Kelheims Sicherheitswacht: Gibt’s die überhaupt noch?

Von Beate Weigert · 6. Januar 2025 um 11:00

Auch mancher Kelheimer Stadtrat fragte sich zuletzt, ob die erste und einzige Sicherheitswacht im Landkreis Kelheim noch aktiv ist. Das sagt die Kelheimer Polizei, die für die Ehrenamtlichen zuständig ist.

Laut der Homepage der bayerischen Polizei sollen Freiwillige, die sich in Sicherheitswachten engagieren, ein „Plus an Sicherheit, Zivilcourage und Zusammenhalt in unserer Gesellschaft“ sein. Seit etwas mehr als vier Jahren ist in Kelheim eine Sicherheitswacht installiert. Zuletzt kam öfter mal die Frage auf, ob es diese überhaupt noch gibt.

Ob Ehrenamtler, die ein Bindeglied zwischen Bürgern und Polizei sein sollen, ein wirksames Mittel im öffentlichen Raum für mehr Sicherheit und Ordnung sind, wurde in der Kreisstadt bereits vor der Ausschreibung der Sicherheitswacht kontrovers diskutiert. Und das ist noch immer so.

Kontroverse Sichtweisen

Bürgermeister Christian Schweiger etwa zählte bereits im vergangenen Kommunal-Wahlkampf nicht zu den Verfechtern einer Sicherheitswacht. Wie sich zum Jahresende in einer Stadtratssitzung zeigte, hat sich an dieser Auffassung nichts geändert. Schweiger bekannte, dass er sich etwa von den neuen, im Dezember installierten Überwachungskameras am Toilettenhaus am Volksfestplatz mehr verspreche, als von einer Sicherheitswacht. Und mancher Stadtrat fragte nach, ob es die Sicherheitswacht überhaupt noch gibt.

Ja, heißt es auf unsere Nachfrage bei der Kelheimer Polizeiinspektion (PI). Sie ist für die Sicherheitswacht zuständig.

Seit 19. Dezember 2020 sind die Ehrenamtlichen in Teams auf Kelheims Straßen und Plätzen unterwegs. Auch 2024 ging die Sicherheitswacht in Kelheim regelmäßig auf Streife, teilt eine Pressesprecherin der PI mit.

Laut Bayerns Polizei-Info im Internet sollen die Ehrenamtlichen „zusätzliche Augen und Ohren der Polizei im Dienste der öffentlichen Sicherheit und Ordnung“ sein. Sie sorgten etwa dafür, dass Menschen in Notlagen oder Gefahrensituationen schnell und gezielt professionelle Hilfe erhielten. Sie alarmierten Polizei oder Rettungsdienst und ergänzten quasi die Polizeiarbeit.

Nähere Infos zu den Streifgängen der Kelheimer Ehrenamtlichen gibt es von der lokalen PI nicht. Als Grund nennt die PI, dass „keine statistischen Daten über die Häufigkeit der generierten Einsätze bzw. der durchgeführten Kontrollen durch die Mitglieder der Sicherheitswacht erhoben“ würden. Daher könnten keine Aussagen getroffen werden, wie oft die Ehrenamtler etwa im vergangenen Jahr die Uniformierten hinzuholen mussten oder in welchen konkreten Situationen dies der Fall war bzw. wie oft.

Von Anfang an hatte Kelheims Polizeichef Manfred Vormittag klargestellt, dass die Freiwilligen keine Hilfssheriffs seien. Sie übernehmen keine Aufgaben der Polizei noch üben sie deren Befugnisse aus. „Sie ersetzen nirgendwo in Bayern den Schutzmann vor Ort oder handeln an seiner Stelle, sondern sie erhöhen die wahrnehmbare und aufmerksame Präsenz im öffentlichen Raum“, so fasst es die bayerische Internetseite der Polizei zusammen.

Gegen das Wegschauen

So sei auch das Ziel der Kelheimer Sicherheitswacht „nicht die Strafverfolgung oder Bewältigung bzw. Generierung von Einsätzen“. Es gehe vielmehr darum, dass „verantwortungsbewusste Bürgerinnen und Bürger ein präsentes Bindeglied zwischen Bevölkerung und Polizei“ seien. „Hierdurch soll der zunehmenden Unkultur des Wegschauens entgegen getreten werden“, betont die Kelheimer Polizeisprecherin. Die Freiwilligen sollen das „subjektive Sicherheitsempfinden der Bevölkerung“ stärken. So drehten die Kelheimer Sicherheitswachtler in früheren Jahren etwa nach dem Bekanntwerden von Autoaufbrüchen oder Wohnungseinbrüchen präventiv in den betrefflichen Straßen ihre Runden oder sie schauten an stadtbekannten Örtlichkeiten vorbei, die als mit unter problembehaftete Treffpunkte im öffentlichen Raum gelten.

Vor vier Jahren hatte sich Kelheims Polizeichef Manfred Vormittag gewünscht, dass das Team auf bis zu zehn Personen anwachsen könne, damit jeder Einzelne seltener drankäme.

Dazu kam es aber wohl nicht. Denn nun wurde auf unsere Nachfrage bekannt, dass das Team inzwischen auf drei Mitglieder geschrumpft ist.

Daher seien „für 2025 motivierte und verantwortungsbewusste Bewerber gesucht“. Die Kelheimer Polizei freue sich über „zahlreiche Bewerbungen, damit die Sicherheitswacht im neuen Jahr noch öfter für Bevölkerung und Polizei zur Unterstützung“ bereitstehe.

Vor zwei Jahren waren auch Freiwillige für eine Sicherheitswacht in Mainburg gesucht. Allerdings kam das Projekt bis heute aufgrund zu weniger, geeigneter Bewerbungen nicht zustande, sagt Mainburgs PI-Leiter Martin Wuchterl.

Neue Engagierte wären willkommen

Einsatz: Seit 19. Dezember 2020 ist Kelheims Sicherheitswacht im Dienst. Drei Männer und eine Frau zählten zum Start-Team. Inzwischen hat Kelheims Sicherheitswacht nur mehr drei Mitglieder.

Betreuung: Bei der Kelheimer Polizeiinspektion gibt es konkrete Ansprechpartner für die Sicherheitswachtler. Auf der PI starten und enden ihre Rundgänge. Dort werden diese auch vor- bzw. nachbesprochen.

Ausrüstung: Die Ehrenamtlichen tragen bei ihren Rundgängen ein Funkgerät, ein Reizgasspray, eine Taschenlampe und ein Erste-Hilfe-Set bei sich.

Bewerbung: Wer sich für das Ehrenamt interessiert, sollte mindestens fünf Stunden im Monat Zeit haben. Im Schnitt stehen 20 bis 25 Stunden pro Person und Monat an. Bevor es auf die Straße geht, gibt es eine Ausbildung. Zu den Inhalten zählen Basis-Wissen zum Strafrecht, zum Verhalten im Einsatz sowie praktische Übungen etwa zur Eigensicherung. Kontakt zur PI Kelheim: Tel. (0 94 41) 50 42-0.

Die Freiwilligen haben eine eigene Uniform. Ein Funkgerät gehört zur Ausrüstung.