Wie ein Straßenhund an die Donau kam: Hohenschambacher schreibt Kinderbuch für guten Zweck

Eigentlich hatte Uwe Kalden das Buch für seine eigenen Kinder geschrieben. Jetzt erscheint die Geschichte über Straßenhund Egon als Buch – zum guten Zweck. Der Autor erzählt von Portugal, Weihnachten und besonderen Ehrenamtlichen.
Warum der Hund Egon heißt, will Uwe Kalden nicht verraten. „Das ist auch für einen Hund kein schöner Name.“ Die Antwort darauf erfahre der Leser am Ende seines Kinderbuchs „Egon findet sein Zuhause“. Geschrieben hatte der Hohenschambacher es ursprünglich für seine Kinder – jetzt veröffentlicht er es für den guten Zweck. Der Erlös geht an die Telefonseelsorge.
Es sei die Geschichte eines „cão de rua“, eines Straßenhundes, wie es sie viele in Portugal gebe, erzählt der Autor. Erzählt werde, wie dieser Vierbeiner zu einer Familie finde und viele kleine und große Abenteuer erlebe. „Ein ganz bisschen ist es wie eine Biografie“, erzählt der 64-Jährige. Mit seiner Familie habe er zwischen 1995 und 2000 in Portugal nahe Lissabon gewohnt. „Irgendwann ist uns dieser Hund zugelaufen und dann sind mit dem Kerl ganz lustige Geschichten geschehen – auch aufregende.“
Von Lissabon nach Bayern
Eben diese Abenteuer verarbeite er in seinem 76-seitigen Buch – mal mit mehr, mal mit weniger künstlerischer Freiheit. „Das Meiste in dem Buch stimmt tatsächlich“, sagt er. Denn: „Die wirklichen Geschichten, die man so erlebt, das sind meistens auch die spannendsten“, erklärt der Autor.
Ursprünglich ist Kalden nicht begeistert gewesen, den Hund zu behalten. Schließlich habe die Familie gewusst, dass sie nach Deutschland zurückgehen würde, erklärt der Hohenschambacher. Oder sollte sie den Hund doch mitnehmen? Und tatsächlich machte sich die Familie auf den Weg – rund 2700 Kilometer von Lissabon nach Regensburg. Im Auto: zwei Erwachsene, drei Kinder, zwei Katzen – und Egon, der Straßenhund. Im Nachhinein sei er sehr glücklich gewesen, dass sie Egon aufgenommen hatten.
Wie aber kam es, dass der Straßenhund in dem Buch verewigt wurde? „Bei uns war immer wichtig, dass die Kinder eigentlich zu Weihnachten nichts kaufen sollten. Wir fanden es besser, wenn sie etwas selbst gemacht haben“, sagt Kalden. Irgendwann hat er sich an die eigene Nase gefasst und sich gedacht: „Da schreibst du denen mal so ein kleines Büchlein.“ Thema: Egons Geschichte. Das sei vor rund zehn Jahren gewesen.
„Das war natürlich ein rechter Aufwand“, sagt der Autor. Er habe das Buch immer abends nach der Arbeit geschrieben. „Es war ziemlich anstrengend, aber ich habe es hingekriegt.“ Zu Weihnachten habe jedes seiner Kinder ein Exemplar bekommen. Vor ungefähr einem Jahr habe er sich dann gedacht, „da war noch Luft nach oben“. Illustrationen sollten das Buch ergänzen. Er habe seine Geschichte korrigiert und ihr den „Feinschliff“ gegeben, sie hier und da angepasst und seine Cousine in Berlin gebeten, die passenden Zeichnungen zu machen. „Die war sofort bereit.“ Angelehnt an echte Fotos habe Iris Kalden in ihrer Freizeit die Illustrationen gefertigt.
Der Erlös nach Abzug aller Kosten geht an die Telefonseelsorge. „Deswegen wollte ich es mit möglichst wenig Geld machen.“ Das habe bedeutet: alles selbst machen, vom Cover bis zum Korrekturlesen – auch wenn es dadurch ein bisschen länger gedauert habe. Rund ein dreiviertel Jahr später erscheint nun das Buch im Selfpublishing (im Eigenverlag).
„Ein bisschen helfen“
Die Telefonseelsorge liegt ihm am Herzen. Die Seelsorger seien per Telefon, Mail oder Chat „zu jeder Tages- und Nachtzeit“ erreichbar, für jemanden mit Suizidgedanken genauso wie für eine an Weihnachten einsame Seniorin. Wegen der Anonymität sei dieses Angebot auch sehr gefragt und die Hemmschwelle, anzurufen, niedriger, erklärt Kalden. Die mehr als 7000 Ehrenamtlichen in Deutschland, davon rund 100 in Regensburg, seien dabei keine professionellen Psychologen, sondern Freiwillige mit einjähriger Zusatzausbildung.
Das Angebot werde fast ausschließlich von den Kirchen finanziert, von Diakonie und Caritas, erläutert Kalden. Man merke aber, „dass die Gelder knapper werden“. Kalden sagt: „Da war der Gedanke: Kann ich da vielleicht ein bisschen helfen?“ Die Idee mit dem Buch war geboren. Den Schauspieler aus den Bibi & Tina-Filmen, Louis Held, konnte Kalden außerdem zur Unterstützung des Projekts für eine Video-Botschaft auf Youtube gewinnen. Und Egon? Der ehemalige Straßenhund ist nach rund fünf Jahren in seinem neuen Zuhause gestorben. Es war für alle eine unvergesslich Zeit.
Telefonseelsorge: An die Telefonseelsorge können sich Menschen in psychischen Krisen wenden. 24 Stunden, sieben Tage die Woche ist die Seelsorge erreichbar. Die überwiegend Ehrenamtlichen versuchen zu helfen, zu unterstützen oder auch nur zuzuhören – alles anonym. Nicht einmal Freunden dürfen die Telefonseelsorger von ihre Arbeit berichten. Erreichbar unter Tel. 0800-1 11 01 11 oder -1 11 02 22, per Mail und Chat auf www.telefonseelsorge.de.
Kinderbuch: „Egon findet sein Zuhause“ gibt es gedruckt für 19,90 Euro oder als E-Book für 7,49 Euro im Buchhandel; Altersempfehlung: ab acht Jahren.