Sengenthaler Firmengruppe Max Bögl baut am längsten Tunnel der Welt mit

Von Lothar Röhrl · 4. Januar 2025 um 11:00

Zwischen Innsbruck und Franzensfeste in Südtirol entsteht derzeit mit dem 55 Kilometer langen Brenner Basistunnel der längste Eisenbahn-Tunnel der Welt. Ein Großauftrag für die Sengenthaler Firmengruppe Max Bögl.

Denn sie ist eines der Unternehmen, welches die dafür benötigten „Tübbinge“ herstellt – die Bauteile der Außenschale eines Tunnels. In Sonderzügen werden diese von Sengenthal zur Baustelle transportiert.

Diese Sonderzüge mit 24 Waggons fahren zwar schon seit Februar 2024. Vor dem Jahreswechsel hat der Umfang der Lieferungen nach Steinach am Brenner die höchste Frequenz erreicht: Denn nahezu an jedem Werktag rollt derzeit ein solcher Zug von Sengenthal über Neumarkt, Regensburg und München an den Brenner. Dort werden die Tübbinge bis zu ihrem Einbau zwischengelagert.

Drei Tunnelröhren entstehen am Brenner Basistunnel

Mit dem Brenner Basistunnel entsteht ein Bauwerk der Rekorde. Denn eigentlich handelt es sich dabei um drei Tunnel: eine West- und eine Oströhre für jeweils ein Gleis sowie ein „Erkundungsstollen“ dazwischen. Weil noch neun Kilometer Tunnel für die Umfahrung von Innsbruck hinzugerechnet werden, wird der Brenner Basistunnel zum „Weltrekord“.

Der Bau ist in sieben Abschnitte unterteilt worden. Die Bögl-Tübbinge werden im 25,2 Kilometer langen Teilabschnitt „H53“ verbaut. Allein die Daten des Auftrags an die Firmengruppe Max Bögl lassen die gewaltige Dimension des gesamten Vorhabens erahnen.

Das Max Bögl Fertigteilwerk Sengenthal liefert im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Porr-Marti für die genannte Teilstrecke die Tübbing-Elemente. Für einen Ring werden sechs Tübbinge benötigt und ein „Sohlstein“ (die Sohle), auf dem das Gleisbett ruht.

In Sengenthal werden insgesamt 46 500 Tübbinge für 7756 Ringe produziert – plus ein Sohlstein pro Ring, also 7756 Sohlsteine. Dies ergibt die gigantische Summe von 530 000 Tonnen „hochwertigste Betonfertigteile“, wie Unternehmenssprecher Jürgen Kotzbauer informiert. Doch nicht nur die schiere Anzahl ist enorm – auch das Gewicht, das die Sonderzüge transportieren müssen: Denn ein Stein wiegt gut 9,6 Tonnen.

Max Bögl hat enorme Produktionskapazitäten

Dennoch: Die Produktion der Tübbinge reize die Kapazitäten der Firmengruppe Max Bögl bei weitem nicht aus, sagt Kotzbauer. Darüber hinaus würden derzeit in Sengenthal auch Fertigteile für den Hochbau – beispielsweise Hallen und Parkhäuser – sowie Windtürme und Bahnschwellen produziert. Auch diese werden oft auf dem rund fünf Kilometer lange Gleisanschluss vom Bögl-Werk zum Neumarkter Bahnhof transportiert.

Bis Ende November 2025 wird jeder Tübbinge-Zug auf seiner Fahrt nach Steinach im Wipptal mit jeweils 1400 Tonnen dieser hochpräzisen Fertigteile beladen sein. „Hochpräzise“ heißt es deshalb, weil laut einer Pressemitteilung von Bögl jeder Tübbing mit einer Maßgenauigkeit von plus/minus 0,3 Millimeter in einer mit einem Laser vermessenen Stahlschalung hergestellt wird.

Das Unternehmen sei sehr stolz darauf, seine Kompetenz zur Herstellung hochpräziser Tunneltübbinge in dieses herausragende Projekt einbringen zu können, sagt Klaus-Jürgen Malcher, der Geschäftsführer der Max Bögl Fertigteilwerke.

Auch dank der Bögl-Tübbinge kommt es ab Betriebsstart des Brenner Basistunnels im Jahr 2032 zu einer deutlichen Beschleunigung der Züge. Wegen der geringen Steigungen im Tunnel sollen Güterzüge dann mit bis zu 160 Stundenkilometern durchfahren können. Bei Reisezügen dürfen sogar bis zu 250 km/h erreicht werden. Das bedeutet, dass Personenzügen den Tunnel zwischen Innsbruck und Franzensfeste gut zwei Drittel schneller passieren als heute.

Übrigens: Bögl-Tübbinge wurden beispielsweise auch beim neuen S-Bahn-Tunnel im Hamburger Flughafen, für die Kölner Stadtbahn sowie beim City-Tunnel in Leipzig verbaut.

Wie die Röhre des Tunnels aussieht, zeigt ein Modell, das vor dem Informationszentrum in Franzensfeste steht. Foto: Mattias Arnold, dpa