Sternenkinder für alle sichtbar: Baum am Neupfarrplatz bot Platz für die Namen

Initiiert durch die Trauerbegleiterinnen Andrea Zrenner und Angelika Maierhofer hatten Eltern von Sternenkindern die Möglichkeit, unter dem Balkon der Alten Wache einen Stern mit dem Namen des verlorenen Kindes zu hängen.
„Auch die kleinsten Füße hinterlassen Spuren“, ist auf einem Stern zu lesen, der zwischen Nick, Kimberly, Lisbeth und Nicolla baumelt und vom Wind hin und her geschaukelt wird. Unter dem Baum liegt eine zerbrochene rote Christbaumkugel in Herzform, die vom Baum gerutscht ist. Wie ein Symbol lässt das Bild das gebrochene Herz der Eltern erahnen.
Initiiert durch die Trauerbegleiterinnen Andrea Zrenner und Angelika Maierhofer hatten in diesem Jahr Eltern von Sternenkindern die Möglichkeit, an einem Baum auf dem Neupfarrplatz unter dem Balkon der Alten Wache einen Stern mit dem Namen des verlorenen Kindes zu hängen. Mehr als 40 Eltern folgten seit dem 8. Dezember dieser Einladung.
Sternenkinder sind Kinder, die vor oder kurz nach der Geburt gestorben sind. Die Initiatorinnen sind selbst betroffen und wissen, wie sehr der Verlust schmerzt. „Ich hatte gehofft, dass das Projekt viele Familien erreicht“, sagt Veronika Maierhofer, die vor einigen Jahren in der Schwangerschaft ihre Tochter Rebekka verlor. Dass es nun in kurzer Zeit so viele Sterne geworden sind, überrascht sie trotzdem.
Das Todesdatum vermerkt
Auf vielen Sternen wurde das Todesdatum vermerkt. Es sind Kinder dabei, die bereits in den 1970er Jahren gestorben sind. „Das zeigt, dass sie immer im Herzen der Mütter präsent bleiben“, sagt Andrea Zrenner. Sie weiß, wovon sie spricht, denn in diesen Tagen jährte sich der Geburts- und Todestag ihrer Tochter Charlotte zum 20. Mal.
Am Stand von Zrenner auf dem Christkindlmarkt konnten Betroffene einen wetterfesten Acryl-Stern für den Baum gestalten. Dafür hat sie die Eltern hinter den Verkaufstresen geholt, um ihnen dabei Ruhe zu gönnen. „Es kam zu vielen sehr persönlichen Gesprächen“, sagt sie. Es waren Mütter dabei, deren Verlust noch frisch ist, ebenso wie Menschen, die die Trauer schon länger als Teil ihres Lebens mit sich herumtragen. Alle einte die Freude, dass der Stern am Baum ihr Kind sichtbar macht. „Sternenkinder waren für das Umfeld oft nicht da, weil die Eltern nie mit dem Kind zusammen gesehen wurden“, erklärt Zrenner.
Für Eltern sei es das Schlimmste, Sprüche zu hören wie „Das wird schon wieder“ oder „Du bist ja noch jung und bekommst bald ein anderes Kind“. „Es ist verletzend, denn es erkennt nicht an, dass man ein Kind hatte.“ Gerade für Mütter sei es schwer, denn sie seien schon vor der Geburt Mutter und hätten eine Beziehung zu dem ungeborenen Kind. Viel Zuspruch gab es auch für den Standort des Baumes im Treiben auf dem Markt. „Vielen ist wichtig, dass das Thema mitten im Leben Platz findet und nicht tabuisiert wird“, erklärt Zrenner.
Sterne ziehen bald um
Mit dem Ende des Marktes wurden die Sterne nun abgenommen und ziehen um. Sie sollen bald im Garten des neu eröffneten Emmeram-Forums dauerhaft an einem Baum hängen. Für Januar ist ein Vernetzungstreffen der Unterstützer wie Donum Vitae, Hospizverein Regensburg, Ambulanter Kinder- und Jugendhospizdienst Regensburg sowie den beiden Trauerbegleiterinnen geplant, um ein Netzwerk Sternenkinder zu gründen, das vorhandene Angebote bündelt.
Vom 4. bis zum 11. Mai 2025 hat Veronika Maierhofer im Emmeram-Forum eine Themenwoche rund um Sternenkinder und Trauer organisiert, die sich an Fachleute, Betroffene und Interessierte richtet. Andrea Zrenner wird einmal pro Monat im Emmeram-Forum eine Sternenzeit anbieten und einen Abend für betroffene Eltern gestalten. Unterstützt wurde die Initiative auch vom Hotel Goliath, dem Werkhof und Farben Eckert.