Regensburger Immobilienmakler: „Wir merken die Erbengeneration“

Von Marion Koller · 18. Dezember 2024 um 09:00

Bei Remax fragen heute junge Leute nach teuren Wohnungen. 1999, als die Niederlassung in Regensburg gegründet wurde, waren Altstadt-Immobilien noch günstig.

Vor 25 Jahren hat Dr. Werner Gross das Maklerbüro Remax in Regensburg etabliert. „Die Immobilienpreise haben sich in dieser Zeit gewaltig nach oben entwickelt“ sagt er. „Damals hat man in Regensburg eine neue Wohnung für einen Quadratmeterpreis von 2000 bis 2500 Euro bekommen.“ In der Altstadt sei der unsanierte Quadratmeter für 800 Euro zu haben gewesen, erinnert sich der 73-Jährige beim Pressegespräch in der Prüfeninger Schloßstraße.

Fast keine unsanierten Wohnungen in der Altstadt mehr

Heute gibt es fast keine Altstadtwohnungen mehr, die nicht saniert sind. Bei den wenigen, die es noch gebe, koste der Quadratmeter rund 3000 Euro. Für ungewöhnliche Denkmalimmobilien wie das neu sanierte Wiedamannhaus werden mehr als 10.000 Euro je Quadratmeter verlangt. Gross beobachtet aber, dass durchschnittlich 7000 Euro fällig werden.

Doch Luxushäuser sind nicht der Alltag von Remax. „Wir machen das Brot-und-Butter-Geschäft“, sagt der Geschäftsführer. Im Immobilien-Marktbericht 2024 von Remax sind das Apartments in Pentling und bei der Universität, Einfamilienhäuser in Kumpfmühl und im Städtedreieck.

Die Käufer verändern sich. „Wir merken die Erbengeneration“, sagt Werner Gross. „Wenn sich 28-Jährige für Objekte interessieren, die zwei Millionen Euro kosten.“

Notartermin zur Juliska-Bar

Eine Immobilie, die großes Interesse weckte, als sie 2023 auf den Markt kam, war die Reinhausener Juliska-Bar, ein Gebäudekomplex von 1880. Zwei Millionen Euro will Bordellkönigin Juliane Streich dafür. Nach einem ersten, überraschenden Rückzieher der Besitzerin sei inzwischen eine Einigung erzielt worden, sagt Werner Gross. Der Notartermin steht im Januar an. Wohnungen für Arbeitnehmer sollen entstehen.

Andere Interessenten wollten Studierende oder Asylbewerber unterbringen. Beide Vorhaben seien wieder aufgegeben worden. Die Juliska-Bar und auch die beiden Denkmalschutz-Wohnhäuser in der Goldene-Bären-Straße für zehn Millionen Euro, die Remax kürzlich an den Mann gebracht hat, sind Ausnahmeobjekte. Zurzeit steht auch ein außergewöhnliches Wohnhaus in der Werftstraße zum Verkauf, das aber saniert werden muss – mit Brand- und Hochwasserschutz.

„Man muss essen, trinken und wohnen“

In 80 Prozent der vermittelten Wohnungen und Häuser ziehen die Käufer ein. „Man muss essen, trinken und wohnen“, sagt Gross. Auch in Krisen laufe das Geschäft kontinuierlich, weil der Bedarf da ist. Die Menschen ziehen heute in ihrem Leben acht- bis zehnmal um, viel öfter als früher.

Bei den Immobilienmaklern melden sich aber auch Leute, die ein Haus nur besichtigen möchten. „Die wollen sehen, wie der Nachbar gewohnt hat.“ Wohnungstouristen werden sie von den Fachleuten genannt.

Manche Verkäufer neigen zu Fantasiepreisen. Sie bringen Argumente vor wie: „Ich war dabei, als der Marmor in Carrara geschlagen wurde.“ Remax-Geschäftsführer Werner Gross weiß jedoch, dass das den Käufer nicht interessiert. Wer einen zu hohen Preis anstrebt, schreckt die Interessenten ab.

Fantasiepreis schreckt ab

„Stellen Sie sich vor, wir fangen bei einem Objekt, das 600.000 Euro wert ist, mit 900.000 Euro an. Und dann gehen wir zweimal runter.“ Es heiße dann, die gehen bestimmt noch weiter runter. „Das ist der Tod der Immobilie.“ Beim Haus- oder Wohnungskauf handelt es sich in der Regel um das größte finanzielle Engagement einer Familie. Deshalb müssten die Makler so sorgfältig wie möglich arbeiten. Nur ein Problem belastet Remax. Es bewerben sich kaum mehr geeignete Azubis. Entweder das Deutsch oder das Mathe-Verständnis lassen zu wünschen übrig.

Vom Zap ins Maklerbüro

Remax: Dr. Werner Gross, ein gebürtiger Ulmer, hat das Remax-Büro in Regensburg 1999 gegründet. An der Universität Regensburg hatte er Betriebswirtschaftslehre und Jura studiert. Während des Studiums betrieb er zusammen mit einem Geschäftspartner den Kellerclub Zarap Zap Zap. Gross arbeitete zunächst als Rechtsanwalt. Bei Remax Regensburg sind derzeit 40 Menschen beschäftigt, 30 davon sind selbstständige Makler. Gross hat das System in den USA kennengelernt. 300 Immobilien pro Jahr vermitteln die Makler.

Familie: Werner Gross ist Witwer und hat drei Töchter.

„Es gibt Wohnungstouristen, die wollen sehen, wie der Nachbar gewohnt hat“, erlebt Dr. Werner Gross, Geschäftsführer von Remax Regensburg. Foto: Tobias Büttner