Das Städtedreieck soll seine Potenziale besser nutzen – die Frage ist nur wie

Von Thomas Rieke · 19. Dezember 2024 um 17:00

Die drei Werbegemeinschaften und der Zweckverband Städtedreieck trafen sich kürzlich erstmals zu einem Austausch über „Wirtschaft und Politik“. Das Ergebnis: Laut Pressemitteilung sehen die Vorsitzenden der Institutionen in mehrerlei Hinsicht Handlungsbedarf. Über die Möglichkeiten zur Wirtschaftsförderung gingen die Meinungen dann aber teils doch ziemlich weit auseinander, wie MZ-Recherchen ergaben.

Sebastian Hauser, Geschäftsleiter des Zweckverbands, hatte die Spitzen der Werbegemeinschaften zum Treffen mit Bürgermeistern eingeladen: Timothy Adkins und Harald Braun vertraten die Interessengemeinschaft Teublitzer Unternehmer (ITU), Julia Krempl die Werbegemeinschaft Maxhütte-Haidhof, Imad Cheikho und Benedikt Göhr das Wirtschaftsforum (Wifo) Burglengenfeld.

Verschiebung in die Mitte des Landkreises

„Wir sprechen heute nicht nur für die Einzelhändler und die Betriebe, die in den drei Werbegemeinschaften organisiert sind, sondern für die gesamte Wirtschaft im Städtedreieck“, wird Burglengenfelds Citymanager Wolfgang Dantl zitiert. Er brachte auch den Handlungsbedarf zur Sprache. Demnach verliere das Städtedreieck als Wirtschaftsstandort an Bedeutung, der Schwerpunkt der Entwicklung verschiebe sich „erkennbar in die Mitte des Landkreises“.

Konkrete Zahlen, die dies belegen würden, gibt es dafür (noch) nicht, räumte Dantl auf Nachfrage ein. Aber zum Beispiel die Entscheidung, das Mittelstandszentrum Maximilianshütte (MZM) sterben zu lassen und im Städtedreieck nicht durch ein neues Gründerzentrum zu ersetzen, sei ein Indiz für die Tendenz.

Mangel an Grundstücken für Neuansiedlungen

Einig war man sich laut Pressemitteilung, dass man als Städtedreieck deutlich größeres Potenzial hätte. Um es auszuschöpfen, sei es ratsam, gemeinsam aufzutreten. Neben bürokratischen Hindernissen bei der Ansiedlung von Gewerbe berichteten die Bürgermeister unisono vom „immer schwierigeren“ Immobilienmarkt. „Was nützt eine Anfrage eines Unternehmens, das über hundert Arbeitsplätze schaffen und Millionen investieren möchte, wenn keine Gewerbefläche zur Verfügung steht?“, brachte es Maxhüttes 2. Bürgermeister, Franz Brunner (SPD), auf den Punkt.

Thomas Beer (CSU), Rathauschef in Teublitz, wünschte sich einen gemeinsamen Einkaufsgutschein für das Städtedreieck. Damit könnten die Werbegemeinschaften ihrerseits als kollektiver Einzelhandelsstandort auftreten, meinte er. Sein Burglengenfelder Kollege Thomas Gesche (CSU) verwies darauf, dass die Förderung von Wirtschaft und Handel „natürlich wichtig“ sei. Doch derzeit ließe in allen drei Städten die Haushaltslage keine großen Sprünge zu. Gesche wörtlich: „Leider ist nicht alles machbar, was sinnvoll wäre.“

Erst am Anfang der Debatte

Soweit die Presseerklärung. Konkrete Forderungen, wie Wirtschaftsförderung aussehen sollte, wurden dem Vernehmen nach nicht erhoben. Man stehe ja erst am Anfang der Debatte, hieß es auf Anfrage. Umso wichtiger sei es, dass man sich bald wieder treffe.

Irritiert reagierten Vertreter der Werbegemeinschaft auf eine Aussage von Bürgermeister Beer: In der jüngsten Versammlung des Zweckverbands hatte zwar auch er bestätigt, der Austausch sei „sehr fruchtbar“ gewesen. Allerdings, so merkte er an, seien die Ansichten teils „diametral auseinander gegangen“. Was er damit meinte?

Beer erklärte, in besagtem Treffen seien sehr wohl Visionen von größerer Tragweite genannt worden. Zum Beispiel sollte ein neues Gründerzentrum auf den Weg gebracht werden oder ein Workspace-Center, womit Büroräume gemeint seien, die kurzfristig für Homeoffice gemietet werden könnten. Diesbezüglich habe er, Beer, ähnlich wie Gesche, etwas auf die Bremse gedrückt. Aktuell sei man eben nicht in der Lage, in den geschilderten Dimensionen zu handeln. Lieber erst einmal gemeinsame Gutscheine.

Die nächsten Termine schon im Auge

Bürgermeister Thomas Gesche lud die Teilnehmer der Runde für Februar ins Rathaus nach Burglengenfeld ein, um den konstruktiven Austausch fortzusetzen.

Der Zweckverband plant ferner für das Frühjahr die Neuauflage des Wirtschaftsempfangs, der heuer im März viel Aufmerksamkeit erzeugt hat. Die Werbegemeinschaften sicherten ihre Unterstützung zu. Denn „Netzwerke und Kontakte sind für uns Gewerbetreibenden das A und O“, so Benedikt Göhr.