Die Menschen des Jahres 2024 aus dem Landkreis Neumarkt

Von Mittelbayerische Zeitung · 1. Januar 2025 um 18:00

Sie haben in diesem Jahr etwas besonderes geleistet oder engagieren sich in besonderem Maße für die Gesellschaft im Landkreis: Die Menschen des Jahres 2024. Die MZ-Reporter Petra Schlierf, Bernhard Neumayer, Markus Rath und Nicole Selendt haben ihre Namen und Leistungen auf einer Seite zusammengetragen.

Stark im Team gegen Armut und Einsamkeit: Es war wahrlich keine einfache Zeit, in der Thomas Torres Caraballo die Leitung des Leb-mit-Ladens – Tafel in Neumarkt vor bald vier Jahren übernommen hat. Die Corona-Zeit und die Energie-Krise infolge des Ukraine-Kriegs haben dazu geführt, dass immer mehr Menschen die günstige Einkaufsmöglichkeit im Leb-mit-Laden nutzen. Und es ist immer wieder eine logistische Herausforderung, Lebensmittel und Dinge des täglichen Bedarfs zusammenzuholen und sie den Menschen zur Verfügung zu stellen. Thomas Torres Caraballo hat es in seiner Zeit in Neumarkt geschafft, Tausende von Neumarktern jeden Alters hinter dem Leb-mit-Laden zu versammeln. Nicht eine Woche ist in den letzten Monaten vergangen, in der das Neumarkter Tagblatt nicht Artikel über Spendenübergaben an den Leb-mit-Laden veröffentlicht hat: Vereine, Organisationen und Schulklassen helfen zusammen, damit Caraballo und sein Team jedem Bedürftigen etwas in die Einkaufstaschen füllen kann. Eine tolle Leistung. Foto: Romir
Erste Kommandantin im Landkreis: Die Feuerwehr Griesstetten/Arnsdorf befand sich in einer Krise: Auch nach mehreren Anläufen hatte sich niemand aus den Reihen der aktiven Feuerwehrleute gefunden, der den Posten des Kommandanten übernehmen wollte. Eine übernahm Verantwortung: Mandy Ploetz. Sie wurde im November zur Kommandantin gewählt – und wurde so die erste weibliche Kommandantin im Landkreis Neumarkt. Foto: Meier
Held mit Kelle in der Hand: Held des Monats März ist Wolfgang Wölfl. Der 90-Jährige arbeitet ehrenamtlich als Schulweghelfer bei der Grundschule Woffenbach. Während eines Einsatzes früh am Morgen verhindert er geistesgegenwärtig einen Unfall, indem er ein Kind von der Straße zieht, das von einem rücksichtslosen Autofahrer fast erfasst worden wäre. Trotz erhobener Kelle des Schulweghelfers hatte das Auto seine Geschwindigkeit nicht gedrosselt. Der Vorfall richtete den Fokus auf ein Problem, das im Raum Neumarkt viele Schulen haben: Es gibt kaum noch Ehrenamtliche, die den Job des Schulweghelfers machen wollen – obwohl der doch so wichtig wäre. Und Schulleiterin Gisela Winkler schlägt vor, an Schulen die Durchfahrt generell für bestimmte Zeiten zu verbieten – und Elterntaxis Einhalt zu gebieten. Foto: Bauer
Talent mit der Violine: Die 15-jährige Victoria Klin aus Sengenthal hat sich zusammen mit ihrer Klavierpartnerin Anna Gerdt aus Pocking bei Passau in der Duo-Wertung „Klavier und ein Streichinstrument“ beim diesjährigen bayerischen Landeswettbewerb „Jugend musiziert“ die Höchstpunktzahl erspielt. Damit hat sie sich souverän für den Bundeswettbewerb in Lübeck qualifiziert. Die 15-Jährige spielt seit ihrem dritten Lebensjahr Geige. Foto: Photostudios GmbH Regensburg
Polizistin wird Vogelretterin: Eine Polizistin der Polizei Parsberg hat im Mai einen verletzten Bussard gerettet. Das Tier war von einem Radfahrer gesehen worden, der auf dem Radweg zwischen Willenhofen und Grünstaude unterwegs war. Vor Ort fanden die Beamten das verletzte Tier, das offensichtlich nicht mehr fliegen konnte. Der Bussard konnte nur noch einen Flügel bewegen. Behutsam nahm ihn die Polizistin mit einer Decke auf und brachte ihn in die Vogelstation nach Regenstauf, wo er versorgt wurde. Foto: PI Parsberg
Gemeinsames Jubiläum: Bürgermeister Johann Lanzhammer aus Breitenbrunn und seinen Lupburger Kollege Manfred Hauser eint nicht nur ihr Amt. Sie verbindet auch eine Freundschaft. In diesem Jahr haben sie gemeinsam ein beachtliches Jubiläum gefeiert: Zusammen sind sie seit 50 Jahren im öffentlichen Dienst – erst in der Verwaltung (Lanzhammer) und bei der Polizei (Hauser), nun als Bürgermeister. Foto: Sturm
Ministranten aus Forchheim beim Papst: An diese erste Ferienwoche werden sich Alina, Anna, Clara, Paula, Ludwig, Emma und Thomas sicher immer gerne erinnern, denn sie war prall gefüllt mit unvergesslichen Erlebnissen. Die sieben Ministranten aus Forchheim waren mit 400 Jugendlichen aus dem Bistum Eichstätt in Rom. Einer der Höhepunkte: die Sonderaudienz mit Papst Franziskus auf dem Petersplatz – zusammen mit 50 000 Minis aus aller Welt. Foto: Schuster
Junger Feuerwehr-Chef: Für Jakob Frauenknecht ging es sehr schnell an die Spitze der Loderbacher Feuerwehr: Kaum war er 18 Jahre alt, wurde er zum Jugendwart, mit 23 zum Vorsitzenden gewählt. Statt Bedenken wegen seines jungen Alters haben die Mitglieder volles Vertrauen in ihn – auch, wenn er selbst sich nie in der Position des Vorsitzenden gesehen hatte. Angefangen hat Jakob Frauenknecht in der Jugendfeuerwehr – mit dem Traum vom Feuerwehrauto. Foto: Mahler
Mia Mederer ist Domspatz: Mia Mederer singt im zweiten Jahr bei den Domspatzen: Mia Mederer aus Lauterhofen stellte das Neumarkter Tagblatt in seiner Ausgabe vom 8. Januar vor. Die mittlerweile 14-Jährige war eines der ersten Mädchen, das im Mädchenchor der weltberühmten Regensburger Domspatzen aufgenommen wurde und so die mehr als 1000-jährige Geschichte des Chors umschrieb. Das bringt Mia auf die Liste der Menschen des Jahres. Foto: Schlierf
Die Banklsängerinnen: Weil sie sich in der Corona-Zeit nicht mehr zu Hause zum Musizieren zusammentun durften, haben sich Sonja Kunstmann und Monika Meier einfach draußen getroffen, sich gemeinsam auf ein Bankl gesetzt und mit ihren Steirischen zu spielen begonnen. Und diese lieb gewonnene Tradition haben die beiden einfach beibehalten. Immer wieder mal sind die Banklsängerinnen in der Region anzutreffen – wenn sie nicht grade bei Vereinen, in Kirchen oder für urige Wirtshausabende gebucht sind. Foto: Romir
Medaille für Erwin Gradl: Mit der höchsten Auszeichnung der Stadt Velburg hat der Stadtrat Erwin Gradl geehrt. Seit über 40 Jahren engagiert sich Gradl vereinsmäßig, kulturell, sozial und mit privatwirtschaftlichen Unternehmungen bei Wohn- und Geschäftsobjekten für die Allgemeinheit. Foto: Schön
Aus Liebe zum Wirtshaus: „Ein Hoch aufs Wirtshaus“ sang in diesem Jahr der Neumarkter Gastronom Josef Sammüller vom gleichnamigen Berghotel und nahm zusammen mit dem Musiker und selbstständigen Malermeister Josef Schön aus Neumarkt den Wirtshaussong samt Video auf. Schließlich stieg auch noch Tom Faupel aus Regensburg als professioneller Produzent in das Projekt ein. Ganz neu ist das Agieren vor der Kamera für Sammüller nicht – schließlich ist er mit seiner kleinen Ukulele in den sozialen Medien immer wieder mit lustigen Liedern und Themen rund ums Wirtshaus vertreten. Da gibt es unter anderem die „Supersau“ oder auch das Lied zum Vatertag.Den Wirtshaussong hat er produziert, um die Wirtshauskultur in Deutschland und der Region vor dem Aussterben zu retten. Mit dabei im Video sind übrigens auch Küchenchef Roman Kornberger, Karina Werning und Tanja Schmidt vom Service, Ann-Kathrin Nicklaus im Brautoutfit, Hauskatze Tabi und Ehefrau Katja. Foto: Katja Sammüller
In drei Monaten zum Nord-Kap und zurück: „Der Sommer 2023 war für mich sicher einer der besten meines Lebens“, sagt Thomas Weißmüller aus Möning. Wenn er an die drei Monate zurückdenkt, in denen er mit dem Rad unterwegs war, werden sofort viele schöne Erinnerungen wieder wach. Sein Ziel: das Nordkap, der nördlichste Punkt Europas. Auf dem Weg schloss er viele Bekanntschaften, etwa mit einem Rentnerpaar aus Nürnberg, das schon im März zum Nordkap gestartet war, oder mit einer vierköpfigen Familie, die bereits 3000 Kilometer unterwegs war. „Und wenn die Strecke anstrengend wurde, gab’s Musik aufs Ohr.“ Alle seine Eindrücke hielt er in einem Tagebuch fest. So konnten Familie, Freunde und Arbeitskollegen online verfolgen, wie weit er schon gekommen war. An Tag 70, am 23. Juli, hatte er sein Ziel erreicht – und kehrte wieder um gen Heimat. Passiert ist Weißmüller auf seiner Reise nichts: nur Muskelkater und eine kaputte Fahrradkette.Essen, trinken und eine Platz zum Schlafen hatte er immer, denn in Schweden und Norwegen kann man überall campen – vorausgesetzt, man hinterlässt den Campingplatz so, wie man ihn vorgefunden hat. Mehr als 2000 Bilder hat Weißmüller von seiner Reise gemacht und brachte am Ende sechs Kilo weniger auf die Waage. Foto: Thomas Weißmüller
Ein Jahr im fremden Estland: Als junges Mädchen in ein fremdes Land zu gehen, ohne die Sprache zu kennen und zu wissen, dass man seine Eltern ein Jahr nicht sehen darf – das muss man sich erst einmal trauen. Eine, die den Mut dafür aufgebracht hat, ist die Parsbergerin Magdalena Ott. Die 17-Jährige hat im letzten Schuljahr ihren Realschulabschluss gemacht und danach beschlossen, dass sie die Welt erkunden möchte.Ihre Wahl fiel auf Estland. Bereits im Vorfeld hatte sie sich lange mit Land und Leuten beschäftigt und Reiseführer gewälzt. Den Kontakt nach Hause hielt sie über WhatsApp oder Telefonate. Eine Vorgabe des Austauschprogramms war, dass die Jugendlichen ihre Eltern das ganze Jahr über nicht sehen – gegenseitige Urlaube waren also nicht erlaubt. Uns hat Magdalena von ihren Erlebnissen erzählt. Foto: LiinaLaurikainenPhotography
Leben für ein Hotel: Als Hotelier hat Lorenz Ferstl das Romantik Hotel Hirschen über mehrere Jahrzehnte erfolgreich geführt und auch geprägt. Bereits 1985 übernahm der Parsberger Diplom-Ingenieur für Lebensmitteltechnologie, Koch und Fleischermeister die Geschäftsführung in der elterlichen Metzgerei des damaligen Gasthofs Hirschen. Von 1990 stand er zusammen mit seiner Frau Andrea in der Gesamtverantwortung für den Hotelbetrieb. Ferstl baute den Hirschen zum Vier-Sterne-Superior-Hotel aus. Ab 2012 begann der schrittweise Rückzug, 2023 schied er dann als Gesellschafter aus. Seitdem führt er mit seiner Frau das neu gegründete Aparthotel Parsberg GreenDesign. Foto: Vera Gabler
Stadtführerin mit Leib und Seele: Schon ein Jahr bevor Velburg sein 600-jähriges Bestehen gefeiert hat, hatte Rosmarie Mändl 2010 damit begonnen, Stadtführungen anzubieten. Sie wollte die Geschichte der Stadt, die Anfang des 12. Jahrhunderts zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde, mehr ins Bewusstsein rücken. Mittlerweile ist sie 80 Jahre alt und führt noch immer, gewandet als die „Ratzenbergerin“, Gäste durch das historische Städtchen. Foto: Schön
Uli Hoeneß zu Besuch beim Jubiläum: Zum 75-jährigen Vereinsjubiläum des SV Seligenporten schaute kein Geringerer als FC Bayern-Legende Uli Hoeneß auf dem Sportgelände vorbei. Rund 400 Zuschauer wollten bei diesem Fan-Gespräch auf der voll besetzten Tribüne des Stadions dabei sein.Dabei präsentierte sich der meinungsstarke 72-Jährige in bester Rede- und Gesprächslaune, nahm im Dialog mit dem ehemaligen „kicker“-Chefreporter und Seligenportener Karlheinz „Carlo“ Wild kein Blatt vor den Mund. Knapp drei Stunden dauerte das Gespräch – davor, dazwischen und danach nahm sich Hoeneß viel Zeit für Autogramme und Selfies mit Besuchern. Schließlich trug er sich noch in das Goldene Buch Pyrbaums ein, bevor er nach wenigen Stunden im Landkreis Neumarkt den Heimweg antrat. Foto: Lesser
Landrat feiert Geburtstag: In diesem Jahr hat Landrat Willibald Gailler mit Mitarbeitern am Landratsamt und zahlreichen Ehrengästen seinen 70. Geburtstag gefeiert. Finanzminister Albert Füracker ließ sich durch den Anlass sogar dazu hinreißen, dem Landrat und früheren Bürgermeister von Freystadt ein kleines Ständchen zu singen. Von den Mitarbeitern im Landratsamt bekam Gailler eine Landkreistorte geschenkt. Foto: Endlein
Wieder aufgestanden: Nach der Insolvenz seiner Unternehmensgruppe im April 2023 hat Peter Burnickl aus Velburg nicht den Kopf in den Sand gesteckt – auch, wenn er das wohl gerne gemacht hätte. Doch der Velburger schaffte den Neuanfang und kam zurück. Mit der Pro Bauherr GmbH berät er jetzt Bauträger, wie sie verhindern können, dass ihnen bei ihren Projekten die Kosten davonlaufen. Foto: Rath
Generationenwechsel bei der Pferdeschau: Vier Jahrzehnte lang prägte Johann Paulus als ehrenamtlicher Organisator die jährliche Pferdeschau am Juravolksfest. Dieses Jahr übergab er diese Aufgabe an seine Nachfolgerin – wenn auch nicht ganz freiwillig. „Eigentlich hätte ich es gerne noch ein Jahr länger gemacht“, sagt der 66-Jährige. Doch leider kam ihm die Gesundheit dazwischen und er musste „seine“ Pferdeschau in neue Hände legen – in die von Sabrina Daiß. Und die ist unter Neumarkter Pferdefreunden keine Unbekannte, ist ihre Familie doch schon seit vielen Jahren beim Volksfestzug mit süddeutschen Kaltblütern dabei.Ihre Premiere in diesem Jahr ist jedenfalls geglückt. Tausende von Besuchern waren wieder dabei, als Pferdehalter aus ganz Bayern am letzten Tag des Volksfestes ihre Tiere vorführten. Foto: Mahler
75 Zeichen der Liebe: Vor 30 Jahren hatte die Neumarkterin Berta Forster (l.) eine zündende Idee. Und die hat noch heute Bestand. Seit 30 Jahren pflanzen Ehepaare in der Hochzeitsallee in Pölling Obstbäume. Mittlerweile säumen die Allee 75 Zeichen der Liebe. Nur eines hat sich mittlerweile geändert: Berta Forster ist heute nicht mehr Vorsitzende des Vereins. Diesen Posten hat ihre Schwiegertochter Ursula Forster übernommen. Foto: Mahler
Adelina Billner Bundes-Dritte: Adelina Billner aus der Gemeinde Berching hat im November an der Deutschen Meisterschaft der Augenoptiker-Gesellen teilgenommen – und ist als dritte Bundessiegerin zurückgekehrt. Die 19-Jährige arbeitet bei Optik Eichinger in Berching. Foto: Neumayer