische Göttin) angeführt werde, erzählte Gabler. Der Sage nach würden alle, die die wilde Jagd sähen, also sich im Freien befänden, von ihr mitgerissen.
„Im 19. Jahrhundert galten die Raunächte für unverheiratete Frauen als eine Gelegenheit, um mitternachts an einem Kreuzweg oder anderen magischen Ort ihren künftigen Bräutigam zu sehen. Die 17 Rauhnachtfreunde Jura lieferten dann mit glühenden Augen, höhnisch grinsenden Mündern, mit spitzen Zähnen und langen Hörnern eine atemberaubende Feuershow ab. Der Unterschied zwischen einem Krampus und einer Percht wurde auch erklärt.
Krampus und Percht
Die Krampusmaske ist menschlich und schmerzverzehrt mit heraushängender Zunge geschnitzt. Der Krampus trägt ein Ziegenfell, hat einen Glockengürtel und ist Begleiter des Nikolaus. Die Maske der Perchten ist der Natur nachempfunden und stellt ein Tier dar. Die Percht ist ein Fruchtbarkeitssymbol und soll böse Wintergeister vertreiben. Oft werden Perchten von Hexen begleitet. Der Brauch der Perchtenläufe geht auf einen vorchristlichen Volksglauben zurück. Namensgeberin ist die Schutzpatronin der Rauhnächte, Perchta.

