Seit einem Jahrzehnt kämpft Wiesent gegen das Mega-Projekt Steinbruch: Wann wird entschieden?

Von Walter Schießl · 15. Dezember 2024 um 09:00

Die Genehmigung für einen zwölf Hektar großen Steinbruch nahe Ettersdorf im fürstlichen Thiergarten lässt auch nach etlichen Monaten der behördlichen Entscheidungsfindung durch das Landratsamt weiter auf sich warten.

Zwar sei dort die Prüfung der von 25 Fachstellen abgegebenen Unterlagen jetzt abgeschlossen, teilt Pressesprecherin Claudine Tauscher mit, doch jetzt sei die Kreisbehörde mit deren Auswertung befasst. Eine Einschätzung über den Zeitpunkt des Bescheiderlasses könne derzeit nicht abgegeben werden, lässt die Pressesprecherin weiter wissen.

So lang wie kaum ein anderes Verfahren dauert die Entscheidung über den vom Mallersdorfer Bauunternehmer Robert Fahrner beantragten Bescheids.

Vor zehn Jahren ging alles los

Der Niederbayer hatte sich schon vor gut zehn Jahren mit dem Fürstenhaus Thurn und Taxis geeinigt, das Areal am Nordende des Thiergartens für Gesteinsabbau nutzen zu dürfen. Der mittelständische Unternehmer, der auch im Raum Regensburg viele Baustellen betreibt, muss Gesteinsmaterial bislang aus dem bayerischen Wald herbeitransportieren lassen, was die Kosten in die Höhe treibt und die Anwohner von Gemeinden, durch die diese Transporte laufen, nicht gerade freundlich stimmt.

Nachdem die Fahrner-Pläne vor einem Jahrzehnt bekannt geworden waren, liefen Wiesenter Bürger Sturm, sie gründeten eine Bürgerinitiative gegen das Vorhaben, postierten große Protestschilder am westlichen Ortseingang, taten ihre Ablehnung bei Versammlungen kund und sammelten über 11 000 Unterschriften, auch während der Schlossfestspiele vor dem fürstlichen Areal am Emmeramsplatz in Regensburg. Besonders groß war der Widerstand im Gemeindeteil Ettersdorf, der dem Steinbruch am nächsten gelegen wäre. Dort befürchtet man eine Beeinträchtigung der Wohnqualität durch Lärm, steigendes Verkehrsaufkommen und schlechtere Luft. Dem damaligen Ministerpräsidenten Horst Seehofer wurde bei einem Termin am nahen Nepal-Tempel die Einwendungen der Wiesenter persönlich übergeben. Das änderte aber an der Sachlage ebenso wenig wie das Einschalten des Petitionsausschusses des Landtags.

Schließlich war die Oberpfälzer Regierung am Zug, die 2016 den Steinabbau im Landschaftsschutzgebiet unter bestimmten Auflagen als „raumverträglich“ einstufte. Im Ergebnis wurde unter anderem konstatiert, dass der Eingriff in eine Waldfläche von zwölf Hektar verglichen mit der Gesamtfläche des Thiergartens von 2800 Hektar nicht schwerwiegend sei.

Müssen die Gegner klagen?

Für die immissionsschutzrechtliche Prüfung und damit die Genehmigung selbst ist das Landratsamt zuständig. Es befand zunächst, dass der Antragsteller sein Begehr mit einer Flut von schriftlichen Unterlagen begründen musste, beteiligte 25 Fachstellen und Gebietskörperschaften am Verfahren und nahm die 200 Bedenken von Wiesenter Bürgern zu Protokoll. Mit der Prüfung des gesamten Vorhabens ist derzeit eine Sachbearbeiterin des Sachgebietes Immissionsschutz beauftragt, ließ Pressesprecherin Claudine Tauscher jetzt wissen. Auszuwerten sind die Stellungnahmen der Fachstellen, bevor dass die Entscheidungsfindung ansteht. Sollten sich, so die Auskunft der Behörde weiter, noch offene Fragen ergeben, müssten die Fachstellen erneut kontaktiert werden. „Da die Bearbeitung einen erheblichen Umfang haben dürfte, könne keine sichere Einschätzung über den Zeitpunkt des Bescheiderlasses gegeben werden“, so Claudine Tauscher.

In der Gemeinde steht man natürlich Gewehr bei Fuß. „Wir werden den Bund Naturschutz natürlich auch finanziell bei seiner Klage gegen das Vorhaben unterstützen“, sagt Verwaltungsleiter Klaus Eschbach. Sollte der Plan vom Landratsamt genehmigt werden, würde der BN seine Klage vor dem Verwaltungsgericht Regensburg einreichen.

Er könne wesentlich aussichtsreicher klagen als die Gemeinde das tun könnte, sagt Eschbach. Die Gemeinde könnte allein nur gegen den Bebauungsplan klagen, dagegen habe man laut dem Verwaltungsleiter kaum Erfolgsaussichten. Bauunternehmer Robert Fahrner meinte, wichtig sei es, dass bei der Bearbeitung alles seine Richtigkeit habe.

Kritik an Vorhaben

Dimension: Auf einer Fläche von zwölf Hektar, die etwa 17 Fußballfeldern entspricht, soll inmitten des Landschaftsschutzgebietes Granit aus dem Boden gegraben werden. Die Zufahrt soll über eine 1,2 Kilometer lange Forststraße erfolgen. Das Vorhaben würde laut Bund Naturschutz zu einem Waldverlust im zentralen Bereich des Waldgebiets führen.

Nachteile: Der BN befürchtet Lärmentwicklung durch Sprengungen, den Betrieb von Brech- und Siebanlage sowie einen umfangreichen Schwerverkehr im Forst aber auch auf der Frauenzeller Straße. Beeinträchtigt würden laut BN auch Tierarten wie Luchs, Wildkatze, Haselmaus, Kolkrabe und Schwarzstorch.