Von Musiker zu Musiker: Führung wechselt im Regenstaufer Kulturkeller Tom’s Bühne

Vor wenigen Wochen hatte Benedict Kutzer vor dem Konzert der Band Uncle Sally noch einen Nachfolger für die Leitung des Regenstaufer Kulturkellers Toms‘ Bühne gesucht. Doch schon kurz nach dem Schlussapplaus zeichnete sich ab, dass der Gesuchte gerade auf der Bühne gestanden ist. Ab 1. Januar übernimmt der Lappersdorfer Musiker Sepp Zauner die Leitung der beliebten Bühne in Regenstauf.
Seit 2021 hat sich Benedict Kutzer darum gekümmert, den Gewölbekeller unter dem Thomas-Wiser-Haus wieder mit Kultur zu füllen. Denn auch Tom‘s Bühne hatte die Corona-Pandemie voll erwischt. „Wir mussten wieder von Null anfangen“, erinnert sich Kutzer an die Zeit, als es darum ging, wieder Publikum für Konzerte zu gewinnen.
Kultur für den guten Zweck
Wie schwer das damals war, lernte Kutzer von beiden Seiten kennen. Schließlich ist er selbst Musiker und spielt in mehreren Bands vor allem Mandola und Bodhrán, eine irische Rahmentrommel. Trotzdem reizte ihn der besondere Ansatz von Tom’s Bühne. Denn hier geht es nicht um den Profit. „Wir machen Kultur für den guten Zweck“, umschreibt Kutzer den Ansatz. Die Einnahmen kommen dem Regenstaufer Kinderheim zugute. Kutzer arbeitete als Sozialpädagoge in den Gruppen der Einrichtung und kümmerte sich um das Management für die Bühne im Keller.
Das Gewölbe gehört zu den reizvollsten Veranstaltungsorten im Landkreis. Hier ist der Kontakt zwischen Musikern und Besuchern unmittelbar, beinahe intim. Der Funke springt fast immer sofort über. „Ein wahnsinniger Raum“, sagt Kutzer über den Kulturkeller.
Platz für bis zu 100 Besucher
Vor mittlerweile zwölf Jahren stand dort erstmals eine Band auf der Bühne. Zuvor war der Gewölbekeller unter dem denkmalgeschützten Gebäude aufwendig restauriert worden. Es entstanden ein großer Raum mit abgehängter Akustikdecke sowie eine Bühne, die ihren ganz besonderen Charme durch die unverputzte Mauer des Gewölbes erhielt. Ausgestattet mit moderner Licht- und Tontechnik wurde ein Veranstaltungsort geschaffen, der keine Wünsche offenlässt. Bestuhlt bietet er Platz für rund 80 Zuschauer, maximal finden 100 Besucher in dem Gewölbe Platz. In einem Nebenraum gibt es eine voll ausgestattete Bar mit einem langen Tresen und einigen kleinen Tischen. Bei Kulturveranstaltungen sind hier die Bewohner der Jugendwohngruppe im Einsatz. Der Gewölbekeller ist ein Stück weit ihr Projekt. Sie kümmern sich um Bestuhlung, Garderobe und den Getränkeverkauf. Das Trinkgeld dafür dürfen sie behalten und finanzieren sich damit Ferienfreizeiten oder andere Projekte.
„Das ist ziemlich cool“, sagt Kutzer. Denn viele Besucher und Künstler, die das erste Mal in Tom’s Bühne kommen, sind begeistert von der besonderen Verbindung zwischen Kinderheim und Veranstaltungsort. Das sieht auch Franz Raschof so, der Geschäftsführer des Thomas-Wiser-Hauses. Für ihn ist der Gewölbekeller ein „Riesengewinn für Regenstauf“. Denn ansonsten gebe es im Markt kaum einen Ort für Konzerte oder Kleinkunst. „Wir sorgen für kulturelles Leben“, sagt Raschof, der froh ist, dass der Fortbestand der Bühne jetzt erst mal gesichert ist.
Nachfolger fehlte zunächst
Das sah eine ganze Zeit lang gar nicht so aus, nachdem sich Kutzer neben seiner Arbeit in den Wohngruppen nun beruflich anders orientieren will. Fand sich doch zunächst kein Nachfolger für ihn. Diesen Part übernimmt jetzt Sepp Zauner. Er arbeitet nicht in den Wohngruppen des Heims, sondern wird sich in Teilzeit um die Bühne kümmern. „Ich freue mich schon drauf“, sagt Zauner, mit dem ein weiterer Musiker auf die Veranstalterseite wechselt. Denn Zauner spielt Geige, ebenfalls in einer ganzen Reihe von Bands.
Er bringt auch Erfahrung als Veranstalter mit. Hat er doch vor zwei Jahren ein großes Ukraine-Benefizkonzert im Aurelium organisiert. „Und ein Musiker ist sowieso immer ein Stück weit sein eigener Veranstalter“, sagt er. Zauners erste Herausforderung ist es nun, in relativ kurzer Zeit ein Programm fürs nächste Jahr auf die Beine zu stellen. Dafür kann er auf ein großes Musiker-Netzwerk zurückgreifen.
Und erste neue Ideen hat er auch schon. So kann er sich vorstellen, auch mal eine Veranstaltung am Sonntagnachmittag anzubieten oder Volksmusik in den Kulturkeller zu holen. Und dann ist da noch die Wiener Kultband „5/8 in Ehr'n“. „Die würde gut in Tom’s Bühne passen“, ist Sepp Zauner sicher.
Literarisch-musikalische Stabübergabe
Am 22. Dezember steht um 16 Uhr die offizielle Stabübergabe in Tom‘s Bühne auf dem Programm. Dazu bringt Autor und Liedermacher Hubert Treml seine Oberpfälzer Weihnachtserzählung „da Rouchl“ mit. Zu hören und zu sehen ist ein zeitloses Stück Literatur in heimischer Mundart, das von Treml erzählt, gespielt und gesungen wird. Musikalisch zur Seite stehen ihm dabei die beiden Gastgeber Sepp Zauner und Benedict Kutzer. Hubert Treml hat seine Adaption des Weihnachtsklassikers von Charles Dickens auch für den Bayerischen Rundfunk produziert – und sorgt für einen vorweihnachtlichen Kleinkunstabend in Regenstauf.
Karten gibt unter Tel. (0 94 02) 9 30 20 von Montag bis Donnerstag zwischen 7.30 und 17 Uhr sowie am Freitag zwischen 7.30 Und 13 Uhr. Die Karten kosten im Vorverkauf 13 Euro und an der Abendkasse 15 Euro.
